Review

iHaveCNit: Anora (2024) – Sean Baker – Universal

Deutscher Kinostart: 31.10.2024

gesehen am 19.11.2024

Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Parkett Reihe 7, Platz 3 – 20:45 Uhr

Mit „Red Rocket“ und „The Florida Project“ konnte mich Sean Baker bereits begeistern, so dass ich unbedingt von seinem Schaffen noch sein früheres Werk nachholen möchte. Doch bis dahin gibt es noch einen neuen Film von ihm, der für mich noch ein Pflichttermin im Kino gewesen ist. Berechtigterweise, denn „Anora“ ist ein weiteres großes Highlight des Kinojahres für mich.

Anora, von den meisten nur Ani genannt, ist die Nächte in einem Stripclub in Brooklyn New York beschäftigt und hat ein Talent im sprachlichen Umgang mit den Besuchern des Clubs. Dieses Talent kommt ihr zugute, als auf einmal der junge, reiche, russische Oligarchensohn Ivan im Club auftaucht und man für ihn eine passende Stripperin sucht. Da kommt Anora gut gelegen und die Chemie zwischen Beiden scheint zu passen. Zumindest scheint Ivan Gefallen an Anora gefunden zu haben und lädt sie als Callgirl zu sich nach Hause ein. Bis aus der gemeinsamen Zeit auf einmal der Gedanke an Liebe und Heirat erwächst, die die beiden vor den Traualtar in Las Vegas führt. Doch als die Eltern von Ivan davon erfahren, sind die beiden so gar nicht begeistert, so dass zwei ihrer Schläger und ein Pastor dem Ganzen ein Ende setzen sollen.

Für mich war „Anora“ ein unberechenbares, großartiges Filmerlebnis geworden, dass sogar ein fast immersives Erlebnis mit Sogwirkung gewesen ist. Dieses rauschhafte Erlebnis eines Films hat mich schon direkt zum Beginn in seinen Bann gezogen und bis zum Ende mitreißen und unterhalten können. Die „Pretty-Woman-Antithese“ von Sean Baker ist ein toller Genre-Mix, der von einer sexuell aufgeladenen Romanze hin zu einer thrillerhaften Komödie und schlussendlich in ein Drama mündet und dabei auch passenderweise ein unterschiedliches Tempo und unterschiedliche Tonalitäten in einem perfekten Fluß und Balance aufnimmt ohne je zu lang, zu langweilig oder zu schnell, chaotisch und hektisch zu wirken. Für mich war das alles absolut konsistent und ausbalanciert. Inmitten dieser Dramedy schafft es Sean Baker als Regisseur sich wieder einmal mit dem Thema des Sex-Works auseinanderzusetzen und sich diesem mit Respekt und Würde zu nähern, ohne dass ich als Zuschauer das Gefühl bekommen hatte, auch die Szenen voller Nacktheit und Sex zu Beginn des Films nicht einfach als Mittel zum voyeuristischen Zweck serviert zu bekommen. Klar ist der Film in seinem Rausch und einer Hektik und Chaos überhöht, schafft es aber dennoch eine gewisse Nähe zu seinen Charakteren herzustellen und sie in einer tollen Tiefe auch menschlich mit einer Spur Würde und Respekt darzustellen. „Anora“ ist auch die absolute Break-Out-Performance von Mikey Madison, die man vielleicht aus den Ensembles von Scream 5 und Once Upon A Time In Hollywood kennen könnte, aber hier in der ersten richtig großen Hauptrolle eine Rolle für die Ewigkeit erschaffen hat. Diese regelrechte „Tour De Force“, die sie hier im gesamten Film durchlebt hat eine tolle charakterliche und emotionale Tiefe, die einen verführen kann, einen mitreißt, einem schlagfertig die Stirn bietet und am perfekten Schlusspunkt einfach ausbrechen lässt und einen zum Schluss kommen lässt einen der Filme des Jahres gesehen zu haben – so wie es bei mir der Fall gewesen ist.

„Anora“ - My First Look – 10/10 Punkte





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