Notstoppknopf
Sowohl Aufzüge als auch Internetmemes bzw. moderne, digitale Dämonen haben eine Tradition im Horrorgenre. Mit „Devil“ hat kein Geringerer als Shyamalan versucht diesen kleinen Schauplatz bestens zu nutzen und keiner wird den Aufzugkill in „Final Destination 2“ vergessen. Auch das Netflixphänomen „Der Schacht“ kann man da locker und etwas gedehnt mit reinnehmen. Doch vor allem der niederländische „De Lift“ aka „Fahrstuhl des Grauens“ sollte kein Fan des Genres skippen. Und in Sachen Creepypasta aus dem Netz muss man mit dem „Slenderman“ oder „Grimcutty“ auch nicht lange suchen, wenn auch meist mit wesentlich weniger überzeugenden Ergebnissen. Nun kommt mit „Elevator Game“ die Kombi aus beidem - wo eine Gruppe von jungen Influencern es mit einer urbanen Fahrstuhllegende zu tun bekommt…
Der verfluchte fünfte Stock
Mit dem knackigen und klebrigen „Glorious“ konnte mich Regisseurin Rebekah McKendry kriegen. Dieser schleimige Raststättenwahnsinn ist absolut zu empfehlen. Und er nutzt einen ebenfalls beschränkten Schauplatz um ein Vielfaches besser als ihr nun leider sehr cringy „Elevator Game“. Bevölkert von steifen, famegeilen, unlustigen YouTubern. Inklusive internen Querelen, die rein gar keinen interessieren. Mit so viel Ahnung vom Genre wie Fünftklässler. Ein Aufzug, der sich echt und gefährlich anfühlt wie in 'nem Freizeitpark. Der aalglatte Videolook. Studiogefühl überall. Alles wirkt eher wie eine Soap anstatt echten Grusel zu liefern. Noch dazu braucht das Ding auch noch unverständlich lange um in die Gänge zu kommen. Die Dialoge wirken gestelzt. Das Geistergesicht wirkt eher wie Karneval statt „The Grudge“. Überraschungen sind rar. Und die J-Horror-Vibes der Grundidee werden verspielt. Selbst bei geringen Erwartungen ist „Elevator Game“ noch eine Enttäuschung. Gerade wenn man wie gesagt „Glorious“ kennt und gelungen findet. Das hier ist ein glasklarer Rückschritt und war hoffentlich nur eine Auftragsarbeit. Die zweite Filmhälfte, wo es den austauschbaren Unsympathen dann doch endlich an die Krägen geht, bietet dann zumindest noch das ein oder andere Ableben, das sich sehen lassen kann und mich minimal besänftigt. Inklusive guter, kräftiger Beleuchtung. Immerhin. Am Ende reicht das jedoch nicht im Geringsten.
Fazit: als Einsteigerhorror vielleicht noch okay. Ansonsten ziemlich blass und beschränkt. Und erstaunlich unspannend. Vor allem mit erschreckend steifen „Influencern“. Und einem ultrahässlichen Look.