Techno-Fiebertraum trifft Body-Horror – radikal, grotesk, faszinierend
The Substance ist einer dieser Filme, bei denen man sich fragt: „Was zum Teufel hab ich da gerade gesehen?“ Und genau das ist auch das Geniale daran. Der Film ist ein absolut überdrehter, optisch völlig durchgeknallter Trip, der aber gleichzeitig eine sehr treffende Gesellschaftskritik in sich trägt.
Demi Moore spielt eine in die Jahre gekommene TV-Fitness-Ikone, die durch tägliche Aerobic-Workouts vor laufender Kamera jahrzehntelang das Ideal von Schönheit, Jugend und Gesundheit verkörpert hat – bis sie plötzlich entlassen wird. Sie gilt als alt und unattraktiv.
Mit der geheimnisvollen Substanz hofft sie, sich selbst in einer jüngeren Variante neu erschaffen zu können, um ihr Leben noch einmal von vorne zu starten. Die beiden Körper – sie selbst und ihr Klon – sind dabei miteinander verbunden, aber auf eine Weise, die völlig anders ist, als sie es erwartet hätte.
Was folgt, ist ein audiovisueller Wahnsinnstrip zwischen Body-Horror, Fiebertraum und böser Satire.
Inszenatorisch ist das Ganze wie ein wilder Mix aus: Cronenberg auf Speed, Black Swan auf LSD und einem Techno-Musikvideo von 1998, das zu lange in der Mikrowelle lag.
Neonlichter, schnelle Schnitte, laute Beats, groteske Bilder – das ist ästhetisch so extrem, dass du einfach nicht wegsehen kannst. Es ist wie ein Unfall in Zeitlupe mit Glitzer.
Demi Moore zeigt sich hier mutig, roh und völlig entblößt – körperlich wie emotional. Ihre Performance ist durchzogen von Wut, Schmerz und Verzweiflung. Und wenn dann ihre „perfekte Version“ — gespielt von Lena Dunham — auftaucht, eskaliert der Film zu einem Psycho-Body-Horror-Clash, wie man ihn selten gesehen hat.
Fazit:
The Substance ist kein Wohlfühlfilm. Es ist ein Spiegel. Für Schönheitswahn, für den Kult um Jugend, für mediale Oberflächlichkeit.
Aber gleichzeitig ist es auch ein kunstvoller Albtraum, der dich komplett einsaugt – wenn du dich traust, ihn zuzulassen.
Einer der radikalsten Filme der letzten Jahre. Ästhetisch irre. Inhaltlich clever. Und garantiert nichts für schwache Nerven oder Mägen.