Das Waterloo für woke Nervensägen, unter anderem dafür gebühren diesen Film alle Preise. Ist das Mut, dieses Statement in dem etwas anderen Klassenkampf? Endlich dürfen schöne Menschen wieder schlank, gepflegt, gebildet, gut gekleidet sein und mit dem entsprechenden Teint. So fühlt sich das Werk schön fast aus der Zeit gefallen an, wie Kino der 60er und 70er, Commercials der 80er und 90er. Plötzlich wirken die auf den ersten Blick gekünstelten, überstilisierten und ästhetisierten Bilder wie eine neue Natürlichkeit. Die Schein-Realität der Trägen und Faulen, der Dummen und selbst gewählt Hässlichen wird einfach, beiseitegeschoben. Ausgeblendet. Aus deren ehemaliger Angst vor der Schönheit ist mittlerweile ein missgünstiger Hass geworden und In dieser filmischen Welt ist kein Platz für den befremdlichen Zorn, ihren Hochmut, ihren Neid. Richtig, hier ist, auf den Punkt gebracht, kein Platz für die berüchtigten Sünden, auch wenn dieser Rausch der einen scheinbar den roten Teppich ausrollt. Völlerei existiert gar nicht, die Wollust vor allem im Kopf. Die Schönheit ist hier so vollkommen, dass sie fast unberührbar bleibt, zumindest von einem tugendhaften Mann. Parthenope die Sirene, eine ohne böse Absichten. Sie schmerzt den Betrachter, so wie sie ihn erfüllt, ohne Berechnung, einfach weil sie es nicht besser weiß. Sie scheint göttlich, ist aber menschlich, betörend, aber auch geistreich. Ihre Jugend bedeutet Vollkommenheit, jedoch schwindet dies ganz natürlich mit dem Altern, wechselt sich mit der Weisheit. Aber das Erwachsenwerden zerstört auch die Unbeschwertheit, zeichnet durch Schicksalsschläge, verändert den Blick. Zum Glück präsentiert Paolo Sorrentino etwas mehr als einen visuellen Bilderrausch und wird mit jeder Minute tiefgründiger. An der Stelle sei dem Vorwurf an den Film, aus einer lüsternen Männersicht zu betrachten, eingeworfen: KameraFRAU. Die Geschichte beschreibt eine Sinnsuche, die immer von äußerlichen Vorzügen überlagert wird, jene Türen öffnen, Türen verschlossen halten. Etwas Begehrenswertes in der Welt der Begierde.
Dieser Kinorausch spaltet das Publikum, trennt schauen und sehen. Wer hier Langeweile findet, ich muss leider zitieren, hat keine Augen, keine Ohren, keine Gefühle, aber vor allem keinen Geist. So viele unvergessliche Szenen, außergewöhnliche Momente, ikonische Aufnahmen. Neben Celleste Dalla Porta glänzen alle anderen Darsteller, die Kamera findet in jedem das Beste. Der geheime Star ist aber Neapel, danach möchte man sofort eine Reise buchen.