Review

iHaveCNit: Emilia Perez (2024) – Jacques Audiard – Neue Visionen Filmverleih

Deutscher Kinostart: 28.11.2024

gesehen am 16.12.2024 in OmU

Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Parkett - Reihe 6, Platz 9 – 18:00 Uhr

Zum Jahresabschluss sind noch einige weitere Filme auf meiner Liste noch aufzuholen. Da passt es ganz gut, dass ich aktuell ein wenig Zeit übrig habe. So konnte ich heute ein Double-Feature im Kino abhaken mit zwei interessanten Filmen zum Thema „Identität“ und „Transformation“. Der zweite Film ist hier der französische Beitrag für die nächste Oscarverleihung „Emilia Perez“.

Die mexikanische Anwältin Rita Mora Castro ist gemeinsam mit ihrer Kanzlei dafür bekannt, die größten Verbrecher des Landes erfolgreich vor Gericht zu verteidigen. Noch ahnt sie nicht, welche Folgen der nächste, persönliche Auftrag für sie bereit hält, denn der milliardenschwere Boss eines gefährlichen Drogenkartells Manitas Del Monte kommt mit einem ganz speziellen Anliegen auf sie zu. Manitas Del Monte möchte aussteigen und sich den lang gehegten Wunsch einer vollständigen Geschlechtsumwandlung erfüllen und Rita ist der mit der gesamten Organisation dieser Operation betraut. Jahre später trifft Rita dann auch auf die neue Identität von Manitas mit dem Namen Emilia Perez und wird ihr dabei helfen so etwas wie Buße zu tun für die Verbrechen und Sünden der Vergangenheit.

Jacques Audiards neuer Film „Emilia Perez“ ist durchaus ein gewagtes Filmerlebnis, dem man ein gewisses Maß an fehlender Kreativität nicht vorwerfen kann, denn kreativ ist das alles durchaus, was einem hier geboten wird. Das Crime-Drama schlägt in Ansätzen durchaus sozialkritische Töne an wenn es um manche politische und gesellschaftliche Situation in Mexiko geht. Mit seinem für mich durchaus interessanten queeren Einschlag und der Besetzung der Transfrau Karla Sofia Gascon in der namensgebenden Hauptrolle des Films möchte der Film durchaus am Puls der Zeit sein. Ob es hier in der Ausarbeitung und handlungstechnischer Entwicklung – auch in den Details – auch logisch ist, kann ich an der Stelle eher weniger beurteilen. Wirklich stark fande ich darüber hinaus auch Zoe Saldana in der weiteren wichtigen Hauptrolle des Films mit der Anwältin Rita Mora Castro. Sehr präsent im Film sind die sich meist organisch aus dem Film entwickelnden und ins jeweilige Setting passenden Musical-Elemente, die dem Film einen teils absurden und teils faszinierenden Anstrich gegeben haben. Im besten Sinne des eigentlichen „Everybody has to pay for their sins“ - „Jeder muss für seine Sünden bezahlen“ finde ich es im kompletten Film aus Konsequenzfreiheit durchaus auch absurd, dass sich ein milliardenschwerer Boss eines Drogenkartells mit einer Geschlechtsumwandlung komplett aus der Verantwortung ziehen möchte – unabhängig davon, ob mit dem Film eine positive, wichtige Message für die Trans-Community verbunden sein soll und auch im Nachhinein der Wunsch entspringt eben auf der Suche nach Vergebung so etwas wie Wiedergutmachung wieder angestrebt wird. Hier macht es sich der Film durchaus viel zu einfach.

„Emilia Perez“ - My First Look – 7/10 Punkte





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