Review

Eine Weiterführung der thematischen Filmografie von Daniel Lee, der Beschäftigung mit dem Historical Drama, dem waffenaffinen Period Piece, welches zuvor bereits in der damaligen filmischen Heimat Hongkong erst in der Beschäftigung mit Fernsehserien, dann Werken wie What Price Survival (1994) oder den bekannteren Three Kingdoms: Resurrection of the Dragon (2008), 14 Blades (2010), White Vengeance (2011), oder Dragon Blade (2015) ausgelebt und auch vom Zuschauer so angenommen wurde. Lee hatte dabei die Transition von der Sonderverwaltungszone auf den Markt der Volksrepublik eingangs trotz einer als etwas eigen bekannte und die Kreativität und die Umsetzung der Vorstellungen kämpfende Persönlichkeit erstaunlich leicht und mit vielleicht Dante Lam und Tsui Hark eingangs am leichtesten bzw. am erfolgreichsten geschafft, ein Dreh mit (Alt & Jung)Stars, mit großen Budgets und ebensolchen Renditen, und dennoch im Rahmen auch der früheren Interessen; einzig Song of the Assassins blieb dann trotz (oder wegen?) gleicher Mittel plötzlich ruhen und wurde mehr oder minder im Dunstkreis 'versteckt':

Aufgrund des Mordes an seinen Eltern hat sich Qi Junyuan [ William Feng ] von einem Top-Attentäterteam selber als Attentäter ausbilden zu lassen, er wird von Rache getrieben und meint so, über kurz oder lang auch auf die Täter des Verbrechens zu stoßen. Als er ein Attentat auf Governor Gu Zijing [ Hugo Ng ] verüben soll, stößt er zusammen mit der schönen, aber mysteriösen Begleiterin Qin Shengsheng [ Gina Jin Chen ] und dem sich später als Mentor herausstellenden Hei Wuchang [ Norman Tsui ] auf ein Komplott, welches sowohl Chai Kang [ Jack Kao ], Chai Sheng [ Kenneth Tsang Kong ], Meng Xu [ Ray Lui ] und dessen Frau mehr oder minder betrifft.

Attentäter als Lösung für Probleme, als Art Fixer, eine frühere Zeit, ein anderes Leben, eine andere Welt auch, zwischen Wuxia und Fantasy, mit realen Untertönen und zwielichtigen Parallelen. Bilder wie aus bösen Märchen, aus Steampunk, aus Vorkriegsepen, teilweise Videoclip-artige Montagen, oder überlebensgroße Puppenspiele. Die ersten Einstellungen wie als Zusammenfassung, als Appetizer, als Raffung und als Teaser, als Einleitung und Vorspann, eine Geschichte mit langer Tradition, scheinbar ein Status Quo selbst in der 20. Generation. Ein Racheplot wird aufgestellt, die geläufigen Zutaten dafür ratifiziert, man wirkt insgeheim wie als eine Fortsetzung; auch wenn es keinen ersten Teil, dafür das Genre (sowie eine vorherige mehrteilige Buchreihe und eine zeitgleich geplante Serienadaption in 13 Episoden) selber gibt.

'Code of the Assassins' lautet der Titel in den Credits, ein Protagonist wurde vorgestellt, er hat das Bisherige selber erzählt, er hat sich aus Auserwählter für die Geschichte bereit gestellt, die Bilder edel, die Tricktechnik oft qualifiziert. Ein fröstelndes winterliches Setting wird bereitgestellt, viel Schneefall, die Optik zwischen weißen Flocken, kräftigen Schwarztönen und verzierenden Gold, eine Personenvielfalt herrscht vor, die Besetzung dafür ist bekannt bis berühmt, viele alteingesessene Darsteller auf, darstellerisch ist der Film eine imposante Statur. Eine Mission wird anberaumt, ein MacGuffin ist installiert, eine Verschwörung darum gestrickt; die Zutaten in der Handlung sind im Grunde klar, die Behandlung selber ist verzwickt.

Eine große Bühne dafür wird geboten, vorne die Tatsachen, im Hintergrund die Unendlichkeit, der Film arbeitet in vielerlei verschiedenen Umgebungen mit gründlicher Detailliertheit in den Kleinigkeiten, ist aber sichtlich in einem künstlich erzeugten Universum installiert. Die Präsentation ist voller böser Omen, voller Mythen und Historien, voll mit Nebulösen und verschleierten Taktiken, es geht um Hierarchie und Machterhalt und Machtgewinnung. Die Inszenierung dessen ist aufwändig, sie ist vollgestopft mit Utensilien unterschiedlichster Art, mit Offensichtlichen und Fassaden, mit Massenszenen im Gedränge und intimen Zwiegesprächen. Die Einstellungen sind oft wie Gemälde, zwischen liebreizenden Standbildern und furchterregenden Prophezeiungen, werden aus Festivitäten schnell Massaker, die Feinde lauern überall, auf nichts ist Verlass, nur der Tod hier ist verlässlich.

Bald zerreißen vorher gelegten Explosionen durch Dynamitstangen eine tänzerische Aufführung, wird mit Flammen hantiert, mit spitzen und gleichzeitig schweren Waffenarsenal, mit fliegenden Messern, scharfkantigen Schwertern und anderem gefährlichen Gerät. Eine schier überwältigende Choreografie, die in dem Gestus von Gewalt in Stilmitteln und dem Einsatz von bodenständigen Handwerk mit Unterstützung von Virtuellem vielleicht noch Tsui Hark (und Zhang Yimou) so hinbekommt, danach aber schon großer Abstand und nichts Vergleichbares im Zusammenspiel mehr ist. Als Spektakel eine Kunstform, mit jederzeit präzisem Geschick, eine traumtänzerische Aufführung, mit Blut verspritzt. Gestorben wird bald und reichhaltig und vielfältig, Angriffe offen von vorne und auch gerne mal hinterrücks, viel Aufwand (das Budget betrug etwa 32 Mio. USD) in der Erschaffung eines Areals, dass dann nach und nach mit ebenso viel Aufwand zerstört und von innen und außen heraus zerrissen wird. Die Straßen von der Zivilbevölkerung verlassen und leergefegt, aber mit Soldaten und dies armeengleich belegt.

Ein Angriff erster Sturmtruppen, weiße und schwarze Magie, die Verselbständigung von Waffen, es wird mit Finten und mit dem Phantastischen, mit einem verheerenden Pfeilregen und mit riesigen Armbrüsten agiert. Ein weitverzweigtes, mehrstöckiges Gasthaus wird in aller Kreativität und Finesse dem Erdboden gleich gemacht, später ein Schneepavillon mit Blendwerk und zerschnittenen Körperteilen gefüllt. Eine Geschichte mit schönen und gleichzeitig grausamen Bildern, ein großes Schachspiel mit Geheimnissen, Geheimdiensten, Geheimgängen, mit abgefangenen Korrespondenzen, mit menschlichen Tragödien.







Details
Ähnliche Filme