Review

Auf der Barbarenfilmwelle nach „Conan the Barbarian“ (1982) surfte auch dieser von Richard Fleischer inszenierte Fantasy-Trash, der sogar im gleichen von Robert E. Howard erdachten Kosmos unterwegs sein soll. Wenn auch auf Umwegen, denn erdachte Howard zwar einen fast gleichnamigen Charakter (Red Sonya of Rogatino), doch ist die hier als Filmversion umgesetzte Sonja wiederum nur eine daran angelehnte Kreation von Roy Thomas. Alles etwas wirr, letztlich aber nicht so wichtig, denn das fertige Produkt gehört mitnichten zu den Klassikern des Genres. Wollte man auch an die Abenteuer von Conan anknüpfen und hat sogar einen in den Credits erstgenannten Arnold Schwarzenegger an Bord, so machten fehlende Rechte dieser Idee einen Strich durch die Rechnung und so heißt Arnie hier Kalidor und tingelt durch die Landschaft, als er auf die titelgebende Heldin trifft.

Diese hat schon einiges hinter sich. Gewaltsam der Familie beraubt und selbst missbraucht sinnt sie gegenüber der dafür verantwortlichen Königin Gedren auf Rache. Diese wiederum ist hinter einem Talisman her, der sehr mächtig und in seiner Nutzbarkeit völlig undefiniert ist. Madame will den haben, irgendeinen Aufhänger braucht man und so zieht Sonja mit Kalidor und weiteren Gefährten durch das Land und das Fantasyabenteuer nimmt seinen Lauf. Auf den Hintergrund der Hauptfigur geht man zu Beginn hastig ein. Ein bisschen Text, ein paar Rückblenden, genug am Charakter gefeilt. Mit so etwas hält sich das Skript nicht auf, legt ansonsten aber auch nicht gerade ein mitreißendes Tempo an den Tag.

Brigitte Nielsen gibt hier als Vokuhila-Barbarin ihr Spielfilmdebüt, Schwarzenegger war da schon dicker im Geschäft. Verlangt wird hier von beiden nicht viel und die weiteren Sidekicks in Form von Prinz Tam und seines Dieners Falkon sind eher verzichtbar. Sie sollen für etwas Humor sorgen, rauben dem Szenario dadurch aber gleich einiges an Ernsthaftigkeit und lassen es im Gesamten harmloser wirken. Bemerkenswert ist noch Sandahl Bergman als schurkische Königin Gedren, denn Bergman spielte im ersten Leinwandabenteuer von Conan dessen Schwarm Valeria. Hier nun auf der anderen Seite verortet und mit einer fast schon verschämt eingewobenen homoerotischen Komponente darf sie eben böse sein, oscarwürdig agiert hier allerdings niemand.
Die Mittelmäßigkeit zieht sich durch den gesamten Film und durch alle Abteilungen. Zwar sind die Landschaftsaufnahmen nett und kommen im Cinemascope gut zur Geltung, die Gegend und auch beispielsweise Gedrens Schloss bleiben letztlich aber ziemlich leer. Überhaupt hat man das Gefühl, dass einem den Film hindurch immer nur die gleichen paar Leute über den Weg laufen.
Die Kulissen schwanken zwischen brauchbar und irgendwas darunter, dennoch hat die Ausstattung ihre Momente. So etwas wie die Außengesichter von Gedrens Burg, manches matte painting, die Kostüme, die Schlucht mit dem Skelett - sieht chic aus. Auf der anderen Seite hat man dann den Thronsaal der Schurkin mit den Deko-Gebeinen und dem deplatzierten Alchemisten. Und selbst ein Name wie Ennio Morricone ist hier kein Garant für etwas Erinnerungswürdiges auf der Tonspur.

Nun gehört „Red Sonja“ nicht zu den tollsten Beiträgen des Genres, letztlich hat er aber einen gewissen Unterhaltungswert. Dennoch leidet das Barbaren-Vehikel unter so manchen Unzulänglichkeiten. Das Tempo ist eher moderat, die ganze Chose beherbergt einen gewissen Trashfaktor, darstellerisch ist das eher so semi-brauchbar vorgetragen, die Ausleuchtung ist mitunter auffällig unnatürlich, Effekte und Kreaturen sind Mangelware und bei Vorkommen mal okay, das sich anbahnende Techtelmechtel zwischen Sonja und Kalidor bleibt unspannend, die Sidekicks ebenso. Dazu ist das Werk tonal unausgewogen und chargiert zwischen immerhin leicht blutiger Fantasyruppigkeit und mancher Kinderei hin und her.
Unterm Strich einfach nur schön doof, aber lange kein Klassiker. Trotzdem gibt es im Barbarengenre weit Schlimmeres.

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