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Die meisten Familien dürften sich damit begnügen, harmlose Urlaubsvideos zu drehen. Bei der Sippe um J.K. Simmons scheint dies anders, denn man realisierte mal eben einen Survival-Thriller. Mal eben bezieht sich allerdings auf das Drehbuch von Co-Autorin Michelle Schumacher, welches eine Menge Fragen in Sachen Rationalität aufwirft.

An einer Tankstelle scheint der Amoklauf des Bikers Wade (Simmons) einzusetzen. Nachdem er auf einem Rastplatz auf Eddie (Allen Leech) und seine Stieftochter Miranda (Isabelle Anaya) trifft, erschießt er Eddie, während Miranda in den angrenzenden Wald läuft. Eine lange Nacht beginnt…

Das nennt man wohl Vetternwirtschaft im kleinen Familienkreis: Michelle Schumacher führt Regie, ihr Partner Simmons übernimmt die Hauptrolle, die Tochter staubt eine Nebenrolle ab, während der Sohn den Score beisteuert. Der charismatische J.K. enttäuscht eigentlich nie, doch trotz einer unumstrittenen Präsenz ist die Figur des Psychopathen etwas merkwürdig angelegt. Dieser hat stets die Ruhe weg, unterhält sich mit Vorliebe mit den soeben Ermordeten, lässt jedoch jeglichen Antrieb für seine wahllosen Taten vermissen, was ein späterer Flashback völlig ad absurdum führt.

Das vermeintliche Opfer Miranda erhält immerhin ein familiäres Trauma und damit verbunden entsprechende Panikattacken, was ihre Entscheidungen jedoch nicht immer nachvollziehbar erscheinen lässt. Ein weiteres Problem bezüglich der Dramaturgie sind wechselnde Nebenhandlungsstränge, die immer wieder vom eigentlichen Fokus ablenken, wenn etwa zwei komplett überforderte Deputys noch im Handbuch nachlesen müssen, die schwangere Mutter daheim mit zwei Mausklicks auf die Identität des Killers stößt und die Schwester einen wenig motivierten Suchtrupp zusammenstellt. Oft wirkt der Stoff fahrig und nimmt regelmäßig das Tempo raus.

Doch auch im Wald wird es zu selten spannend, da allenfalls in Ansätzen deutlich wird, welche Entfernung zwischen Wade und Miranda liegt, womit der Hatz die notwendige Intensität flöten geht. Zudem wird das Szenario nicht voll ausgenutzt, obgleich es diverse Winkel und Ecken zum Ausharren oder gar Verstecken gäbe. Erst am Ende steigt die Spannung ein wenig, aber gleichermaßen wird es zunehmend konstruierter.

Darstellerisch vermag Simmons zwar zu überzeugen, doch seine Mitstreiterinnen performen zuweilen reichlich ungelenk, was sich nicht unbedingt auf die Physis bezieht. Handwerklich wird indes wenig falsch gemacht, obgleich die Kamera an einigen Stellen (Panikattacke, Halluzination) uninspiriert arbeitet. Ähnliches gilt für den Score, der keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Dies gilt für den kompletten Stoff, der deutlich zu wenig aus der Ausgangssituation herausholt, nur selten auf Konfrontation und Intensität setzt und darüber hinaus einige unglaubwürdige Handlungen unterbringt. Der mit rund 102 Minuten etwas zu lang geratene Streifen packt nicht genügend, um Fans des Genres in Beschlag zu nehmen.
4 von 10

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