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Stripperin Anora wähnt sich glücklich, als sie den reichen Oligarschensohn Ivan kennenlernt. Schnell verbringt man mehr Zeit miteinander, schnell hat man geheiratet. Das freut Ivans Eltern zuhause in Russland gar nicht und so stehen bald ein paar Leute vor Ivans luxuriöser Tür mit dem Plan, die Ehe annullieren zu lassen.

Dass bei Anora, genannt Ani, nicht die Alarmglocken angehen im Hinblick auf Ivan ist nur eine Sache, die das Szenario schwer konsumierbar macht. Aber gut, junge Leute sind unvernünftig und so nimmt die Farce ihren Lauf. Dieses F-Wort schwebte mir während des Abspanns noch öfter durch den Kopf. Denn die von Sean Baker inszenierte Mischung aus Drama und Komödie füllt beide Schubladen für meinen Geschmack nicht ordentlich aus. Lustig ist hier wenig und wenn, dann meist dank Igor. Und der Rest? Ist viel Geschrei. „Anora“ dreht so oft am Rad (der Film und die Figur), dass es anstrengend wird. Aber vielleicht läuft das auch unter Humor, da bin ich mir nicht sicher. Mit zu viel Zeit etabliert er seine Ausgangslage, vögeln, feiern, bechern, man wiederholt sich. Gleiches passiert später bei der Suche nach einer Person, die einfach viel zu lange dauert und nur dazu dient, das Aufeinanderkrachen der anderen Figuren wieder und wieder in Szene zu setzen. „Anora“ bietet viel Redundanz, aber so kriegt man 140 Minuten voll.
Bebildert und gespielt ist das alles immerhin kompetent, insbesondere Mikey Madison (Anora) und Yura Borisov (Igor) machen einen guten Job und haben eine immerhin interessante Schlussszene. Letztlich laufen hier meist Karikaturen durch die Gegend, spaßig sind diese allerdings nicht.

„I'm not being paid enough for this.“

Ein insgesamt eher anstrengender denn unterhaltsamer Trip mit teils guten darstellerischen Leistungen, aber einer ziellosen Erzähle voller Schreihälse. Der oft gepriesene Witz scheint irgendwie an mir vorbeigerauscht zu sein, die überwältigende Qualität des Werks ebenso. Hat mich nicht erreicht.

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