Inhalt:
In der "Boxer world" genießt der Clan der Tien Yi Tong einen excelenten Ruf, rechtschaffend zu sein, und den Schwachen zu helfen. Doch wird der Clan von inneren Machtkämpfen erschüttert. Das Oberhaupt des Clans wird vom "first chief" Hung Sing Tien (Chang Pei Shan) tödlich verletzt, auch der "6th chief" (Tang Yen Tsan) wird hierbei ermordet.
Hung will zusammen mit "8th chief" An Bing Er (Li Ching) und "5th chief" Chan Tong (Chen Hsing) die Macht im Tien Yi Tong-Clan an sich reißen.
Jin Fei (Ti Lung) wird als edler, rechtschaffender Schwertkämpfer "King eagle" vom Volk verehrt. Er lebt als Jäger in den Wäldern der "Boxer world", und versorgt 2 Freunde mit Nahrung. Als diese beiden Freunde von den Schergen Hung´s, den Tai Shan-Brüdern getötet werden, wird Jin Fei in diesen Machtkampf hineingezogen, zumal er die eitle An Bing verschmäht. Er zieht den Hass der Abtrünnigen des Tien Yi Tong-Clans auf sich, und diese wollen ihn mit Hilfe der Tai Shan-Brüder beseitigen.
Hinzu kommt, dass Jin von seinem Waffen-Bruder Fang (Wang Kwang Yu) die nötigen Informationen hinsichtlich des Machtkampfs innerhalb des Tien Yi Tong-Clans erhält, und er somit immer mehr zum Sicherheits-Risiko für die Verräter wird!
Bei einem Attentat der Tai Shan-Brüder wird Fang getötet, doch werden dann auch diese von Jin Fei eliminiert, wobei ihm "7th chief" Yuk Lin (Li Ching) zu Hilfe kommt. Diese ist so ganz anders als ihre Schwester An Bing, rechtschaffend und an das Gute glaubend. Jin und Yuk finden Gefallen einander und kollaborieren daraufhin!
Als erstes fällt ihnen Chan Tong zum Opfer. Da Yuk mit Jin Fei zusammenarbeitet, wird sie ebenfalls zum Sicherheits-Risiko für die villains.
Chan merkt dies, tötet beinahe Yuk mit seinen tödlichen Schilden, doch diesmal kommt Jin Fei ihr zu Hilfe...
Als Hung den mysteriösen Mr. Wan (Ching Miu), der selber Ambitionen hegt, den Tien Yi Tong-Clan zu führen, als Gehilfen für seine finsteren Pläne anheuert, eskaliert die Situation! Die letzten (Wang Chung, Cheng Lui), die den Verrätern im Wege stehen, werden brutal beseitigt.
Jin und Yuk suchen nunmehr den mörderischen, blutigen Show-Down mit Hung, An Bing und Mr. Wan......
Fazit:
Klasse! Der Streifen "King eagle" gefiel mir ausgezeichnet, zumal wenn man das frühe Baujahr des Films hinzuzieht. Der Film ist gefällig inszeniert, bunt, hat für die damaligen Verhältnisse in der Action Drive, und überzeugt durch sehr gute Darsteller, allen voran natürlich Ti Lung, der Solo-Geiger im Orchester Run Run Shaw´s!
Der Film gehört nicht zu den Klassikern Chang Cheh´s, er hat natürlich auch nicht den actiongeladenen Drive späterer Werke des Eastern-Altmeisters, doch man fühlt sich sehr gut unterhalten.
Der ganze Film erinnert in seiner Machart sehr stark dem 1 Jahr vorher gedrehten "Have sword, will travel", ebenfalls mit Ti Lung, da aber an der Seite David Chiang´s. Die Musik Marke Italo-Western ist fast exakt die selbe, es wird viel geritten, die Sets sind die selben, und das Swordplay dominiert auch hier hinsichtlich der Action.
Doch kann man beide Filme nicht so ohne weiteres miteinander vergleichen. Dieser Streifen hier, "King eagle" ist meiner Ansicht nach spritziger inszeniert! "Have sword, will travel" hatte das Problem, in den ersten beiden Dritteln des Films einem schwerfälligen Aufbau anheim zu fallen.
Zwar hat auch "King eagle" diesen mitunter gemächlichen Erzählbogen, doch gelingt es Chang Cheh, das ganze mit kürzeren, dafür häufiger eingesetzten Fights aufzulockern, hinzukommt, dass die geringe Laufzeit von nicht mal 90 Minuten keine Langeweile aufkommen lässt.
Diese Fights sind für anno ´70 rasant in Szene gesetzt, und schön blutig. Knackige Schwertkämpfe dominieren die Szenerie, was ja kein Wunder ist, ist dies doch noch die Zeit der Schwert-Epen, die Zeit der KungFu-Streifen begann ja erst so 1-2 Jahre später, als die Bruce Lee-Hysterie so richtig ausbrach!
Vereinzelte KungFu-Tritte lockern die Sache auf, und Cheng Lui darf sich hier noch als Stock-Kämpfer sehr gekonnt hervortun. Die Action ist außerdem noch einem Markenzeichen Chang Cheh´s untergeordnet: Bloodshed!
Das Blut fließt aus tief geschlagenen Wunden, das darf in einem richtigen Chang Cheh-Film natürlich nicht fehlen.
Und wer überzeugt kampftechnisch wieder am meisten? Natürlich Ti Lung. Er agiert hier als absoluter Held, damals, als er noch blutjung war, da war dies eine seiner ersten Rollen, und er agiert hier schon wie ein "Großer" des Genres. Er spielt die Rolle des Helden, so wie es von Chang Cheh immer schon angelegt war, kompromisslos, hart, kalt! Er hat irgendwann die Faxen dicke, und das müssen die villains dann ausbaden....
Auf ein Markenzeichen Chang Cheh´s muss der geneigte Fan aber weitestgehend verzichten: Männerbünde. Ti Lung ist hier der männliche Alleinunterhalter, nur in einer Szene mit Wang Kwang Yu blitzt so etwas wie manfriendship auf, aber es ist nur angedeutet.
So angedeutet, wie die Liebesgeschichte. Das ist nun wiederum ein Markenzeichen Chang Cheh´s. Die zarten Liebesbande zwischen Ti Lung und Li Ching, der "Baby-Queen", sind angedeutet, überlagern den Film aber keineswegs, auch wenn die Szene, als Li Ching den verletzten Ti Lung am Ufer eines Teichs versorgt, mit ihrer zarten Andeutung von Pseudo-Erotik zu den glänzendsten Szenen des Streifens gehört. Das ist eben die Handschrift Chang Cheh´s, damit kann der Freund fernöstlicher Action natürlich wunderbar leben.
Apropos die Szene am See, das bringt mich zu den Sets, die so herrliche künstlich sind, wie in "Have sword, will travel". Die Sets sind die gleichen, haben wir alles schon mal gesehen. Dadurch wirkt wieder alles so schön surreal, das gibt wieder die besondere Shaw-Note. Interessant ist die Ufer-Szene auch dahingehend, dass Chang Cheh sie mit "echten" Außenaufnahmen koppelt, zum Ende hin, als Li Ching wegreitet, sind wir "wirklich draußen", wirklich am Ufer eines Teichs, in den Nah-Aufnahmen vorher, sind wir im Studio, Chang Cheh war als Regisseur eben irgendwie anders, besonders!
Die Darsteller neben Ti Lung, sie spielen alle solide, und Chang Pei Shan und vor allem Ching Miu sind als villains glänzend besetzt. Durch den relativ plötzlichen Einstieg Ching Miu´s als Bösewicht Marke "schwarze Eminenz" erhält der Plot eine interessante Wendung. Wirkt Chang Pei Shan doch fast wie ein etwas naiver villain, kommt der ominöse "Mr. Wan" als hinterhältig-gerissener Schurke rüber, ein genialer Schachzug des Meister-Regisseurs!
Bleibt noch Li Ching, die hier in einer Doppel-Rolle agiert. Zum einen ist sie die "gute" Yuk Lin, zum anderen An Bing, die hintertrieben und eitel ist. Li Ching ist in diesem Eastern Glanz- und Schwachpunkt zugleich. Natürlich spielt sie die Rolle der Yuk Lin bravourös niedlich, doch als weiblicher villain besitzt sie wenig Überzeugungskraft. Sie gibt sich zwar alle Mühe, mit Gerissenheit andeutenden Blicken ihre "bösen" Rolle gerecht zu werden, hat aber Schwierigkeiten, ihrem vom Zuschauer gewohnten Rollenbild zu entfliehen. Sei´s drum, dies ist nur ein kleiner Makel.
Ich gebe dem frühen Eastern "King eagle" eine gute Note..., es ist solides Eastern-Handwerk, und wenn man das Baujahr des Films in die Bewertung des Films mit einfließen lässt, so komme ich auf ausgezeichnete 8/10 Punkte!