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Mit dem Namen Night Shyamalan ist das Genre des Mysterythrillers prägend verknüpft, welches anno 1999 mit „The Sixth Sense“ seinen Lauf nahm. Erwartungsgemäß fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und inzwischen ist Tochter Ishana in die Fußstapfen ihres Vaters getreten und liefert mit vorliegendem Beitrag ihr Regiedebüt.

Irland: Die Künstlerin Mina (Dakota Fanning) arbeitet in einer Tierhandlung und soll einen Goldsittich überbringen. Auf ihrem Weg macht der Wagen im Wald schlapp, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt. Mehr noch: Sie stößt auf drei weitere Personen (Olwen Fouéré, Georgina Campbell und Oliver Finnegan), die hier bereits seit einigen Monaten verharren und in einem oberirdischen Bunker hausen, der die meiste Zeit von den „Watchers“ observiert wird. Mithilfe von Aufzeichnungen will man sich einen Fluchtweg erarbeiten…

Natürlich hat Ishana die Werke ihres Vaters studiert und war bei seinen letzten beiden aktiv im Hintergrund beteiligt. Nicht von ungefähr erinnert die Ausgangssituation an eine Mischung aus „Cabin in the Woods“, aber noch mehr „The Village“, in der ein vermeintlich magischer Ort durch Regeln Bestand hat, die im Verlauf zunehmend angezweifelt werden.
Zudem tut der Stoff gut daran, die Bedrohung durch die Kreaturen zunächst nur auf akustischer Ebene anzudeuten.

Leider ist es um die Figurenzeichnungen eher schlecht bestellt, denn außer einem prägenden Kindheitstrauma ist von Mina wenig mitzunehmen, während die drei Weggefährten oberflächlich skizziert bleiben. Vordergründig geht es um die Thematik der Beobachtung, des Voyeurismus, was etwas zu flach mit der Symbolik einer Reality-Serie einhergeht, die der Gruppe als Zeitvertreib dient. Hinzu gesellt sich ein breiter Spiegel und natürlich einige Regeln, wie etwa nach Sonnenuntergang nicht mehr draußen zu sein und niemals eines der Erdlöcher zu betreten, in denen die Watcher offenbar hausen.

Hin und wieder keimen Ansätze einer ambitioniert geführten Kamera auf, wie beim Flashback zu einem Autounfall oder beim ersten Durchstreifen des Waldes, doch dies reicht im Zusammenhang mit einem routinierten Score nicht aus, um dauerhaft Atmosphäre zu schüren, zumal es an einschneidenden Ereignissen mangelt, um fortlaufend für Suspense zu sorgen.
Vielmehr werden immer mehr Erklärungsansätze bemüht, teilweise sogar per Videoaufzeichnungen in wiederholter Form, was dem Zauber der Mystik natürlich nicht entgegen kommt.

Gleiches gilt für die Zeit nach dem eigentlichen Showdown, der zwar noch kleine Wendungen impliziert, welche jedoch keine einschlagende Wirkung entfalten. Viele Möglichkeiten gibt es angesichts der einfachen Konstellation nicht und infolgedessen sind die Twists absehbar.
Dass der Stoff dabei eine eher versöhnliche Note einschlägt, will nur bedingt zur teils garstigen Note der eigentlichen Bedrohung passen, die hinsichtlich einer FSK16 nie in explizite Gefilde abdriftet.

Die kaum greifbaren Figuren, eine nur selten prägnante Atmosphäre und der Mangel an Spannung lassen das Regiedebüt in einem zweifelhaften Licht erscheinen, welches handwerklich recht taugliche Ansätze vorweist, aber einige Zeit zu ereignislos vor sich hin dümpelt. Eigenständigkeit ist dem Werk nur sehr bedingt zu entnehmen, es wirkt vielmehr wie die Durchschnittsepisode einer ebenso durchschnittlichen Serie.
Knapp
5 von 10

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