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Musste man früher zum Teil mehrere Jahre auf ein neues Werk von Yorgos Lanthimos warten, kommt sein neuer Film jetzt nur wenige Monate nach seinem letzten mehrfach preisgekrönten Werk POOR THINGS in die Kinos. Trotz seiner Länge von knapp drei Stunden und der Schwere seiner Themen erscheint KINDS OF KINDNESS jedoch eher wie eine Fingerübung als wie ein ausgereifter Film, was natürlich auch an seiner episodischen Struktur liegt. 

Ein Mann (Jesse Plamons), der einem gottgleichen Übervater (Willem Dafoe) hörig zu sein scheint und sein Leben komplett und bis ins Intimste nach dessen exakten Anordnungen ausführt, fällt im wahrsten Sinne des Wortes vom Glauben ab, als ein neuer Auftrag ihn an seine ethischen Grenzen bringt. 

Ein Mann (Jesse Plemons) ist überzeugt, seine auf Forschungsreise lange Zeit vermisste Ehefrau (Emma Stone) sei nach ihrer Rückkehr nicht mehr dieselbe und beginnt sie mit ungewöhnlichen Wünschen auf perfide Weise zu testen. 

Eine Frau (Emma Stone) und ein Mann (Jesse Plemons) sind für ihre Glaubensgemeinschaft auf der Suche nach einem weiblichen Messias, wobei sie die strengen Vorgaben ihrer Gurus (Willem Dafoe und Hong Chau) zu befolgen haben. 

Auch wenn das identische Ensemble in jeder Geschichte unterschiedliche Rollen spielt, sind die verbindenen Themen offensichtlich – es geht um Macht und Abhängigkeit in verschiedenen Beziehungen. Also das, worum es bei Lanthimos eigentlich immer geht. Formal ist das filmische Triptychon eine Rückbesinnung auf die „greek weird wave“, die der Regisseur gemeinsam mit seinem Co-Autor Efthimis Filippou, mit dem er bereits von 2009 (DOGTOOTH) bis 2017 (THE KILLING OF A SACRED DEER) zusammenarbeitete, nun nach Hollywood transportiert. 

Wer Lanthimos über THE FAVOURITE und POOR THINGS kennenlernte, wird möglicherweise enttäuscht sein, denn der Film ist zwar insbesondere von Plemons und Stone ausgezeichnet gespielt, bietet aber keinerlei schauspielerische Extravaganz, er ist toll ausgestattet, kommt jedoch ohne aufwendige Kulissen aus, ist absolut stilsicher gefilmt, aber ohne Weitwinkeloptik oder andere visuelle Spirenzien. 

KINDS OF KINDNESS lebt in erster Linie von seinen drei Geschichten und diese sind leider auch seine größte Schwäche. Denn sie wirken eher wie Ideenskizzen, die unnötigerweise auf ihre je rund 55-minütige Laufzeit gestreckt wurden. Sowie man eine Ahnung hat, in welche Richtung sich die Stories entwickeln, zieht sich die Sache etwas bis zur „Auflösung“, die natürlich keine echte Befriedigung verschafft. Ein paar Situationen überraschen natürlich doch mit ihrem „shock value“ und eine Atmosphäre von discomfort durchzieht den gesamten FIlm. Ein moderner Klassiker wie viele seiner vergangenen Filme ist Lanthimos hier jedoch nicht gelungen.

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