Review

Früher Actionkrimi von Sylvester Stallone unter der Regie von Bruce Malmuth („Hard to Kill“), dem allerdings noch der rechte Drive fehlt.
So bleibt „Nachtfalken“ gerade im Bezug auf seine Hauptfigur enttäuschend oberflächlich: Man erfährt nur, dass Deke DaSilva (Sylvester Stallone) früher bei der Armee war, dass er geschieden ist (was der Film fast beiläufig einstreut) und dass er jetzt eine neue Freundin hat. Ansonsten zählt nur, dass Deke und sein Partner Matthew Fox (Billy Dee Williams) die besten Undercovercops von New York sind – aber das sind die Hauptfiguren in Actionkrimis ja meist, auch wenn die beiden vor allem Räuber und kleine Ganoven hochnehmen.
Von ganz anderem Kaliber ist da der Terrorist Wulfgar (Rutger Hauer), der für verschiedene Gruppen Anschläge auf der ganzen Welt verübt. Doch dann fliegt seine Tarnung in Europa auf und man hält ihn nicht mehr für fähig. Damit ist der Fiesling schnell wesentlich interessanter als der Held: Wulfgar ist ein eiskalter Soziopath, entledigt sich skrupellos nutzloser Helfer oder Zeugen und pflegt dabei einen recht extravaganten Lebensstil.

Um seinen Ruf wiederherzustellen, will Wulfgar einen Anschlag auf die in New York weilenden UN-Delegaten verüben. Man bildet vor Ort eine Spezialeinheit, der man auch DaSilva und Fox wegen ihrer Militärvergangenheit zuteilt...
Viele Actionkrimis der 80er sind alle nach dem gleichen Schema gestrickt; der Held hat eine Freundin und/oder einen besten Freund, die der Böse bedrohen, entführen, schwer verletzen oder töten kann. Hier hat der Held sogar beides, wobei „Nachtfalken“ hier nur Routine bietet. Schon die Einführung der Figuren dauert recht lange, während das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Terrorist und Häschern ein paar Finten mehr vertragen könnte. Teilweise lassen sich beide Seiten auch extrem einfach austricksen, vor allem der Leiter der Sondereinheit als auch Wulfgars Partnerin Shakka Holland (Persis Khambatta) gehen jeweils der Gegenseite schnell auf den Leim.
Allerdings inszeniert Bruce Malmuth die Chose mit schickem 80er Jahre Flair und lässt genug Tempo aufkommen, damit „Nachtfalken“ trotz des Mangels an neuen Ideen nicht schwer langweilt. Hochspannung sieht sicherlich anders aus, aber Stil bietet der Malen-nach-Zahlen-Actionkrimi dann doch. Großartige Plottwists gibt es leider kaum, auch wenn „Nachtfalken“ gegen Ende doch eine ganz nette Wende parat hat.

Ganz nett, aber auch nicht überragend ist die Action. Wulfgar sprengt eindrucksvoll ein Gebäude in die Luft, es gibt mehrere Verfolgungsjagden, die auch guter Standard sind, doch insgesamt ist die Action recht dünn gesät. Die Shoot-Outs sind ordentlich choreographiert, relativ blutig, aber alle ziemlich kurz. Etwas spektakulärer ist insgesamt nur die Geiselsituation in der Seilbahn plus Nachspiel, die ein paar nette Stunts bietet (Abseilen von der Gondel, Bus über Sprungschanze). So ist die Action insgesamt zufriedenstellend, haut aber nicht gänzlich vom Hocker und ist im Finale leider auch ziemlich deutlich vor der Veröffentlichung für ein R-Rating getrimmt worden.
Sylvester Stallone spielt den harten Bullen recht ordentlich, leistet sich keine Schnitzer, ist aber von seinen Glanzleistungen noch ein Stück entfernt. Billy Dee Williams als Sidekick ist ordentlich, Rutger Hauer als eiskalter Terrorist dafür eine wirklich tolle Besetzung und verleiht der Rolle Leben. Ansonsten fallen noch Nigel Davenport und Persis Khambatta positiv auf, der Rest der Darsteller ist eher unscheinbar.

„Nachtfalken“ ist kein großer Kracher, sondern innovationsloses Standardkino, das aber mit einigen Flair und netten Actionszenen gefilmt wurde. Actionfans dürfen mal reinschnuppern, aber nicht zuviel erwarten.

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