Review

Als Gegenentwurf zum deutschen Klassiker „Das Boot“ muss sich vorliegender norwegischer Beitrag schon ein wenig mit diesem messen lassen. Allerdings war es augenscheinlich nicht das Bestreben der Macher, ihr Projekt geradezu episch aufzuziehen, worunter primär die Figurenzeichnungen ein wenig leiden.

Sommer 1942: Ein norwegisches Schiff unter der Leitung von Kapitän Skar (Anders Baasmo) befindet sich auf der Konvoi-Route von Island nach Murmansk, um die Sowjets mit Munition gegen die Deutschen zu unterstützen. Doch dann wird die Eskorte aus unerfindlichen Gründen abgezogen und Missmut macht sich unter der Besatzung breit…

Die norwegische Sicht in den Gewässern des Arktischen Ozeans hat in den vergangenen Jahren zwar ein wenig an Fahrt aufgenommen, bislang jedoch keinen übermäßig sehenswerten Beitrag hervorgebracht. Auch hier scheint das Budget begrenzt, was der Ausstattung jedoch nicht in die Quere kommt, zumal die Szenerie auf dem Schiff durchaus glaubwürdig ausfällt und vor allem der Maschinenraum sehr detailliert ausgestattet ist. Rasch macht sich auf dem Schiff eine isolierte Stimmung breit, welche durch einige Luftaufnahmen mit begleitenden Schiffen in Formation eine beinahe gespenstische Note erhält.

Die wesentlichen Charaktere sind neben dem Kapitän rasch etabliert: Mit dem ersten Offizier Mark (Tobias Santelmann) und der einzigen Frau Ragnhild (Heidi Ruud Ellingsen) an Bord erhält der Befehlshaber zuweilen ein wenig Gegenwind, was in prekärer Situation auch schon mal die Vibes einer drohenden Meuterei annehmen kann, wogegen die Menschen in schlichten Positionen eher vernachlässigt werden. Dadurch mangelt es ein wenig an Dynamik, sobald es zu Kampfhandlungen kommt, die über die Laufzeit verteilt ein wenig rar ausfallen.

Während diverse Luftangriffe durch die Deutschen recht solide in Szene gesetzt sind und eine entsprechende Wucht bei etwaigen Konsequenzen mit sich bringen, geht mit Betreten eisiger Gefilde ein wenig Spannung flöten und man konzentriert sich vermehrt auf kleine Intrigen und Machtkämpfe an Bord, während der potenzielle Feind einige Zeit komplett abtaucht (wobei die Bedrohung durch U-Boote nur anfangs eine Rolle spielt).

Leider werden etwaige Konflikte im Verlauf etwas zu weich gespült und primär gegen Ende hätte man sich deutlichere Zeichen in Richtung Erfolg oder Niederlage gewünscht, da die Geschichte etwas abrupt endet und ein Informationstext (leider nur auf norwegisch) den Rest liefern soll. Dennoch hat die Erzählung ihre Momente, zumal sämtliche Mimen mit Motivation bei der Sache sind, ohne jemals drüber zu performen. Speziell die beiden rivalisierenden Männer liefern nuancierte Leistungen.

Die Laufzeit von knapp 110 Minuten erscheint durchaus angemessen, Längen sind allenfalls am Rande auszumachen. Allerdings kommt die Action besonders im letzten Drittel deutlich zu kurz und damit geht auch ein Großteil der Dynamik und Spannung flöten. Dennoch ein sehenswerter Beitrag, der sauber inszeniert ist und ordentlich performt und flüssig erzählt wird.
6,5 von 10

Details
Ähnliche Filme