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Die Umsetzungen von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ lassen sich kaum mehr zählen und doch bietet sich die Geschichte durchaus an, die düsteren Aspekte hervorzuheben und daraus eine Horrorstory umzuformen, was ja auf so einige Märchen zutrifft. Allerdings kommt der britische Regisseur und Autor Richard John Taylor kaum über einen vorhersehbaren Twist rund um die Rote Königin hinaus.

Alice überlebt den Hausbrand nur knapp, bei dem ihre Eltern ums Leben kamen. Kurz darauf zieht sie zu ihrer Oma Beth und leidet schon bald unter Unwohlsein und Fieber. Während Beth ihr aus „Alice im Wunderland“ vorliest, vermengen sich Alpträume, Märchen und Realität…

Einigen der Originalfiguren haftet ja bereits ein leicht unheimlicher Faktor an, woraus sich problemlos reine Horrorgestalten formen ließen, wie der Hutmacher, die Grinsekatze oder die Raupe. Zwar klappert Alice im Original auch einige Figuren und Schauplätze ab und lernt aus den Begegnungen, doch hier erscheinen sie arg fragmentartig und ohne jeglichen Kontext.
Aus dem Kaninchen wird ein Kindermörder, aus dem Walross auch, während aus der Raupe ein warnendes Element wird, wogegen andere Vorbildfiguren erst gar nicht auftauchen.

Zwischenzeitlich labern sich Alice und Oma einen Wolf als es um die Vergangenheit von Haus und Familie geht, doch der namentliche Terror bleibt komplett aus. Die wenigen Kostüme entfalten sich als lieblos, es fließt trotz einiger Andeutungen nahezu gar kein Blut und zwischenzeitlich werden Zeitlupeneinstellungen derart überstrapaziert, als wolle man die Laufzeit um einige Minuten strecken, denn tatsächlich setzt der erlösende Abspann bereits nach 70 Minuten ein, - welcher im Übrigen ebenfalls auffallend langsam abläuft.

Den Mimen kann bei alledem kaum ein Vorwurf gemacht werden, - die performen weitgehend zweckdienlich. Der Score ist ebenfalls um düstere Schwingungen bemüht und die Gestaltung der Feuerszene gerät hinsichtlich des geringen Budgets tauglich. Der Rest hat bis auf vage Referenzen nichts mehr mit dem Klassiker gemein. Er gestaltet sich langweilig und ohne ersichtlichen roten Faden, es gibt genau zwei Jump Scares und ansonsten null Spannung und was bezüglich Kreativität angesichts der Vorlage möglich gewesen wäre, offenbart sich hier nicht einmal in Ansätzen.
2 von 10

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