Review

Da kommt ein Animationsfilm aus Lettland, der ohne Dialoge und ohne klassische Handlungsstruktur auskommt, der fürs Kinderkino von heute eigentlich zu wenig laut, bunt und niedlich ist und für den Erwachsenenmainstream zu speziell, der komplett auf einer kostenlosen Animationssoftware realisiert wurde und immer noch etwas unfertig und unzureichend aufgelöst aussieht, so als sei er eine Demoversion seiner selbst. Und dann räumt dieser Film einige der größten nennenswerten Awards ab, u. a. Animationsoscar, Golden Globe, César und Annecy. 

Was macht FLOW so besonders? Im Grunde alles oben genannte. Der Film versucht es keiner Zielgruppe recht zu machen, erfüllt keine Vorgaben von Algorithmen. Er erzählt eine simple, märchenhafte Geschichte von der unwahrscheinlichen Zweckgemeinschaft einiger Tiere in einer von Menschen verlassenen Welt, einer Katze, einem Hund, einem Lemur, einem Greifvogel und einem Capybara. Die Abenteuer, die sie erleben, sind nicht sonderlich spektakulär, ihre Odyssee hat kein konkretes Ziel. Und doch geht von dieser Welt, die gelegentlich an anspruchsvollere Computerspiele erinnert und von ihren nicht näher erklärten physikalischen Phänomene eine eigentümliche Faszination aus. 

Vielleicht ist dies das Erfolgsgeheimnis des Films: Er bringt etwas Unfertiges, Unerklärbares und Magisches zurück in ein Genre, das sich in der Vergangenheit viel zu sehr von seinen Wurzeln und Möglichkeiten entfernt hat.

Details