Ani arbeitet als Stripperin und hat nebenbei auch Sex für Geld. Ivan ist auf Urlaub in Manhattan, Ani kann russisch, Ivan steht auf sie und Ani macht den Deal ihres Lebens. Die beiden sind jung und geil, Ivans Vater ist obszön reich, sie machen Party ohne Ende. Sean Baker inszeniert diese erste halbe Stunde so, dass man als Zuschauer über 30 bald in einen Erschöpfungszustand fällt. Abtanzen in Clubs, Drogen nehmen, Vögeln, Konsole zocken, mit Freunden herumziehen, Pool, Hotelsuite, Las Vegas. Man ahnt schon, dass das nicht lange gut gehen kann.
Und richtig: Eines Tages stehen die Handlanger der Eltern vor Juniors geborgt bewohntem Luxuswohnsitz und wollen diese beschämende Beziehung schnellstens beenden. Was nun folgt, ist eine merkwürdige Mischung aus ungelenker Comedy und nächtlicher Odyssey, wenn sich Ani mit den aufgeregten und überforderten Oligarchenschergen im Nachtleben Manhattans auf die Suche nach Ivan macht, um die ganze Chose aufzuklären.
ANORA wurde mit dem Oscar als bester Film des Jahres 2025 ausgezeichnet, aber so richtig nachvollziehbar ist das nicht. Der Film ist mit 140 Minuten überlang, wenn auch kurzweilig, doch er erzählt in dieser Zeit viel zu wenig. Mikey Madisons Leistung ist beeindruckend, der Film gibt ihr die Möglichkeit für vollen Körpereinsatz als hingebungsvolle Sexarbeiterin und vollen Stimmeinsatz in der lautstarken Auseinandersetzung mit den Russen. In einem Jahr, in dem Filme wie THE BRUTALIST, CONCLAVE, DUNE PART II oder gar THE SUBSTANCE für den wichtigsten Filmpreis nominiert waren, die auf mehreren künstlerischen Ebenen eine vielschichtige Geschichte erzählen, wirkt ANORA jedoch im Vergleich um so banaler.