Review

Der dänische Oscarbeitrag als „Best International Picture“ fand sich 2024 auf zahlreichen Horror-Bestenlisten. Dabei ist Magnus von Horns Film eigentlich ein äußerst detailgetreues Period Drama, noch dazu basierend auf wahren Ereignissen. Doch was wir sehen, ist tasächlich der blanke Horror – die teils nüchterne, teils alptraumhaft stilisierte Darstellung von extremer Armut, sozialer Ungerechtigkeit, menschlicher Niedertracht und tragischen Kriegsfolgen machen THE GIRL WITH THE NEEDLE zum „feelbad movie“ des Jahres und Regisseur von Horn fast schon zu einer Art Nachfolger seines Landsmannes Lars von Trier, der mit ANTICHRIST und MELANCHOLIA ähnlich erschütternde Werke schuf. 

Die Geschichte der jungen Näherin Karoline, die den Ehemann an den Krieg verliert, die Wohnung an eine Bessergestellte und dann auch noch ihre Arbeitsstelle, die schließlich Zuflucht findet bei der älteren Dagmar, die eine dubiose und illegale Adoptionsvermittlung betreibt, ist psychisch so zermürbend, dass man irgendwann gar nicht mehr hinschauen mag – und doch hofft, Karoline möge den Bann ihres persönlichen Unglücks durchbrechen. 

Das alles ist gefilmt in ebenso trostlosem wie brilliantem Schwarzweiß, der Subplot um Karolines Mann, der als Kriegsversehrter nur noch in einer Freakshow unterkommt, ist als klare Hommage an David Lynchs THE ELEPHANT MAN zu sehen. 

Ist PIGEN MED NÅLEN also ein Horrorfilm? Schlimmer, er ist, bzw. war Realität.

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