Seit seine Ehefrau Jennifer vor einem Jahr vergewaltigt wurde, sitzt der Werbefachmann Adam Vance Sex-technisch auf dem Trockenen. Von seinem Arbeitskollegen Ray bekommt er den Tipp, es ersatzweise doch mal mit versauten Internet-Chats zu versuchen. Gesagt, getan: Als Jennifer zusammen mit ihrer Psychologin für ein paar Tage verreist, um dem einsitzenden Vergewaltiger mal so richtig die Leviten zu lesen, startet der gefrustete Adam ein heißes Online-Techtelmechtel mit einer Unbekannten namens Angel. Als er den Kontakt nach kurzer Zeit jedoch wieder abbrechen will, wird aus dem unverbindlichen Spaß tödlicher Ernst, denn Angel ist eine echte Psychopathin, die ihn nicht nur in eine Reihe von Morden verwickelt, sondern auch schon bald persönlich mit dem Messer vor seiner Tür steht... Wenn man bereits während der ersten paar Minuten sieht, wie die Eispickel-Szene aus "Basic Instinct" beinahe detailgetreu nachgestellt wird (nur hier eben mit einem Messer) und sich "Soulman" C. Thomas Howell kurz darauf am PC beim Chatten einen hobelt, dann ahnt man bereits, dass man bei "net.g@mes - Tödliches Spiel" lediglich in einem Direct-to-Video-Schotter gelandet ist, der in keiner Beziehung wirklich viel hermacht. Der erste Eindruck trübt nicht, denn zum einen repetiert die Handlung nur die zigfach bekannte Erotik-Thriller-Masche und wird auch durch die halbe Rückblenden-Erzählweise nicht interessanter, zum anderen nerven die eingeschobenen (harmlosen) Sex-Einlagen und die bewusst auf "schlüpfrig" getrimmten Dialoge weitaus mehr ab als bei besagtem Vorbild. Nun ja, die Cyber-Sex-Thematik gibt eben für einen Thriller-Stoff nicht viel her, da helfen auch die paar brutalen Momente nicht weiter. Die Geschichte selbst ist weitestgehend spannungsfrei und hangelt sich lediglich von einer Unwahrscheinlichkeit zur nächsten, wobei Regisseur und Drehbuchautor Andrew Van Slee auf die Logik des Ganzen keinerlei Rücksicht nimmt. Dass er es sich nicht verkneifen konnte, einen halbherzigen Whodunit?-Aspekt (der darauf baut, dass ein paar relevante Rollen mit blauäugigen Blondinen besetzt wurden) in seinen Streifen zu friemeln, gereicht der Angelegenheit dabei eher zum Nachteil, denn wie soll das bitteschön funktionieren, wenn man die wahre Übeltäterin schon gleich in der allerersten Szene zu Gesicht bekommen hat...? Die Nebenhandlung rund um die vergewaltigte Ehefrau ist prinzipiell vollkommen überflüssig und verläuft über weite Strecken auch eher im Sande. Einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt dann jedoch das übertrieben auf politisch korrekt getrimmte Finale, bei dem C. Thomas Howell ganz flott mit Handschellen ans Bett gefesselt wird, aber seine bessere Hälfte keine Probleme damit hat, den Schädel der Psychopathin durch einen Computer-Monitor zu drücken. Zuerst ein extremer Catfight und dann ’nen furztrockenen Oneliner raushauen, das nenn’ ich mal ’ne Katharsis! You go, Girl! Das Ende wurde übrigens wieder mal mit einer dieser halbgaren Schluss-Pointierungen versehen, die irgendwie das zuvor Gesehene auf den Kopf stellen sollen, aber insgesamt doch nur dafür sorgen, dass man absolut nicht mehr durchblickt. Ich hab’ mir den Streifen jetzt schon zweimal angeguckt und hab’ immer noch keine Ahnung, was da jetzt eigentlich abgegangen ist... hah, genau wie damals bei "Basic Instinct"!
4/10