Er ist ein aufgewecktes Kerlchen, der junge Iván (Arón Piper) aus Vallecas, einem Stadtteil von Madrid, wo er Anfang dieses Jahrtausends noch bei seinen Eltern wohnt. Doch während sein Vater ein rechtschaffener, schwer arbeitender Mann ist, der sich seine schmale Pension hart erarbeitet, sinnt sein quirliger Filius auf andere Möglichkeiten, schnell und vor allem viel Geld zu verdienen.
Zunächst gelingt es ihm, sich als Chauffeur für einen Politiker zu verdingen, über den er die Bekanntschaft des wohlsituierten französischen Ehepaars Letissier macht. Vor allem Anne Marie (Laura Sepul) ist von dem jungen Burschen sehr angetan, und als Lover der Mittvierzigerin erhält er auch bald erste Aufträge, Schwarzgeld über die Grenze zu transportieren. Die Einführung des Euro in Spanien erweist sich nämlich für diverse Bauspekulanten und korrupte Politiker als wahre Goldgrube, die mit milliardenschwerem Subventionsbetrug Kasse machen. Nachdem Iván sich mit dem gleichaltrigen Marokkaner Yannick (Nourdin Batan) zusammentut, bilden die beiden Jungen ein Duo, das auch eigenwirtschftlich seine Schmuggeldienste anbietet. Die zu transportierenden Summen erhöhen sich schnell, und die beiden führen dank ihrer Anteilsprozente bald ein Leben in Saus und Braus - Discos, Sportwagen, Koks und jede Menge Frauen.
Die schnelle Expansion stößt allerdings bald an Grenzen, da der ebenfalls in diesem Metier tätige Francisco Escámez (Luis Tosar) durch die junge Konkurrenz Einbußen erleidet und Iván sehr zu dessen Verdruß auch ein Auge auf seine hübsche Tochter Leticia geworfen hat. Eine Abreibung als Warnung lassen es Iván und Yannick geraten erscheinen, eine Kooperation inklusive satter Umsatzanteile anzubieten, die vorerst auch angenommen wird. Doch inzwischen ist auch das Auge des Gesetzes auf den bisher unbescholtenen Iván aufmerksam geworden...
Aus der Perspektive des Jahres 2010 läßt Regisseur Daniel Calparsoro (Centauro, Sky High) seinen Hauptdarsteller die einzelnen Stationen seiner etwa 10 Jahre dauernden Karriere als titelgebender El Correo aufzählen, wobei die eingeblendeten Jahreszahlen der u.a. in Genf, Madrid, Marbella und Brüssel spielenden Story stets entscheidende Handlungen in dessen Leben markieren - doch der Plot vom kometenhaften Aufstiegs eines pfiffigen Arbeiterkindes aus der Vorstadt ist nicht gerade sonderlich innovativ. Trotz ansprechender Kameraführung und teils stylischen Bildern vom Jet-Set-Leben fällt der spanische Streifen inhaltlich genauso langweilig aus wie sein weißgott x-beliebiger Titel.
Daß man dennoch bis zum Schluß durchzuhalten vermag, liegt an Hauptdarsteller Arón Piper (Élite), dessen unbekümmertes und fröhliches Auftreten gewisse Sympathien begründet, gleichwohl sein Filmcharakter wohl kaum Parallelen mit der Wirklichkeit aufweisen dürfte - viel zu glatt und unkompliziert laufen all die Bestechungsversuche ab, viel zu leicht ist das viele Geld verdient. Immerhin reißt die Regie nebenbei auch den realen großen Subventionsbetrug an, der ab 2008 die spanische Wirtschaft gehörig ins Wanken brachte. Doch dieser, in den Folgejahren aufgedeckte und am Schluß des Films auch mit TV-Clips dokumentierte Milliardenbetrug mit Steuergeldern bildet nur die lose Rahmenhandlung, in welcher Arón, der am Schluß in einem Container mit anderthalb Milliarden Euro nach China reist, sich ein unbeschwertes Leben leisten konnte.
So bleibt von El Correo kaum etwas im Gedächtnis haften außer gepflegter Unterhaltung - das aber reicht immerhin für solide 6 Punkte.