Review

Chainsaw Lollipop

Ich will nicht um den blutigen Brei reden: für Fans von Slashern, von Giallos, der 80er und im Grunde auch der beiden Vorgänger „X“ und „Pearl“ gehörte „MaXXXine“ zu den heisserwartesten Genrefilmen des Jahres. Ti West vollendet (?) seine lose zusammenhängende und auch gut alleine funktionierende Reihe rund um „Maxine Minx“ und ihre traumatische Vergangenheit, die sie nun mitten in den 80ern, zwischen Serienkillern und Slasherhype, auf bestem Weg aus dem Pornobiz ins vollwertige Filmgeschäft wieder brutal einholt…

Sie ist Maxine Fucking Minx!

Ein gutes Stück „Trailerfilm“ ist „MaXXXine“ schon. Der ging nämlich ab wie ein Zäpfchen, ein Highlightreel auf dem reinsten Kokain der 80er. Der Film hingegen geht wesentlich sachter, langsamer, gar lethargischer zur Sache. Aber das ist ja erstmal völlig wertfrei gemeint. Tempo macht ja keine Filmqualität. Dennoch ist’s schade, dass z.B. „Self Control“ es nicht in den fertigen Film geschafft hat. Und dass man nicht verschweigen kann, dass Ti West in Sachen Gore und Gewalt ruhig noch drei Gänge hoch hätte schalten können. Es ist schon überraschend, wie behäbig „MaXXXine“ daherkommt. Aber auch charakterbezogen. Und das kann bei einer Mia Goth in Topform und voll in ihrem Element, im Fokus, nie schlecht sein. Der Soundtrack ist auch ohne Laura Branigans Überhit voll mit Banger nach Banger nach Banger. Stil kann West eh wie kaum ein Zweiter - und hier schießt er die 80er wirklich spektakulär ab! Ein feuchtes Fest für Fans von Neonröhren, VHS-Zittern und Video Nasties. Dazu wird Mia Goth unter seiner Führung scheinbar immer besser, immer wütender, immer eruptiver. Und gewissermaßen als period piece und Hommage an diese ganz spezielle Zeit ist „MaXXXine“ ohne Frage ein höllisch heißes Stück Video… eh Kino. Und dennoch: in Sachen Geschichte, Payoff und dem Zusammenspiel der einzelnen Teilchen - vom Night Stalker bis zum Bates Motel - schafft es dieses Schulterpolstershowreel leider nie zu explodieren. Cool ist’s dennoch saumässig. 

In Schlitztempo durch die 80s

Fazit: „MaXXXine“ ist eine stylische Vollendung von Ti Wests Trilogie rund um… Mia Goth?! Dennoch ist’s überraschend, dass mir seine zwei Vorgänger recht deutlich besser gefallen haben - und das obwohl Slasher, Giallos und das Jahrzehnt voll mein Ding sind… Enttäuschung auf hohem Niveau? Egal. „MaXXXine“ ist teils hypnotisch hübsch, dreckig sexy und mörderisch gut. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch. 

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