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Im September 2022 wird die junge Masha Amini in Teheran verhaftet, weil sie ihr Kopftuch nicht korrekt getragen hatte. Sie stirbt nach ihrer Festnahme – offiziell an Herzversagen. Proteste der Bevölkerung werden gewaltsam eingedämmt, was den Widerstand nur vermehrt, der inzwischen eine immer breiter werdende Bevölkerung erfasst. Zu dieser Zeit wird Ermittler Iman befördert, er trägt nun die Mitverantwortung für die zahlreich angeordneten Hinrichtungen. Die durch die Beförderung erhoffte „bessere Zukunft“ für seine Frau und seine beiden Töchter gerät jedoch ins Wanken, als die Frauen beginnen, an ihm und dem System, in dem sie leben, zu zweifeln. 

Regisseur und Autor Mohammad Rasoulof, der den Film unter strengster Geheimhaltung vor dem iranischen Regime drehen musste, zeigt die Vorgänge und Konsequenzen von Theokratie, Autokratie und Patriarchat im Mikrokosmos der Familie sowie in zwischengeschnitten Dokumentaraufnahmen aus Nachrichten und vor allem Social Media. 

Wie dem gezwungen linientreuen Mann nach und nach die Herrschaft über seine Familie abhanden kommt, bis der eigentlich liebende Familienvater in seiner Verzweiflung zu immer abstruseren Mitteln greift, um sie sich zurückzuholen, ist eine wenig subtile, aber treffende Metapher für die politische und soziale Situation im Iran. Nur zum Ende hin überspannt der Film den Bogen etwas und ufert in einen überdramatischen Showdown aus, so dass die bis dahin in fast drei Stunden aufgebaute Atmosphäre etwas verpufft. Nichtsdestotrotz ein wichtiger und eindrücklicher Film.

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