iHaveCNit: Beating Hearts (2025) – Gilles Lellouche - Studiocanal
Deutscher Kinostart: 27.03.2025
gesehen am 02.04.2025
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 8, Platz 5 – 20:30 Uhr
Clotaire und Jackie könnten aus nicht unterschiedlichen Verhältnissen stammen. Während Jackie gut behütet nach einem schweren Schicksalsschlag bei ihrem Vater aufwächst und eine ehrgeizige, wissbegierige Schülerin ist, kommt Clotaire aus sehr prekären Verhältnissen, die ihn bereits in jungen Jahren zu einem gewaltbereiten Kleinkriminellen machen. Zwei die eigentlich nicht füreinander bestimmt wären, treffen an Jackies erstem Tag an der neuen Schule aufeinander. Für Beide ist es nach einem selbstbewussten verbalen Schlagabtausch geschehen, so dass sich beide ineinander verlieben. Doch je tiefer der junge Clotaire in die Kriminalität abtaucht, nach einem Raubzug verraten wird und dafür über 10 Jahre inhaftiert wird, muss er danach eine Entscheidung zwischen zwei Optionen treffen – Rache am Verrat oder die Liebe zu Jackie, selbst wenn sich das Leben von Jackie inzwischen scheinbar neu geordnet haben mag.
"Beating Hearts" ist ein Film, bei dem man gleichermaßen sehr viel dazu schreiben kann und auch einem die Worte fehlen könne, wenn man dazu etwas auf Papier bringen möchte. In diesem Zustand befinde ich mich gerade ein wenig, selbst Tage nach der ersten Sichtung dieses überambitionerten Werks von Regisseur Gilles Lellouche, dass als Verfilmung eines irischen Romans ein absoluter Rebell, ein Punk, ein "Enfant Terrible" eines Films ist, dass in 2 Zeitebenen eine Mischung aus Liebesgeschichte und Crimedrama liefert und quasi ein komplett gegen den Strich gebürstetes Musical ist, dass nur durch seine audiovisuelle Erzählung über Schnitte, Kameraeinstellungen, Lichtsetzung sowie dem Spiel der Darsteller sowie entsprechender Ruhephasen und auch der Wahl der Musik einen musikalischen Beat und Rhythmus erzeugt, der einen sowohl durch die Inszenierung als auch die Erzählung mitreißt, emotional berührt und fast einen durchgängigen immersiven Sog entwickelt. Der eigentlich intime Film erzählt viel mit passendem und nicht aufdringlichen, symbolischen Kitsch über die Liebe und auch über das damit verbundene Chaos in einer epischen Länge von über 160 Minuten. Darstellerisch war klar, dass mich Francois Civil und Adele Exarchopoulus begeistern werden, aber sie haben die sehr dankbare Position, sich auf das verlassen zu können, was ihre jüngeren Alter Egos in Form von Malik Frikah und Mallory Wanecque bereits perfekt etabliert haben. Mit ein wenig Retrofeeling der 80er und 90er-Jahre bekommt man das Gefühl, dass Gilles Lellouch mit diesem Film auch einen Teil seines eigenen Lebens und des eigenen nostalgischen Lebensgefühls verarbeiten wollte und allgemein das Optimum aus dem Film inszenieren wollte, selbst wenn er damit vielleicht ab und an übers Ziel hinaus geschossen sein mag. "Beating Hearts" - no pun intended - ist ein Film, der einem das Herz immer wieder schlagen lässt, obwohl er es einem auch mehr als nur einmal brechen könnte. Und deswegen bricht es mir aufgrund ein paar genannten Gründen das Herz, dass er knapp daran gescheitert ist, nur einer der großartigen Filme des Jahres für mich zu sein und am ganz großen Highlight etwas vorbei geschossen ist.
„Beating Hearts“ - My First Look – 9/10 Punkte