Review

Ein paar halbwegs unbekannte Schauspieler, in Verbindung mit einem unbekannten Regisseur, machen nicht immer einen tollen Film mit Achtungserfolg, aber manchmal machen sie auch einen ganz tollen Film ohne.
Ein ganz kleiner Film – ganz groß!

Leider haben wir das auch hier.

Die Story mutet eigentlich vom äußeren Anlesen schon etwas seltsam an, für manche Leute mag es vielleicht sogar was perverses haben, aber es geht nun mal um einen einsamen und schüchternen Kerl, der sein Glück in einer Gummipuppe sucht. Auch wirkt es oberflächlich sehr anrüchig, mitanzusehen, wie er sich etwas befangen an der Puppe probiert. Jedoch wird dieser visuelle Haken mit dem ganz amüsanten Setup aufgefangen, indem die Puppe als ein ganz modernes Stück Technik vorgestellt wird und sich anfangs einige gelungene komödiantische Situationen herauskristallisieren, die dem filmerischen Thema den schrägen Touch bis zu einem gewissen Grad nehmen. Das tut dem Film obendrein sehr gut, da er mit diesen Zutaten einen guten Start bekommt. Abgerundet wird der weitere Verlauf des Filmes mit einigen putzigen Wendungn, in denen nicht zuletzt die Puppe dem Protagonisten dazu verhilft, wieder seelisch auf die Beine zu kommen. Er übt an ihr etwa Verhaltensweisen und Maschen, wie er bei seiner wirklich lebendigen Angebeteten landen kann. Dies alles ist ganz wundervoll romantisch erzählt und macht Freude beim Schauen. Allerdings bleibt ein latenter Beigeschmack wegen dieser Puppe bestehen. Es obliegt fast moralisch, daß sich die Geschichte nicht einfach so entspannt löst, so daß sich bis zum Schluß natürlich alles in Scheiße verwandelt. Eine Handlung, die dieser Film absolut eindrucksvoll einfängt und transportiert.

Das Ergebnis des thematischen und erzählerischen Stunts ist ein gediegen erzähltes, ergreifendes, romantisches, psychologisch an der Spannung zerrendes, komödiantisches und wirklich angst-einflößendes Märchen, was man hier geboten bekommt. Ein kleiner Film mit großer Wirkung. Viele Eindrücke, viele Richtungen, verbunden zu einem runden Gesamtwerk.

Melissa Sagemiller und Desmond Harrington spielen ihre Charaktere wundervoll und emotional nachvollziehbar. Beiden sieht man den Spaß am Drehen an und dieser Umstand verleiht dem Ganzen eine warme, herzliche und hingebungsvolle Atmosphäre, die (je nach Szene) zwischen den Charakteren herrscht. Rip Torn, ein vom Gesicht her altbekannter Nebenschauspieler, hält den gesamten „Laden“ zusammen und Udo Kier brilliert als obskurer und überzogen dargestellter Nachbar, der für die einen und anderen Lacher sorgt. Inszeniert ist der Film ganz ruhig, die Kamera ganz dezent und unspektakulär. So viel gibt es in diesem Film auch nicht spektakulär zu inszenieren, so daß alles genau die richtige Kombination und Dosis besitzt.

Was von der Trockenübung übrig blieb:
Love Object ist eine Art Kammerspiel, mit gerade mal 4 tragenden Charakteren und zwei zentralen Schauplätzen und einer Melissa Sagemiller-look-a-like Puppe als Hauptgegenstand. Ganz großes Kino mit viel Stil, viel Flair und tollem Schauspiel.
Leider bleibt dieser Film wohl immer ein kleiner Geheimtip, den man aufgrund seines Gummipuppen-Themas schwerlich groß kommunizieren kann.

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