Kaum jemand dürfte mit dem Vorsatz herangehen, dem wahrscheinlich besten Gefängnisfilm „Die Verurteilten“ in irgendeiner Form das Wasser zu reichen. Wer allerdings auf den Pfaden von „Die Flucht von Alcatraz“ wandelt und sich auf die Tatsachen wahrer Begebenheiten stützt, bringt prinzipiell gute Vorraussetzungen mit.
2004: Bosco (Aubrey Joseph) wird aufgrund einiger Vorstrafen und dem erneuten Besitzes von Marihuana zu 35 Jahren Haft verurteilt. Zeitgleich ist seine Freundin schwanger und er versucht alles, der Geburt seines Kindes beizuwohnen. Also bleibt nur die Flucht, vorbei am unbarmherzigen Aufseher Hunt (Thomas Jane)…
Quawntay Adams alias Bosco lieferte die literarische Vorlage selbst, während Langfilmdebütant und Drehbuchautor Nicholas Manuel Pino darum bemüht ist, sich durchgehend auf die Hauptfigur zu konzentrieren. Dabei vergisst er jedoch Umstände, die für den Fall an sich von Relevanz sind: Wie kann jemand zu so einer hohen Strafe verurteilt werden, während Menschen nach einem Mord nach gegebenenfalls 15 Jahren wieder frei kommen können? Welche Umstände haben dazu geführt? Dies wird bis zur Inhaftierung nahezu komplett ausgeklammert.
Trotz einiger Flashbacks in die Kindheit des Protagonisten gibt es nur ein vages Bild von Broscos Lebenslauf, die Tat selbst und die Festnahme werden ebenfalls nur angedeutet, wonach sich der Großteil der Handlung auf den Aufenthalt in der engen Zelle stützt, was zwangsläufig klaustrophobische Züge mit sich bringt. Jener Raum ist mit einer Deckenkamera und einem Telefon ausgestattet, welches Bronco so manipuliert, um eines Tages bei einer gewissen Tammy zu landen, deren Unterstützung er im Lauf der Zeit für sich gewinnen kann.
Doch auch hier gibt es Defizite, da jene Entwicklung viel zu bruchstückhaft skizziert ist, um ein gegenseitiges Geben und Nehmen nachvollziehbar zu machen.
Deutlich besser gelungen sind die Anteile vom Voiceover durch die Hauptfigur, welche im Verlauf philosophische, aber nachvollziehbare Ausmaße annehmen. Auch die kreativen Einfälle, die letztlich zum Ausbruch führen sollen, tragen zur Abwechslung bei und seien es nur die Schachfiguren aus Klopapier geformt. Joseph trägt die Hauptrolle mit Bravour, lässt viele Stimmungsschwankungen einfließen und bringt die nötige Präsenz mit, was gleichermaßen für Thomas Jane gilt, dem man den verbitterten Aufsehen jeder Zeit abnimmt.
Leider gestalten sich Abläufe des Ausbruchs selbst im finalen Akt nicht übermäßig mitreißend, obgleich das Timing hier eher auf den Punkt kommt und die generell solide Kamera noch ein wenig effektiver arbeitet, um den Kontrast zwischen Gefangenschaft und Freiheit hervorzuheben. Die finalen Bilder stimmen durchaus versöhnlich und man findet die passenden Worte, jedoch bleibt der Eindruck, eine potenzielle Chance in einigen Belangen, vor allem in Sachen Spannung vertan zu haben.
5,5 von 10