„I will not accept a life I don‘t deserve“ – Maxines Maxime könnte genausogut von Mia Goth selbst stammen. Goths Ego und Ti Wests Nerdtum verdanken wir eine der bemerkenswertesten und merkwürdigsten Trilogien des Genres. Es fragt sich allerdings, welches Genres. Doch dazu später.
MAXXXINE ist stärker noch als PEARL direkt mit X verknüpft, die Vorkommnisse des „Texas Porn Star Massacre“ verfolgen Maxine, zunächst in Flashbacks und schließlich auch in Form einer handfesten Erpressung. Zudem wird L.A. vom Serienkiller „Night Stalker“ in Atem gehalten. Doch das alles soll Maxine nicht davon abhalten, den Sprung vom Pornostar zum Filmstar zu machen. Eine Frau geht ihren Weg – als eine Mischung aus Clint Eastwood und Charlie Bronson, wie es im Film heißt: „Shooting stars never stop, even if they reach the top.“
Die Geschichte ist jedoch – wie nach X und PEARL zu erwarten war – nebensächlich und dient lediglich als Aufhänger für die atmosphärische und „authentische“ Darstellung eines 80er-Jahre Exploitationfilms.
Die Needledrops bewegen sich entsprechend zwischen stilsicher und offensichtlich – von A (wie Animotions „Obsession“) bis Z (wie ZZ Tops „Give me all your lovin“), Highlights sind sicherlich das seltener gehörte, hier in jeder Hinsicht fantastisch passende „Welcome to the Pleasuredome“ von FGTH sowie natürlich Kim Carnes‘ „Bette Davis Eyes“ zum Abspann.
Noch großzügiger gestreut sind die Referenzen an die Filmgeschichte der 70er und 80er. Auch hier mischt sich Augenscheinliches (CHINATOWN, PSYCHO II, BODY DOUBLE, Abel Ferraras MS .45, Paul Schraders HARDCORE und Argentos Gialli) mit weniger Bekanntem (diverse 80s-Heuler wie VICE SQUAD und ANGEL sowie Anspielungen auf die ersten Teile der Trilogie).
Das ist alles schön anzusehen und anzuhören, dazu geben sich eine Handvoll prominenter und spielfreudiger Stars die Klinke in die Hand, von denen lediglich Elizabeth „Princess Di“ Debicki und Giancarlo Espositos Perücke etwas deplaziert wirken, sie alle wollen mittlerweile am Hype teilhaben.
Allein so etwas wie Spannung mag sich zu keiner Zeit einstellen, der Film liefert fast ausschließlich das Bekannte und Erwartbare, ist überwiegend leeres Zitatekino, wie es auch Tarantino in den letzten Jahren zunehmend zelebriert hat. Man kann einzelne Szenen bewundern, sich bei den paar blutigen Kills fragen, an welchen Film man jetzt erinnert werden soll und beim arg übertriebenen Shootout-Finale überlegen, ob das noch ironische Hommage oder einfach unfreiwillig komisch ist. Nur echte Gefühle haben hier keinen Platz und mit wirklichem Horror hat das alles herzlich wenig zu tun.
Nachdem Ti West mit Abschluss dieser Trilogie Maxine und Pearl nun aus seinem System getrieben haben sollte, darf man hoffen, dass er sich auch wieder Filmen zuwendet, die mehr als Showcases für Period Picture Hommagen darstellen (gerne auch wieder mit Mia Goth, die hier oft ein wenig zu unscheinbar agiert). Dass er das kann, hat er eigentlich schon mit seinem Durchbruch THE HOUSE OF THE DEVIL bewiesen. Dort wie auch in seinen anderen Werken (THE SACRAMENT, THE INNKEEPERS, V/H/S) zeigte er, wie man gekonnt Atmosphäre und Spannung verbindet. MAXXXINE ist wie auch die anderen beiden Filme der Trilogie von „movie-flavoured movies“ (O-Ton West) hauptsächlich Stil und kaum Substanz.