Trotz langjähriger Karriere seit über 45 Jahren erst der zweite Film, der Simon Yam auch als Produzent listet; Yam sonst stets und ständig vor der Kamera und dies auch weiterhin aktiv ausgefüllt tätig, und (bis auf ein einzelnes Regiewerk, ein Bestandteil zur Horror-Anthologie Tales of the Dark 1, 2013) niemals als Kreativer oder Entscheidender Faktor hinter der Produktion wirkend. Die erste Produzentenlistung war bei etwas offensiven und trotzdem intimen Beziehungsdrama Ocean Flame (2008), mutmaßlich eine Herzensangelegenheit und auch ein künstlerischer Film, wenn man das so sagen kann. Die zweite Nennung ist nun bei The Comeback, einem chinesischen Streamingtitel, Abteilung Aktionfilm für den On Demand Bereich, gedreht von Chris Huo, der zuvor und danach mit dem zweiten Hauptdarsteller Andy On gearbeitet hat, bei Blind War (2022, durch Verbreitung von Well Go USA auf Heimmedien durchaus geläufiger) und bei Hunt the Wicked (2024), The Comeback quasi als Mittelstück, gleiches Genre, inhaltlich aber unabhängig von gestrickt:
Jie Ge [ Andy On ] vom Internal Information Technology Center of Sicritus war mit seinen Mannen vor drei Jahren hinter dem vermeintlichen Verbrecher Hua Shu [ Simon Yam ] her, und auch in dem Gewissen, diesen damals ausgeschaltet zu haben. Hua lebt allerdings, leidet allerdings an einer Amnesie, was ihn nicht daran hindert, in der Stadt Manulla zusammen mit dem Polizisten Qiang [ Lei Mu ], dem als Bettler lebenden Cao Lao Tou [ Yuen Wah ] und der jungen Waisenhausbesitzerin A Zhen [ Jiang Peiyao ] gegen die lokale Qinglong Gang zu stellen, die im Auftrag eines Grundstücksspekulanten die älteren Häuser in der Stadt auch mit Durchsetzung von Drohung und Gewalt abreisen und die Anwohner vertreiben sollen. Aufgrund der Aufmerksamkeit gerät Hua auch wieder in das Visier von Jie Ge, der erneut mit seinem Killertrupp in den Ort einfällt.
Vertrieben ursprünglich von IQIYI, dem mit führenden Online-Anbieter auf dem chinesischen Markt, neben Youku gerade aus im Ausland wahrscheinlich mit am bekanntesten, permanent auf der Suche nach Nachschub für die Klientel, wobei Aktionfilme tatsächlich auch nur eine Sparte ausmachen, das für den westlichen Bereich aber sicherlich auf Markantesten und aufgrund vielleicht auch Vergleiche mit dem urtümlichen oder auch jetzigen Hongkong-Kino am interessantesten ist. Die Produktionen scheinen dabei auch durchaus mit Geld gesegnet zu sein, Huo hat sich zuvor in Fantasy ausgetobt, was durch die Effektnutzung auch sein Budget verlangt, und ist seit dem gelungenen The Sniper (2001, ein Allerweltstitel, mit Prince Henry Mak) in die Moderne und die Urbanität gegangen. Kräftige Farben, auch die Suche nach Spekulativen, gerade in der Verwendung auch von Frauen als sexuelle Objektive, auch dem Spektakulären, den entsprechenden Auseinandersetzungen und Konflikten und Konfrontativen nämlich.
On, der seine Karriere anders als den pendelnden Yam mittlerweile recht einseitig oder auch speziell auf die Volksrepublik China an- und ausgelegt hat, wird dabei in erster Linie eingeführt, als Käufer einer Information, es gibt früh ein dubioses Treffen, schnell eine Kampfszene mit kleinerem Schusswaffeneinsatz, schnell auch die Auffälligkeit und Anfälligkeit derlei Werke, ein gewisses Überinszenieren, ein Überangebot an visuellen Stilmitteln, die keine richtige Einheit miteinander eingehen und nicht ganz die Wirkung, die wahrscheinlich angepeilt ist, eher ein An- und Vortäuschen dessen, erstaunlicherweise leiden eher kleinere Szenen dadurch, bei den größeren wird auf Überwältigung gesetzt.
On ist der Jäger, Yam ist das Ziel, schnell ausfindig gemacht, entsprechend schnell im Visier. Bei strömendem Regen und inmitten der dunklen Nacht wird der erste Angriff probiert, aber schnell auf Probleme gestoßen, Funken aus abgefeuerten Schnellfeuerwaffen und Einschlägen erhellen die tropfnasse Szenerie, eine Mischung aus Realität und Unwirklichkeit, die Filme meist unabhängig von Logikanspruch und Verstand, auf das fiktive Entertainment, die Ablenkung auch ausgerichtet, auf die Bildung oder Bebilderung einer anderen Welt. Hier beizeiten eine militärische Operation, ausgeführt in schnellen Schnitten, im Blitz und Donner, mit Einsprengseln von Gewalt, mit dem Hantieren von Werkzeugen als Todesinstrumente, die Einstellungen stakkatoartig, wechselnde Eindrücke, eine optische Intervention, weniger die Integration. Da die Geschichte für Online-Titel durchaus länger geht, Premium quasi, ist das nur der Prolog, der Sprint vor dem Marathon, der Rahmen um den eigentlichen Rest der Handlung. Diese verzweigt sich aus Tradition und Moderne, der Kampf des Individuums gegen die Umstände, David gegen Goliath, der Auf- und Widerstand gegen eine Repression. Es wird viel drangsaliert und entsprechend reagiert, ein Generationenkonflikt auch, nicht umsonst ist die Hauptfigur Antiquitätenhändler, Handwerker und Techniker, die Jugend ist bloß Zerstörer.
Gedreht ist das hauptsächlich in einer größeren Straßenanlage, der Ort voll mit Menschen, jeder kennt jeden, die Statisterie nicht wenig, ein Aufwand ersichtlich. Eine Art von knallbunter Albernheit wird allerdings geboten, viele Darsteller chargieren, auch Yam spielt teilweise verloren, dazu eine Regie wie auf der Kirmes, möglichst laut und möglichst trunken. Die Stadt hier nennt sich 'Manulla', entsprechend der 'Verortung' ist alles möglich und wahrscheinlich auch alles nötig, um die eindreiviertel Stunden zu füllen, es ist immerhin dekorativ aufgesetzt, ein wildes Sammelsurium. Es wird ein wenig Neo-Western gespielt, in Teal & Orange, sexuelle Hinweise sind meist infantiler Natur, das Thema ist in der VRC anders als Gewaltdarstellungen noch das große Tabu, die Grenze, die eng geschlossen ist und man nur von weit entfernt, voyeuristisch drauf blickt (zwischendurch wird auf den hebenden und senkenden Brustkorb einer vor Todesangst schwer atmenden jungen Frau gezoomt), die No-go-Area quasi, die Büchse der Pandora. Das Umfeld selber interessiert im Grunde genommen nicht, Hunt the Wicked hat eine direkte Cops Vs Robbers Story, den Kampf gegen die Drogen, Blind War hatte seinen Racheplot, hier wird's mit Amnesie und Amnesty versucht, mit Persönlichen und Persönlichkeit, mit Beziehungen und Entwicklungen. Das geht als Drama dann vor, und scheitert.
Eine 'Vom Saulus zum Paulus' - Geschichte, eine 'The Master & the Disciple' - Struktur, was beides ihre Zeit braucht, Anfang des zweiten Aktes wird es wieder intensiver, eine Entdeckung gemacht bzw. derer zwei, die Geschehnisse nun drängender, nicht wirklich edler. Es fehlt vor allem an einer Schauspielführung und dem Casting, von allen Beteiligten sind nur ein, zwei Darsteller, allen voran Jiang Pei-Yao stimmig, der Rest seltsam störend oder ein Niveau negierend, keine Qualität integrierend. Zwischen Hightech und alten staubigen Holzbaracken, zwischen belanglosen Gesprächen und der Zerstörung eines heruntergekommenen Badehauses (inklusive eines Wasserbeckens voll mit sich zersetzenden Leichen) von innen heraus nach allen Regeln der Kunst, zwischen erklärenden und verklärenden Rückblenden und beidhändig Abfeuern von prall gefüllten Maschinenpistolen.
Das hat seine Ideen und auch zuweilen die Umsetzung, man versucht sich deutlich am Mehr, an etwas Größerem als üblich, es ist im Einzelnen besser als im Ganzen, es koppelt Intimes mit Martialischen, mit zu viel Vorlauf, mit mancherlei flammenden Explosionen, mit zu viel Dazwischen, schlecht erzählt, aber mit Eruptionen. Es gibt einen Bombenhagel durch Angriffe von Minidrohnen, ein Kirchen-Shootout, die Vernichtung einer Hundertschaft der Polizei, einen furiosen Nahkampf in einem Aquarium, jeweils durch die Choreografie vom schon bei Blind War angestellten Zhao Long.