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"Nichts von all dem hier ist real."

Den Wissenschaftlern Hannon Fuller (Armin Mueller-Stahl), Douglas Hall (Craig Bierko) und Jason Whitney (Vincent D'Onofrio) gelingt ein Durchbruch in der Computertechnologie: Sie erschaffen eine virtuelle Realität, welche die 30er Jahre von New York abbildet und deren Bewohner als einwählbare Knotenpunkte für Außenstehende dienen. Jedoch wird Geschäftsführer Fuller an einem Abend ermordet. Detective McBain (Dennis Haysbert) ermittelt und verdächtigt zunächst Douglas, der als Erbe der Firma und durch eigene Verunsicherung über den Abend an dem der Mord geschah, ein Motiv hat. Als aus dem Nichts Jane Fuller (Gretchen Mol), die bislang unerwähnte Tochter von Hannon, auftritt, fühlt sich Douglas auf unerwartete Art sich zu ihr hingezogen. Jane aber hat im Sinn sich die Firma an sich zu reißen und sie sowie die lukrativ erscheinende Computersimulation zu schließen. Douglas beschließt währenddessen sich in die virtuelle Welt einzuklinken, denn dort hat Hannon Fuller ihm eine letzte Nachricht hinterlassen.

Für "The 13th Floor" zieht der bislang unauffällige Regisseur Josef Rusnak Roland Emmerich ("Stargate", "Godzilla") hinzu, der sich durch amerikanische Großproduktionen bereits einen Namen machen konnte. Dem Science-Fiction-Krimi tut dies sichtbar gut, denn er erhält durch Emmerich's Eingriffe eine beeindruckende Atmosphäre.

"The 13th Floor" orientiert sich am Science-Fiction-Roman "Simulacron-3", der bereits 1973 durch "Welt am Draht" eine Verfilmung erhielt. Recht oberflächlich erzählt der Film eine ruhige Kriminalgeschichte, die auf furiose Actionszenen verzichtet und stattdessen auf wendungsreichen Inhalt und eine Mehrfachverschachtelung setzt.
Viel Handlung gibt es dennoch nicht. Gerade in der Mitte des Films erweist sich die Erzählweise als holprig und tritt auf der Stelle. Die Ambitionen der Charaktere bleiben weitgehend verborgen, die meisten kommen nur aus handlungstechnischen Gründen zum Zuge. Ebenso sperrig erweist sich die seichte Romanze, die schließlich auch für Logiklücken sorgt.

Die Schwerpunkte des Films liegen in seiner soliden optischen Präsentation, der altmodischen Inszenierung und seiner Anregung auf eigene Gedankengänge. "The 13th Floor" schreitet vorsichtig und routiniert durch eine hübsche Visualisierung mit einem detailreichen New York der 30er Jahre und einer schon beinahe sterilen Abbildung der Gegenwart.
Im Gegensatz zu "Tron" vermittelt "The 13th Floor" keine eindeutig künstliche Welt aus zum Leben erweckten Computerprogrammen sondern beschreibt eine vollständige Simulation eines vergangenen Zeitalters mit eigenständigen Personen. So wie in "Matrix" sucht der Film dadurch immer wieder philosophische Ansätze über die eigene Existenz und das verschwommene Gefühl des Bewusstseins.

Rusack hat zahlreiche bildliche Elemente herangezogen, um eine unheilschwangere Atmosphäre zu schaffen, durch die der Film auf weiten Strecken überzeugt. Zum einen sind die Bilder innerhalb der einzelnen Welten unterschiedlich coloriert, zum anderen wurde die Ausstattung mit sehr viel Liebe zum Detail dem jeweiligen Zeitalter angepaßt. Das grüne Licht beim Übergang von einer Welt zur anderen unterstreicht ein kaltes, künstliches Gefühl. Hinzu kommt ein ungemein orchestraler Soundtrack, der viel zur dichten Atmosphäre beisteuert.

Darstellerisch bieten die unbekannten Gesichter einen persönlichen Faktor, hinterlassen jedoch einen nur soliden Eindruck. Während Armin Mueller-Stahl ("Lola", "Buddenbrooks") und Dennis Haysbert ("Absolute Power") engagiert aber selten auftreten, bleibt Hauptdarsteller Craig Bierko schauspielerisch zu zurückhaltend und ruhig. Einzig Gretchen Mol wirkt streckenweise etwas unbeholfen.

"The 13th Floor" ist ein ruhiger und handlungstechnisch wenig spektakulärer, gleichzeitig jedoch enorm atmosphärischer Krimi mit Mystery und Science-Fiction Elementen. Das übersichtliche Verwirrspiel versucht gewollt Gedankengänge über die eigene Existenz zu wecken, verzichtet weitgehend auf Actionszenen und beeindruckt stattdessen mit einer vielschichtigen Optik und aufwühlender, musikalischer Untermalung.

7 / 10

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