Um die Frage des Titels auf seinen filmischen Inhalt zu beantworten: Nö, so rein gar nicht.
Die Mischung von Co-Autor und Regisseur Dennis Marasigan schwankt unentschlossen zwischen Drama und Crime und hätte aufgrund der Konstellation mehr Intensität verdient als hier auf laienhafter Basis präsentiert wird.
Die Informatikstudentin Charlize verdient ihren Lebensunterhalt als Model im Internet, indem sie vor der Kamera diverse Wünsche ihrer User erfüllt. Doch eines Tages erkennt sie ihr neuer Professor Trystan und erpresst sie: Will sie den Kurs bestehen, muss sie ihm entgegenkommen. Doch Charlize, alias Elle kann die Sache nicht auf sich beruhen lassen…
Es scheint eine weitgehend diskrete Möglichkeit zu sein, als junger Mensch Geld zu verdienen und dabei vor der Kamera in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Die eigenen vier Wände geben ein Gefühl von Sicherheit und man setzt sich keinen übergriffigen Berührungen aus. So lernt man auch Rolemodel Elle kennen, welche unter der Verkleidung kaum zu erkennen ist: Kostüm, farbige Kontaktlinsen und pinke Perücke.
Umso hanebüchener, dass ihr neuer Prof sie während des Unterrichts an nur einer Geste zu erkennen scheint: Sie streicht sich das Haar hinters Ohr, was offenbar sonst keine Studentin macht. Geradezu enervierend gestalten sich indes die Anrufe von Charlize Mutter, die ausschließlich Geld von ihrer Tochter will, natürlich stets aus fadenscheinigen Gründen bezüglich ihrer Brüder in Not und dem Hinweis, Charlize selbst möge doch bitte kürzer treten.
Und als wenn das noch nicht genug wäre, ereignet sich zwischenzeitlich eine Szene, welche stellvertretend für die komplette Unbeholfenheit der Inszenierung steht.
Da steht Charlize wartend mit ihrem Handy an der Straße. Ein sichtlich älterer Kerl huscht vorbei, schnappt sich das Mobiltelefon und „rennt“ weg. Anstatt aktiv zu werden, oder zumindest einen Aufschrei des Entsetzens zu tätigen, schaut die junge Dame nur unbeteiligt umher und in der nächsten Szene befindet sie sich in einem Laden, um ein neues Handy zu kaufen. Muss man gesehen haben.
Den Rest allerdings nicht. Denn obgleich es anbei um durchaus ernste Themen geht, mäandert das Geschehen rund eine Stunde lang lahm vor sich hin. So sollen etwa die Richtlinien der Homepage geändert werden, wonach erotische Inhalte untersagt wären und später kommt es zum unausweichlichen sexuellen Übergriff und der anschließenden Debatte im Lehrerzimmer, die aufgrund der männlichen Dominanz nur lachhaft ausfallen kann. Also, eigentlich ein paar Gründe, um final richtig aufzudrehen, doch genau dies passiert eben nicht.
Zwar verströmt das fortlaufende Geschehen in Ansätzen die Vibes von Rape and Revenge, doch aufgrund der schwachen Mimen, des schlechten Timings und der wenig plausiblen Konsequenz nimmt man das Treiben ohnehin nicht mehr ernst.
Entsprechend gestalten sich die 106 Minuten geradezu quälend lahm und statisch, welche rein gar kein Kriterium erfüllen, die eine Sichtung auch nur annähernd rechtfertigen. Die vermeintlich erotische Komponente fällt dabei sogar noch am schwächsten aus.
2 von 10