Review

Ich schau' dir über die Schulter, Kleine!

Steven Soderbergh experimentiert gerne. Mit Kameras, mit Stil, mit Genres, mit Textur und Gefühl, mit seinen Darstellern, mit Atmosphäre und einem gewissen Do-It-Yourself-Ansatz. Kein Wunder also, dass er diesem Drang mittlerweile zwischendurch auch gerne mal im Genre nachgeht. Mit „Presence“ lässt er nun eine gespenstige Präsenz im neuen Haus einer vierköpfigen Familie los, die vor allem Kontakt mit der sensiblen Tochter sucht…

PoV-Schulterschluss

„Presence“ geht nicht sehr lang, befindet sich irgendwo zwischen „A Ghost Story“ und Soderberghs eigenem „Unsane“ und flowt mit einer sehr flüssigen Kamera komplett aus der Sicht des „Geistes“ durch Zeit und Raum. Lucy Liu mal recht normal, glaubhafte Teenagerdarsteller, mit Chris Sullivan kommen alle „This Is Us“-Fans auf ihre Kosten. Und grundsätzlich die Idee, die ganze Zeit POV aus der Sicht der unsichtbaren Präsenz zu filmen fördert lange Zeit Neugier, Fluss und Style. Allein das, zusammen mit einer wirklich runden und für viele eventuell auch sehr emotionalen Auflösung, hält „Presence“ für mich schon ganz okay über Wasser. Allerdings fehlt der gewisse Kick um noch mehr zu überzeugen oder bei einem zu bleiben - sei das in Sachen Grusel oder Innovation, sei das in Sachen Charaktere und Schauspieler, sei das in Sachen audiovisueller Esprit… Es wirkt alles ein wenig gezwungen intellektuell. Als ob ein cleverer Sonst-Nicht-Genrefilmer nun mal seine „Haunted House“-Variante runterrattert…

Präsenzunterricht

Fazit: Soderbergh und Genre passt einfach nicht ganz… „Presence“ hat einen netten emotionalen Anker, eine famos-flüssige Kamera und eine ganz clever-emotionale Auflösung. Aber insgesamt funktioniert er dann doch nicht ganz - weder in Sachen Grusel noch Schauspiel noch Logik… 

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