Exhuma ist so ein Film, der mich stellenweise begeistert, andererseits oft auch enttäuscht, aber immer beschäftigt hat. Zweifelsfrei ein anspruchsvoller Horrorfilm, den der klassische Horrorfan eher meiden sollte. Denn die super gruseligen Momente sind eher rar gesäht und das über eine Laufzeit von über 2 Stunden. Vielmehr ist das ein komplexes Drama mit Mystery-Anleihen und Bezügen zur Geschichte Koreas. Vom künstlerischen Aspekt her, sicher ein herrausragendes Werk. Aber eben auch mit Längen und manchen weniger befriedigenden Szenen.
Endlich mal wieder Choi Min-sik, der mit Oldboy ja weltbekannt geworden, um den es aber in den letzten Jahren recht still geworden ist. Hier spielt er eine Art spirituellen Berater für Angehörige, die ihre geliebten Verstorbenen würdevoll bestatten möchten. Einem eher ungewöhnlichen Bestattungswunsch auf einem abgeriegelten Gelände folgend, wird ein Dämon freigesetzt, der nach Rache dürstet.
Inszenatorisch ist das ganz großes Kino, besonders wenn es zu Beschwörungsritualen kommt. Die Kameraarbeit ist exquisit, auch die Darsteller spielen alle gut. Richtig gut ist auch das Drehbuch, was gegen Ende hin Querverweise zur Spaltung des Landes gibt. Für den europäischen Zuschauer ist der Film hichinteressant, da er viele Einblicke in die Kultur Koreas vermittelt.
Ärgerlich ist die zweite Filmhälfte und vor allem das Ende, wenn aus gutem Mystery-Horror dann Monsterhorror wird, der leider so gar nicht funktioniert und auch nicht besonders gut getrickst ist. Auch das was dann im Endkampf passiert, passt nicht zum Rest des ansonsten hervorragenden Film.
Immer wieder mal Längen und die Wandlung zum Monsterhorror kosten dem Film, der oft meisterlich komponiert ist, dann am Ende einen Stern. Auf jeden Fall aber mal was anderes, künstlerisch-intellektuell anspruchsvoll und mit einer ordentlichen Portion Atmosphäre inszeniert. Am ehesten mit "The Wailing" zu vergleichen, der war auch ziemlich gut.