Elisabeth Sparkle, eine ehemalige A-Prominente, die ihre Blütezeit hinter sich hat wird plötzlich vom widerlichen Fernsehchef Harvey aus der eigenen Fitness-Fernsehsendung gefeuert. Da ergreift sie die Chance, die ihr eine mysteriöse neue Droge bietet: THE SUBSTANCE. Eine einzige Injektion genügt und sie wird - vorübergehend - als wunderschöne Mittzwanzigerin namens Sue wiedergeboren. Die einzige Regel? Sie müssen sich die Zeit teilen: genau eine Woche in einem Körper, dann eine Woche im anderen. Ohne Ausnahme. Die perfekte Balance. Was kann schon schiefgehen?
Wie man im Laufe der 140 Minuten sieht, so einiges, denn Madame hat irgendwie gar keinen Bock mehr ihr schönes Leben immer wieder für eine Woche zu unterbrechen, zumal es beruflich und privat ausgezeichnet läuft.
Was uns Coralie Fargeat hier kredenzt, sind 110 Minuten glänzende Gesellschaftssatire und Abrechnung mit dem Schönheitswahn, kombiniert mit Zutaten des Horrorfilms und auch garniert mit einigen kleinen Momenten, in denen man wirklich lachen muss. Alleine die 10 Minuten in denen Demi Moore kocht, sind wirklich grandios.
Überhaupt muss ich mich hier ausnahmsweise mal den Kritikern anschließen, denn Madame war für mich immer überbewertet. Lediglich in EINE FRAGE DER EHRE konnte sie glänzen wegen des guten anderen Casts, Später war auch ihre Rollenauswahl schlecht bis peinlich, was mit dem vollkommen beknackten STIPTEASE und dem tumben DIE AKTE JANE dann die unrühmlichen Höhepunkte fand – ab da habe ich sie nicht mehr wirklich beachtet.
Doch hier spielt sie sich wirklich die Seele aus dem Leib und schlägt alle Mitbewerber um Längen. Ich hätte ihr den Oscar für diese Darstellung definitiv gegeben. Dagegen sieht Margaret Qualley eher blass aus und es erschließt sich mir auch nicht, wieso alle so auf Madame abfahren, denn für die Rolle wären mir 10 andere vorher eingefallen.
Optisch bekommt man hier das vielleicht beste Werk seit BLADE RUNNER 2 geboten, auch wenn die beiden Filme aus unterschiedlichen Genre stammen, aber was Fargeat hier alles auffährt ist sensationell.
Die bunten Farben, der Einsatz der Kamera aus allen möglichen Perspektiven, selbst bei den kleinsten Szenen und auch die teilweise fast surrealistischen Elemente vereinen sich zu einem optischen Kunstwerk.
Nun wird der aufmerksame Leser aber feststellen, dass ich oben 110 Minuten geschrieben habe statt 140, die der Film tatsächlich andauert, denn da verlässt die Regisseurin ihr bis dahin so perfektes Terrain, um ihre Leidenschaft für David Cronenberg auszuleben und überzeichnet das Szenario völligst.
Ich kann nicht wirklich verstehen, warum sie das so gnadenlos überzieht, denn es passt einfach nicht wirklich zu dem Rest den wir zuvor gesehen haben, auch wenn einige Menschen das Gegenteil behaupten.
Die letzten 5 Minuten hingegen reflektieren auf die ersten 5 und bieten einen wirklich gelungenen Abschluss. Diese Orgie an Blut und Gedärmen allerdings, ist aus meiner Sicht nicht zielführend und schon sind die 10 Punkte, zu denen ich mal hätte hinreißen lassen (passiert alle 5 Jahre einmal) im Mülleimer versenkt.
Überhaupt ist eine Gesamtbewertung jetzt schwierig, da wir hier eigentlich 2 Filme sehen, auch wenn der eine nur ein Kurzfilm ist, reicht es um den Gesamteindruck zu schmälern.
Ich gebe dann, auch aufgrund der wirklich formidablen Optik 8 Punkte, aber da wäre weniger wirklich mehr gewesen.
Fazit: Origineller und bunter, optisch brillanter Film, dem auf der Zielgerade ein wenig die Luft ausgeht und der versucht, das ganze dann mit Ekeleffekten zu kaschieren – was leider misslingt. Trotzdem – Demi Moore ist grandios.