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Auch wenn der Film stilistisch und erzählerisch andere Wege geht, dürfte „The 13th Floor“ kaum ohne den vorhergehenden Erfolg von „Matrix“ entstanden sein.
Hannon Fuller (Armin Mueller-Stahl) spürt, dass er verfolgt wird und er bald das Zeitliche auf unnatürliche Weise segnen dürfte, weshalb er einen geheimnisvollen Brief schreibt und ihn in einer Bar hinterlegt, ehe nach Hause geht. Man wundert sich über das Styling, denn dies erinnert eher an „L.A. Confidential“ denn an einen Sci-Fi-Thriller. Doch dann stellt sich das Ganze als Simulation vom L.A. im Jahre 1937 heraus, welches Fuller programmiert hat. Zwar kein innovativer Gag, aber eine nette Überraschung zu Beginn.
Doch auch in der Wirklichkeit erweist sich Fulllers Paranoia als gerechtfertigt, aber dies ist nur ein schwacher Trost, denn sein Verfolger erwischt ihn und murkst ihn hinter einer Bar ab. Am nächsten Morgen erfährt Douglas Hall (Craig Bierko), Fullers Mitarbeiter und engster Vertrauter, von der Sache. Dabei mehren sich die Anzeichen, dass er eventuell selbst der Mörder ist und die Polizei verdächtigt ihn. Damit geht der Film auch erzählerisch in die Richtung älterer Kriminalfilme, in denen der Held auch immer in Verdacht gerät und die Wahrheit herausfinden muss, während im das Wasser bis zum Hals steht.

Die Situation wird immer vertrackter und Douglas selbst beginnt er an seinem eigenen Verstand zu zweifeln, doch dann findet er auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht des Ermordeten: In der Simulation hat er Douglas einen Hinweis hinterlassen, der die Lösung des Rätsels bedeuten könnte…
Die Parallelen zu Detektiv- und Polizeistoffen im Milieu der 30er und 40er Jahre sind bei „The 13th Floor“ nicht von der Hand zu weisen: Der verdächtigte Held kommt in Teufels Küche, Schmierlappen wollen ihn erpressen oder umbringen, eine geheimnisvolle Schönheit kreuzt auf usw. Und das nicht nur in der L.A.-Simulation, die bewusst farbarm daher kommt (was Douglas sogar selbst kommentiert) und daher etwas an schwarz-weiß-Filme erinnert, was schon mal ein nettes Flair herzaubert. Auch das futuristische Styling der Zukunftsszenen überzeugt ebenso wie die Effekte, auch wenn es derer wenig gibt (klasse: Die Szene am Ende der Welt).
Doch im Gegensatz zu Cyberweltthrillern wie „Matrix“ wird „The 13th Floor“ sehr ruhig und ohne Hektik erzählt. Das bremst den Film zwar nicht aus, aber man hätte das Ganze trotz des gar nicht mal so niedrigen Tempos ruhig etwas aufregender erzählen. Doch man kann schön rätseln, was denn nun hinter dem Mord steht, obwohl man einige Sachen schon zu klar vorausahnen kann (so nimmt z.B. die Szene mit der Wäschetrommel an Anfang doch einiges vorweg).

Doch eine halbe Stunde vor Schluss werden dann die meisten Fakten offen gelegt und ab da geht dem Film dann deutlich die Puste aus. So ist der Held gar nicht mehr die aktive Person, sondern wird in den letzten 30 Minuten viel mehr zum Spielball, der noch nicht mal wirklich Einfluss auf das mäßig passende Happy End nehmen kann. So langweilt der Film hier auch, da die Handlung ein konkretes Ziel aus den Augen verliert: Vorher wollte man die Wahrheit herausfinden, nun gibt es an sich kein Ziel mehr für die Hauptperson, mit der man schließlich den Film erlebt (stattdessen kann der Held dann doch durch glückliche Umstände und den deus ex machina noch passiv einen weiteren Erfolg verbuchen). Immerhin versucht man die Logik aufrecht zu erhalten und macht das recht überzeugend (z.B. Sterben während einer Simulation), doch das Ende stößt doch mit einer etwas verlogenen und egoistischen Moral auf.
Craig Bierko spielt wirklich gut und bekommt mit Vincent D’Onofrio einen würdigen Partner an die Seite gestellt. Vor allem die unterschiedlichen Seiten ihrer realen und simulierten Figuren können beide sehr gut darstellen. Armin Mueller-Stahl agiert auch überzeugend, aber seine realen und simulierten Rollen sind sich doch relativ ähnlich, während Gretchen Mol seltsam apathisch und nicht besonders prickelnd agiert. Die Nebendarsteller sind gut, allen voran ein toller Dennis Haysbert.

An sich ist „The 13th Floor“ ziemlich atmosphärisch gemacht und hat ein paar nette Ideen, aber aufgrund der zu langsamen Erzählweise und des enttäuschend planlosen letzten Drittels leider nur Durchschnitt.

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