Review

"Don't live here. Don't surf here."

Mit der höchsten Mund-zu-Mundpropaganda seit bestimmt Mandy (2018) ausgestattete Produktion, die bereits von den ersten Bildern Vorschusslorbeeren reichend für drei Filme eingefahren und den wartenden Zuschauer auf die Folter gespannt hat; Cage sei Dank, der Synopsis, der Umsetzung natürlich, dem gesamten Konstrukt, soviel Aufmerksamkeit hatte The Baker, The Gardener oder auch The Beekepper jedenfalls nicht. Hier auch ein anderes Paket zusammengestellt und verschnürt, nur an einen speziellen Absender gerichtet, welcher zufällig Du bist, einmal Empfang bestätigen, bitteschön:

Kurz vor Weihnachten will ein Mann [ Nicolas Cage ] mit seinem Sohn [ Finn Little ] in seiner früheren Heimatstadt am Strand surfen gehen; nebenbei plant er auch den Aufkauf seines Elternhauses, welches allerdings gleich mehrere Interessenten anzieht und den Preis immer höher treibt. Auch aus dem Surfausflug wird erstmal nicht, werden die Beiden von einheimischen Surfern unter Führung von Scally [ Julian McMahon ] beim Versuch schon daran gehindert, vor allem seine rechte Hand Pitbull [ Alexander Bertrand ] zeigt sich von jetzt auf gleich als höchst aggressiv; zumal der herbeigerufene Polizist [ Justin Rosniak ] keine Hilfe, sondern das Gegenteil davon ist. Einzig ein Obdachloser [ Nic Cassim ] gibt etwas Aufklärung über die lokalen Gewohnheiten, und eine ab und zu auftauchende Fotografin [ Miranda Tapsell ] bietet dem sturen, die Geschehnisse erstmal beobachtenden Mann etwas Hilfe an. Zunehmend eskaliert die Lage.

Mit etwas Glück auch ein Hit für Lionsgate, schwer angeschlagen zuletzt, weiterhin fleißig am Produzieren und Distribuieren, hier mit mannigfacher Unterstützung, mit dem Festivalgedöns im Rücken, auf Cannes eingeladen, in die offizielle Auswahl genommen, die farbenprächtigen Bilder und die knallgelben Credits mitten auf die ganz große Leinwand geworfen und vom Publikum genossen. Surfen hier als Metapher fürs Leben, für den Mann, der die Ansprache hält zumindest, er muss mal raus an die frische Luft, ans Meer, er nimmt seinen Sohn mit, trotz Schule und drohenden Ärger. Ein Haus soll gekauft werden in der Nähe, die Gegenpartei bietet mehr und dies in Cash, ein erstes Problem und auch eine erste Unfreundlichkeit, eine Beleidigung, eine Konfrontation, der Sohn erschreckt sich, die Intimsphäre durchbrochen.

Kurze Vorrede macht man bloß, mehr als eine Warnung, eine Drohung, "Forget this place", er ist da aufgewachsen, es war ihm ein besonderes Bedürfnis, er wollte in Erinnerung schwelgen, der nächsten Generation, dem Sohn etwas zeigen. Es kommt anders, als geplant und beabsichtigt, es wird in der Vergangenheit gelebt, er will sie wiederholen, die Zeiten ändern sich, andere Menschen vor Ort, auch der Sohn ist nicht wie der Vater, nichts bleibt gleich, alles am sich verändern. Die Zeit ist jetzt, der Ort ist richtig, bzw. er war richtig, zu früheren Zeiten, man kann die Gefühle spüren, die Wichtigkeit des Vorhabens, die Dringlichkeit, es wurde alles darin investiert, nicht nur Geld, sondern das Herz gleich mit, die ganze Seele; eine gefährliche Gegend, mitten in der Natur, an einem öffentlichen Strand. "Locals only" hört man hier beizeiten, dann kommen die Beleidigungen, die Stinkefinger, das Gespucke in die Richtung des Gegenübers, "Don't do it to yourself" hört er von seiner (kommenden) Exfrau; das Leben eine Krise, eine Midlife-Crisis, ein Burnout, ein Mann mit dem Rücken zur Wand, stehend vor einer Klippe, "You don't belong here anymore.", die düstere Realität. Den ganzen Tag und die ganze Nacht wird sich vor Ort aufgehalten, im Auto auf dem Parkplatz, beobachtend, sinnierend, das Gefühl auf- und wahrnehmend, das geht zum Zuschauer ähnlich, Cage ist seine Identifikation, man begleitet ihn, man fühlt seinen Ärger, seine Frustration, nichts ist, wie es sein sollte, dazu unnötige Provokationen, die gesamte Menschheit gegen Einen, ein Weg in die Tiefe, in den Abgrund.

Eine Prügelei ist bald am Start, eine Party unterbrochen, wurde einem das Symbol für das Leben, das Surfboard weggenommen, die Aggression schon lange schwelend, nun hervorbrechend, das erste Anzeichen eines folgend noch schlimmen Geschehens. Den ersten Kampf hat man gewonnen, die erste Schlacht verloren, der strahlend blaue Himmel und das ebensolche Meer täuschend, "Bunch of fuckin' yuppies cosplaying at being surf gangsters." die Gegner, das Recht der Stärkeren anspielend, aufspielend und ausspielend, die Überzahl, die lokal geltenden Regeln, "poisonous cunts.", selbst die Polizei ist involviert.

Cage nahe dem Wahnsinn beizeiten, es funktioniert nichts so, wie er vorhatte und wie es normalerweise funktioniert, eine Grenze überschritten, eine Menge Pech gehabt und eine Menge Unglück, unvorhergesehene Ereignisse, ein Einzelporträt, sich selber und jemand anderen im Spiegel und draußen in der Natur sehend; Halluzinationen und fremde Wahrnehmungen, 'Kook' in das Auto eingeritzt, mitten auf der Seite der Karosserie. Eine Traurigkeit wird hier geboten, der Wunsch eines Mannes, alles wiedergutzumachen, so ähnlich war auch The Weather Man (2005) gehalten, dort als schwarz-humoristisches Drama, her mit toten Hunden und bald auch toten Menschen, es wird über die Menschlichkeit an sich und vor allem auch die Männlichkeit gesprochen, man würde der Person wünschen, sie täte einfach das Weite suchen, eine Tragik im Kommen, das erste Blut bei einem Unbeteiligten, ein Horror in der Erscheinung. Ein Mann über seinem Limit, in eine andere Sphäre eindringend und sich anpassend, "Surfer, Suffer, Surfer, Suffer.", nichts so gedacht wie ursprünglich und irrtümlich angenommen, was ist noch echt und was nicht, Momente wie in Love Lies Bleeding (2024), die Welt aus den Fugen geratend, aus den Angeln gehoben.

Schmerzen werden eingesteckt, erst körperlich, dann psychisch, die nackten Füssen mit Glasscherben aufgeschlitzt, ein Hundebiss, heißer Kaffee ins Gesicht, zwischendurch Wahrnehmungen und Erscheinungen, nicht einmal die Natur ist friedlich. (Ähnlich wie Pig, 2021) Die Odyssee eines Mannes an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaus, kein Aufgeben, zu den letzten Mitteln gezwungen, das Porträt eines scheiternden Individuums, eine Charakterstudie in flirrender Hitze, eine schauspielerische Tour de Force, eine forcierende Tortur, Dinge verändern sich, der Mensch gleich mit, eine Verzweiflung, zum Gespött gemacht, alles läuft schief, gesundheitlich angeschlagen, ein schlechter Rausch und Exsikkose und Sonnenstich und Gehirnwäsche, nur der Regisseur kümmert sich um den Mann in seiner Dehydration, sorgt sich um ihn, steht ihm zur Seite, zeigt seinen Beistand, die Augen werden kleiner, die Bilder träumerisch, eine blutrote Desillusion, eine Verwahrlosung am Ende des Sonnenlichts, ein Mann im verzehrenden und verzerrten Sterbeprozess, schon lange vor dem letzten Drittel. Dann, wenn die Schusswaffe ins Spiel kommt, die Geräusche lauter, der Mensch zum Tier werdend, in der Vegetation vor sich hin vegetierend, nun zu allem fähig, kurz vor Weihnachten, den Tieren geht es besser hier.

Details
Ähnliche Filme