Review

Verstörend menschlich

In diesem dänischen Oscarkandidaten und Kinokunststück folgen wir 1919 am Ende des ersten Weltkriegs einer recht armen, jungen Frau in Kopenhagen, wie sie einsam und schwanger in einer untergründigen Adoptionsklinik anheuert - und dort zu einer der berüchtigteren und umstritteneren historischen Figuren des Landes wurde…

Moral, Mütter & Mord

Einer der krassesten und unwohlsten Filme des Jahres. Ein echter Schocker. Zwischen Lynch und Haneke. Abartig gut. Tödlich präzise. Ein wenig „Elephant Man“, ein wenig „Der Goldene Handschuh“, ein wenig „Ida“, ein bisschen „The Eyes of My Mother“. Arthouse war selten unangenehmer. Ich hatte viel erwartet - aber nicht ein Drama-Thriller-Cocktail straight outta hell… Bah und boah! Allein zu Beginn die verschwimmenden Gesichter - gespenstig und Gänsehaut garantiert! Dann der Umgang mit Schwangerschaft, Babies (!), Abtreibung und körperlichen Entstellungen - holy moly! Da kommt die Mehrzahl an sich selbst allzu hart findenden Hardcore-Horrorfilmen nicht mit. Dann auch noch der wahre, historische Kern. „Das Mädchen mit der Nadel“ geht passenderweise tief unter die Haut. Wie spitzes, kaltes, glänzendes Metall, gestoßen bis in den Knochen. Das sieht herausragend aus und ist exzellent ausgestattet. Das ist immer gemein und unberechenbar. Das ist mal abgrundtief böse und mal hoffnungsvoll menschlich. Und dennoch ist „Das Mädchen mit der Nadel“ einer der wenigen Filme, bei denen man ein ungutes Gefühl hat, wenn nur eine Frau mit einem Baby im Arm vor einem Holztisch steht - weil man nicht hundertprozentig sagen kann, dass sie dieses kleine Geschöpf nicht im nächsten Moment volle Kanne auf die Tischplatte knallt. Diese Art von Film ist das. Ich zittere und liebe es. Allein die Oscarnominierung für den „Besten ausländischen Film“ ist geil und mutig. Ich würd's ihm gönnen. Selbst wenn ich ihn nicht allzu schnell wiedersehen will…

Das Phantom der Dänen

Fazit: betörend, eiskalt, zwischen Gut und Böse, Genre und Drama, Hoffnung und Mord changierend wie wenig andere Filme… Das ist pures Kino und dänisches (Arthouse-)Dynamit. Fesselnd. Man nimmt seinen Blick nicht ab. Man ist filmparalysiert. Ein richtig garstiger Magenumdreher. Ich habe mehrmals laut in den Raum (!) vor mich her währenddessen „Holy Shit!“ gesagt. 

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