Dennis Hopper spielt in „Out of the Blue" den ständig betrunkenen LKW-Fahrer Don, der fünf Jahre im Knast saß, weil er im Suff mit
seinem Truck in einen Schulbus raste und somit mehrere Kinder tötete. Der Film
beginnt mit der traumatischen Anfangsszene. Neben ihm seine etwa zehnjährige
Tochter Cindy, genannt CeBe, die den Unfall verletzt überlebte. Es sollen also
fünf Jahre ins Land gehen bis CeBe (Linda Manz) ihren Vater wieder sieht, denn
dass seine Familie ihn im Knast besucht, das wollte Don nicht. Mutter Kathy
(Sharon Farrell), selbst Trinkerin und drogenabhängig, verdient unter dessen
ihr Geld als Bedienung in der Kneipe ihres neuen Freundes. Ansonsten führt sie
ein recht lockeres, freizügiges Leben. Um es auf den Punkt zu bringen: Kathy
als Schlampe zu bezeichnen wäre noch geschmeichelt. Es ist klar, dass CeBe es
in so einem Elternhaus schwer haben muss und so ist es nicht verwunderlich, dass
die 15 Jährige selbst die Flucht in Drogen und Alkohol sucht und Probleme in
der Schule hat. Es scheint so, dass CeBe schnell erwachsen werden will um ihre
verkorkste Kindheit hinter sich zu lassen. Alles soll besser werden, wenn Papa
aus dem Knast kommt. Und als Don dann nach fünf langen Jahren die
Gefängnismauern tatsächlich hinter sich lässt, scheint sich zunächst wirklich
alles zu verbessern. Don bekommt einen, wenn auch schäbigen, Job als Baggerfahrer
auf einer Müllkippe und mit seiner Frau und seiner Tochter versteht er sich
nach fünf Jahren scheinbar wieder prächtig auch wenn er mit CeBe eher ein
Kumpelverhältnis zu führen scheint, als eine normale Vater-Tochter Beziehung in
herkömmlichen Sinn zu pflegen. Don schmiedet auch wieder Pläne: Zurück auf die
Straße will er - Seinen alten Truck (mit dem er damals in den Schulbus raste)
wieder auf Fordermann bringen. Als jedoch nach der ersten Freude des
Wiedersehens der graue Alltag einkehrt, verdeutlichen sich die Probleme für den
Zuschauer allmählich. Das es hier um mehr geht, als eine unterprivilegierte
Familie mit den normalen Problemen, die eine Solche nun mal hat. Ich verrate nicht zu viel: Don hat sich im
Knast nicht verändert. Wir sehen ihn in fast jede Szene betrunken oder
trinkend, sei es bei der Arbeit, beim Autofahren oder Zuhause. Seine Frau, die
keinen eigenen Willen zu haben scheint, ist auf eine krankhafte Art und Weise
abhängig von ihm und lässt alle seine Eskapaden zu. Dass es tief in der Vergangenheit der Familie noch andere, abscheuliche Geschehnisse gab, erfahren
wir erst gegen Ende des Films, als die Situation mehr und mehr eskaliert und
das Vergangene mit aller Kraft zurück in die Erinnerung strömt. Da gab es noch
viel tiefgreifendere Probleme, die CeBe in fünf Jahren verdrängt hat. Scheinbar
angeekelt von sich, der Welt und ihren Erzeugern, tut CeBe das aus ihrer Sicht
einzig Richtige. Für den Zuschauer wird Vieles gegen Ende des Films viel
klarer, kann er doch jetzt das Gesehene neu bewerten und einordnen.
Neil Young steuerte mit seinem Song die passende musikalische
Atmosphäre bei. Ansonsten muss ich anmerken, dass „Out of the Blue" weit weniger
mit Punkkultur als solches zu tun hat, als wie ich es in fast jeder Kritik
gelesen habe. CeBe ist ein junges Mädchen mit vielen Eindrücken und vielen
Ideen, dass schnell erwachsen werden möchte. Punk ist dabei ein Aspekt von
vielen. „Out of the Blue" ist ein Film, der den Zuschauer auch das damalige
Zeitgefühl vermitteln möchte. Am besten geht das musikalisch und Punk ist eine
Stilrichtung, die dabei auch eine Rolle spielt. „Out of the Blue" ist aber kein
Punkfilm.
Regisseur und Akteur Dennis Hopper hat mit „Out of the Blue"
ein beklemmendes Sozialdrama geschaffen, welches noch beklemmender wird, wenn
man sich verdeutlicht, dass das Gesehene jeden tag so oder ähnlich in vielen
zerrütteten Familien stattfindet und zwar unabhängig von der Gesellschaftsschicht.
Um was es bei „Out of the Blue" geht, ist soziale Armut, die nichts mit dem
Geldbeutel zu tun hat. Solche seelische Verwahrlosung finden wir auch in
gehobenere Schichten wieder.
1979 war Dennis Hopper in Hollywood verschrien. Zum einen wegen seiner Drogengeschichten,
zum anderen wegen seines Rufs unbequem und streitsüchtig in der Zusammenarbeit
mit Regisseuren zu sein. So kam es überhaupt zustande, dass Dennis Hopper in
dieser kanadischen Low Budget Produktion
mitwirkte. Als dann der Regiedebütant Leonard
Yakir schlichtweg mit seiner Arbeit überfordert war, übernahm Hopper auch noch
diesen Part, war doch die Regiearbeit für ihn kein Neuland. Vieleicht also war
Dennis Hopper der Grund, warum aus „Out of the Blue" mehr wurde, als eine
weitere Milieustudie unter vielen anderen. Tatsächlich spielte Hopper die Rolle
des Dauertrinkers Don mit einer sehr starken Intensität und Glaubhaftigkeit.
Generell sah ich von darstellerischen Seite eigentlich kaum Schwachpunkte bei den Schauspielern, was
natürlich auch auf eine gute Regiearbeit hindeutet, denn das ist in einer Low
Budget Produktion keinesfalls die Normalität.