Review
von LittleMole
Die Königin Gedren ist böse. So richtig böse. Also so richtig abgrundtief böse: Sie stiehlt den Talisman der die Welt erschaffen hat just in dem Moment, in dem er vernichtet werden soll. Dabei hinterlässt sie eine Spur aus Zerstörung und toten Priesterinnen. Aber eine Priesterin kann entkommen, und diese alarmiert Red Sonja, dass die böse Königin unterwegs ist um die Welt zu unterjochen. Sonja macht sich gemeinsam mit Lederbikini, Bi-Händer und Arnie auf, Gedren Anstand und Sitte beizubringen, hat diese doch Sonjas Eltern getötet, die Geschwister gemetzelt, und Sonja selber massenvergewaltigen lassen. Und auch wenn Sonja ihrem männlichen Begleiter Conan, ääh Verzeihung: Kalidor gegenüber ein wenig scheu ist („Ich gebe mich nur dem Mann hin, der mich im fairen Kampf besiegen kann.“), so ist sie spätestens beim Gemetzel mit dem widerlichen Brytag froh um ihren Partner. Man sammelt noch den Nervzwerg Prinz Tarn aus seiner zerstörten Stadt auf (Und wer war mal wieder schuld? Richtig, die böse Königin …), dessen männliche Gouvernante Falkon ist auch dabei, und zu viert versucht man den vielen Fallen in Gedrens Palast Herr (bzw. Dame) zu werden …
Im Sichtungsjahre des Herrn/Der Herrin 2018 ein bemerkenswert aktueller Film, der die derzeitigen Tendenzen der Geschlechtergleichstellung einerseits, und die Welle an Vergewaltigungs- und Belästigungsanzeigen andererseits in einen interessanten historischen Kontext setzt. Ein Psychoanalytiker bzw. eine Psychoanalytikerin hätte sicher seine helle Freude daran, warum …
- … Königin Gedren in schwarzes enges Leder gewandet ist und sich nur mit (männlichen) Hanswursten umgibt die sie unterdrücken kann.
- … ausgerechnet ein Kind (nämlich Prinz Tarn) als erstes auf den Gedanken kommt, dass Sonja und Kalidor … na ja … so miteinander und so …
- Und außerdem machen Sonja und Kalidor einen ausgesprochen ausgiebigen Schwanzvergleich mit phallischen Schwertern. Wer mag da später in der Ehe wohl die Lederhose anhaben? „Ich erlaube den Abwasch nur demjenigen zu machen, der mich im fairen Teigringkampf schlägt …“
- Auch der Kampf mit und bei Brytag zeigt bei genauerer Betrachtung so seine Intimitäten: Brytag wird als fetter Schwabbel tituliert, mit männlichem Geruch identifiziert und anschließend penetriert, seine Männer im grauen Einheitslook erinnern erstmal an eine x-beliebige Homosexuellenbar in einem durchschnittlichen Film, und wenn man genauer darüber nachdenkt an Mr. Sorrows Männertruppe in TÖTE, DJANGO.
- Und last but not least sind die belederten Priesterinnen im Tempel des Hohen Lords (das muss man sich dann schon mal auf der Zunge zergehen lassen) ziemlich schneckig, und dass die schwarzen Kämpen Gedrens dort zum … Metzeln … einfallen ist bei genauerem Nachdenken ziemlich logisch. Abgesehen davon schaut die männliche Leibwache des Talismans im Profil aus wie Howard the undead Duck …
Da gibt es sicher noch viel mehr mögliche Denk- und Analysieransätze. Aber Fakt ist, dass der Film richtig gut unterhält, Spaß macht, keine Sekunde langweilt, und einfach ein absolut perfekter No-Brainer ist. Die Fotografie ist erstklassig, die Musik von Ennio Morricone gefällt und erzeugt Pathos und Gefühl, die Landschaften sind erhaben und von barbarischer Schönheit, und die Tricks sind gar nicht schlecht. Wenn das Schloss von Königin Gedren explodiert möchte man sich unweigerlich ducken, so kraftvoll kommt das rüber. Auch die Schauspieler haben einige herzzerreißend schöne Momente: Arnies Blick, wenn er erklärt, dass Frau auch mal nachgeben sollte. Oder Sandahl Bergmans Blick, wenn sie begreift dass sie unterlegen ist und gleich sterben wird …
Und wenn Brigittchens BH noch ab und zu verrutschen tät, dann wäre RED SONJA ein Kultfilm vor dem Herrn. Doch leider sind nicht mal beim Plantschkampf mit dem Metallfisch ihre Nippel zu sehen. Macht aber nichts, bei dem vorgelegten Tempo und der guten Laune die vom Bildschirm (bzw. der Leinwand, ich durfte den Film im Kino sehen) rüberkommt, hilft nur eines: Füße hoch, Glas in die Hand und hoch das Schwert. Welches? Ääh, das muss man/frau selber entscheiden …