iHaveCNit: The Substance (2024) – Coralie Fargeat – Mubi
Deutscher Kinostart: 19.09.2024
gesehen am 03.11.2024 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 4, Platz 1 – 17:45 Uhr
Das Beste kommt definitiv zum Schluss. Vor allem, wenn es um den Filmmonat September 2024 geht, bei dem ich den letzten Film auf meiner Monatsliste je nach Betrachtungsweise entweder lange gewartet oder lange vor mir her geschoben habe. Die Rede ist von Coralie Fargeats „The Substance“, der einer der Arthouse- und Fantasy-Filmfest-Hits des Jahres ist. Bereits mit ihrem ersten stylischen, gorefestlastigen Rape- and Revenge-Film und Spielfilmdebüt „Revenge“ konnte mich Fargeat überzeugen und da war ich gespannt ob „The Substance“ ebenfalls dort weiter machen kannen. Noch habe ich nicht geahnt, wie sehr mich „The Substance“ überzeugen und begeistern wird.
Elizabeth Sparkle war einst eine gefeierte, preisgekrönte Schauspielerin. Mittlerweile ist jedoch der Glanz und Ruhm von einst verflogen und sie verdingt sich als Aerobictrainerin im Frühstücksfernsehen. Doch auch dort ist sie den Programmverantwortlichen mit ihren mittlerweile 50 Jahren ein Dorn im Auge und sie soll durch ein wesentlich jüngeres Gesicht ausgetauscht werden. Durch Zufall bekommt sie einen Tipp für eine besondere Droge, die das Optimum aus ihr herausholen soll. Interessiert beschafft sie sich diese Droge, ohne zu ahnen, welche Folgen und Auswirkungen die Nutzung der Droge und entsprechende Fehler in der Anwendung haben können.
„The Substance“ ist ein unfassbar stylisch auf den Punkt inszenierter Film mit Kameraeinstellungen, Musik, Sound und Schnitt. Mit dem Trio aus Demi Moore, Margaret Qualley und Dennis Quaid an der Spitze des Films hat man darstellerisch absolute Höchstleistungen, die einem hier geboten werden, bei denen es bis an die Grenze des Aushaltbaren geht mit einem Mut zur Hässlichkeit und absolutem charakterlichen Ekelpaket. Der Film ist radikal und geht durchaus mit seinem Body-Horror in extrem gorelastige Gefilde, die einen durchaus schon überraschen, aber auch angewidert unterhalten können. Ich würde „The Substance“ in seinem Mix als einen feministischen „Limitless Neon Demon Titane im Geiste Cronenbergs bezeichnen. In seiner Radikalität, seiner Symbolik und einer nicht sehr subtilen Vorgehensweise kann man den Film als eine blutige Abrechnung mit dem gesellschaftlichen Frauenhass betrachten, der hier am Male Gaze und dem extrem harten Pflaster der amerikanischen Unterhaltungsindustrie Hollywoods seziert wird und zeigt wie sehr der Schönheitswahn, die Jagd nach ewiger Jugend und der damit verbundenen gläsernen Decke Frauen unter einen immensen Druck setzt, der in toxischen, intrinsischen Dynamiken wie Competition Anxiety und auch im Selbsthass mündet. Und damit hat der Film eben nicht nur „Style“, sondern auch „Substance“, was ihn zu einem meiner großen Highlights des Jahres macht.
„The Substance“ - My First Look – 10/10 Punkte