Review

Selbst das im Nachhinein, nach dem kompletten Durchbruch mit erst Bangkok Dangerous (1999) und dann der The Eye Trilogie (2002/2004/2005) aufgeholte Frühwerk der Pang-Brüder hat wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen und mehr Buzz generiert als die Arbeiten der letzten Jahre, ist irgendwann das Interesse an der Karriere der aus Thailand stammenden, dann aber vermehrt in HK tätigen Filmemacher untergegangen, sowohl im Gesamtbild der Zwillinge als auch Einzeln. Die Geschwister haben sich irgendwann vom Genre weg, in zuweilen größere Produktionen wie Out of Inferno (2013), einem Katastrophenfilm um ein Flammendes Inferno in einem innerstädtisch gelegenen Hochhaus verlegt, was von Oxide Pang Shun mit Flash Over (2023) autark wieder aufgegriffen wurde. Danny Pang Fat hat zu der Zeit, also inmitten der Zehnerjahre kleinere Tätigkeiten auch wieder spielend mit Mysterien, mit dem Unbekannten, mit dem Ängstigenden wie The Strange House (2015), The Mirror (2015), Delusion (2016) gedreht, aber außerhalb oder eher unterhalb des Radars, dazu kamen private und damit verbundene finanzielle Probleme, eine Überschuldung und Bankrotterklärung zugunsten medizinischer Kosten für die Therapie eines nahestehenden Angehörigen. Death Stranding selber fungiert in der Gattung Actionthriller, eine chinesische Produktion, die aber in einer fiktiven Stadt angesiedelt ist und sich mit dem Kampf gegen um sich breitenden und um sie wütendes Glücksspiel und den Kampf dagegen widmet; der Film war an den Kinokassen kein Erfolg:

Tiger City, 'some Chinese-speaking area in Southeast Asia'. Der Polizist Jian Wenfeng [ Wallace Chung ] ist nach dem mysteriösen Tod seiner Schwester Jiang Wenqi [ Wang Keru ] merklich angeschlagen; ebenso geht es ihrem Freund Zuo Junzhe [ Francis Ng ], der sich auch, aber nicht nur zur Ablenkung vom Dienst für die Polizei verabschiedet hat und nun für den Glücksspielmagnaten Wu Xin [ Eddie Cheung ] tätig ist, und damit auch für den Gangster Kunca [ Zhao Yanguozhang ]. Als Wu Xin dem ihm als Konkurrent gefährlich kommenden Yan Zhengyang [ Ricky Chan ] ausschalten lässt, wird Cop Jian durch seinen Vorgesetzten Li Ruiming [ Cheung Kwok-Keung ] auf das sowieso zwielichtige Syndikat angesetzt.

Die Besetzung des zwischendurch mit vielerlei Alternativtitel wie Enemy of Life, To Be Faced, Storm of the Century angekündigten Produktes ist dabei anständig, nicht herausragend, Pang hat mit zwei anderen Autoren an der Geschichte mitgeschrieben, die weiteren Mitarbeiter sind vom Festland, es wird außer manchen Leuten in der Besetzung, dem Actionchoreograf und dem F/X Consultant nicht etwa mit den Talenten aus HK gearbeitet und nur die RMB für das Stemmen des Produktes benutzt. Mit einem Todesfall beginnt man, der Liebe des Lebens, der Inanspruchnahme der Hinterlassenschaften, der letzten Erinnerungen, der gemeinsamen Gegenstände, den geteilten Andenken, die jüngere Schwester im Leichenschauhaus, viele Fragen sind offen. Die Geschichte, an der das spielt, nennt sich 'Tiger City', im Südosten des chinesischsprachigen Raumes, so wird es hier dargestellt, mehr wird nicht erläutert, die Geschichte spielt vor längerer Zeit, selbst nach einem Sprung nach vorn, mehr als zwei Dekaden bleibt man her. Es geht um die heiß umstrittene Unterhaltungsindustrie, Casinos etc., von Gangs umkämpft, die Straßen mit Macheten bewehrten Schlägern gefüllt.

Die Behördlichkeit hat sich darauf eingestellt, man hat einen Plan entwickelt, der nur noch in Gang gesetzt werden muss, zudem gibt es weiterhin die private Agenda, die Trauer und der Frust. Es geht um Schwarze Listen, es geht um eine Wahl, um Politik und Machtstreben, um Legalität und Illegalität, um den Staat zum Schutz des Einzelnen und um Einzelne, die sich auflehnen gegen die Obrigkeit. Es werden Machenschaften beschlossen, Erpressung und Kidnapping als Druckmittel benutzt, ein allgemeines Unrechtsbestreben ohne Skrupel und ohne Moral, Kinder und Frauen als Hebel angesetzt. Gedreht ist das eher im Kleinen, das Budget wird nicht enorm gewesen sein, es reicht für Rückblenden und einen ersten Angriff auf den Leeren Straßen, ein Rammen von der Seite mit einem schweren Fuhrwerk, ein Drängen von der Fahrbahn.

Gespräche finden hinter verschlossenen Türen statt, es werden ein paar Andeutungen und ein paar Schlagwörter gemacht, eine große Verschwörung, ein großes Konglomerat, verzweigt in viele Geschichten und mit nach außen hin der sauberen Fassade. Hauptdarsteller Chung spielt das bleiern, fast wie leblos, wie schwer getroffen und anämisch, die Umgebung ist eine gestellte, eine fiktive, man gibt sich Mühe des Aufbaus eines tatsächlichen Szenarios (und von Zeitkolorit), hat aber nicht richtig die Mittel. Eine Investigation wird gestartet, die Gegenüber persönlich nicht am besten zueinander stehend, die Durchsuchungsbefehle deutlich, ein Krimi der Drohungen und des Aktenwälzens, etwas blass im Ausdruck, etwas gediegen im Vollziehen. Die Erzählung ist dabei von vornherein in einer Art Isolation angelegt, es gibt mit Ng und Cheung zwei stärkere personelle Komponenten, der Rest versucht sich eher im Überspielen, Nichtigkeiten werden dargebracht, die Fiktionalität vermeidet politische Ecken und Kanten und materielle Schwierigkeiten, aber auch Interessen bezüglich der Fortführung der Verhaltensweisen; es wirkt wie mit angezogener Handbremse, das Projekt hieß ursprünglich The New World, es wäre eher etwas wie The Other World, ein begrenztes undeutliches Wesen, mit einigen wenigen wichtigen Mitspielern und drumherum viel Gewese.

Die Dialogarbeit ist mäßig, das Tempo ebenso, eine in Aussicht gestellte Frist nicht weiter wichtig, ein Bauernopfer dargeboten, eine Cover-up Story. Dabei werden einige größere Schauplätze eher in Form von Villen mit Pool und Grundstück oder eben dem Polizeirevier schon geboten, wichtig ist noch die Dreiecks-Beziehung zwischen dem Gangster, dem Cop und einem Ex-Cop, der jetzt für den Protagonisten zuständig ist, aber "seine eignen Hunde' mit im Spielfeld hat und nicht gänzlich außen vor agiert. Das darstellerische Spiel und insgesamt die Behandlung sind eher getragen, es wird wenig akzentuiert, die Bilder laufen gleichmäßig vor sich her, der Status Quo wird zelebriert. Ab und an verortet eine Drohnenaufnahme aus der Luft die Gegend, in der sich das hier abspielt, ein höchst mittelklassiges Umfeld, außen vorliegend der lebhaften Gesellschaft, wie ein Kingdom of Mob (1999), der vor den Toren der Stadt auf einem besseren Acker spielt.

Eine Art besserer Fernsehfilm, welches zwar ein etwas anderes Motiv beackert als üblich, Gambling statt Waffen oder eben Drogen, quasi wie The Big Call a.k.a. The Fraud Squad (2017) von Bruder Oxide, welches sich um Betrugsfälle und eine dagegen eingesetzte Eliteeinheit dreht, und analog dazu auch ebenso 'aufregend'. Viele der exponierten Gefühle sind genauso Schein wie die Fantasienamen für die jeweiligen Orte, Nebendarsteller sind sämtlich unauffällig, der Inszenierung fällt auch nicht sonderlich viel ein, man wirkt wie Dienst nach Pflicht, in allen Belangen. Eine Schießerei auf einem Essensmarkt wirft neben etwas Zerstörung des Areals auch zwei Gasexplosionen ein, die Arbeit von Choreograf Norman Law, Sohn des auch anwesenden Bruce Law, tritt zumindest ein wenig in die Fußstapfen seines natürlichen Vorbildes ein. Später gibt es leichten Radau auf einem Schrottplatz am Hafen, eine Todesschwadron unterwegs, ein Sprung mit dem Auto ins Wasser als einzige Möglichkeit des Entkommens, während ein vergleichsweise überzogenes Finale in der Vorhalle des Flughafens mit sich dort überschlagenden und in Flammen aufgehenden Wagen etc., und dem Ausschalten der Airport Security im nebenbei als willkommener Abschluss zumindest darstellt.







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