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Bestimmte Geschichten funktionieren wahrscheinlich nur in den USA, wo Menschen offenbar stark beeinflussbar sind, rasch mal einer Sekte beitreten und sogar den Worten eines zweifelhaften Ex-Präsidenten folgen. Entsprechend dürfte die Reality-Serie „Duck Dynasty“ hierzulande ebenso wenig bekannt sein, wie jene Hauptfigur, um deren Vergangenheit es sich hier dreht.

Louisiana in den frühen 1960ern: Phil (Aron von Andrian) musste in der Familie früh Verantwortung übernehmen und trifft auf Kay (Amelia Eve), die er heiratet und mit ihr drei Kinder bekommt. Doch die Ehe gerät ins Wanken, als Phil auf Big Al (Connor Tillman) trifft, der ihn immer wieder zu Alkoholeskapaden überredet, bis er zum hoffnungslosen Alkoholiker mutiert…

Es ist die weitgehend wahre Geschichte über jenen Entenjäger, der aufgrund der psychisch labilen Mutter und dem Weggang des Vaters keine leichte Kindheit hatte und sich später dem Alkohol hingab. Als Rahmenhandlung dient eine Situation anno 1985, als sich Phil und Big Al in einem Verschlag befinden und auf Entenschwärme warten, während Phil von seiner Vergangenheit berichtet. Dies geschieht auf eine anschauliche, beinahe angenehm altmodische Weise, die einem die wesentlichen Figuren und ihre Befindlichkeiten schnörkellos nahe bringt.

Abgesehen von der Atmosphäre in den Sumpfgebieten Louisianas ist man bei jenen Figuren und ihren kleinen und größer werdenden Problemen, bis hin zum Alkohol, der die Familie zu zerreißen droht. Es ist allerdings auch eine Story, die es in ähnlicher Form bereits tausendfach gab und bei der, bis auf diesen später bekannt gewordenen Entenmann jegliches Alleinstellungsmerkmal fehlt. Die Dinge verlaufen erahnbar, der Verfall scheint unaufhaltsam, bis schließlich so etwas wie eine Erlösung in Form des Glaubens an Gott und Jesus einsetzt.

Derart christlich angehauchte Botschaften wirken in solchen Zusammenhängen oftmals wie eine Generallösung, die es sich ein wenig zu einfach macht. Auch hier wird die Wandlung nach nur einem entscheidenden Gespräch vollzogen, was niemals funktioniert, wenn der Alkohol bereits die komplette Kontrolle über den Alltag übernommen hat. Jedoch mag der Glaube inspirierend für manche Menschen sein und soll an dieser Stelle auch nicht über Gebühr infrage gestellt werden, zumal es weitaus weniger positive Lösungen gibt.

Insgesamt gehen die Performances in Ordnung, die Ausstattung (insbesondere der späten 50er) ist gelungen und auch der Score findet stets die richtigen Töne, obgleich die Violine zuweilen etwas zu sehr ins Rührselige abdriftet.
Die Geschichte bleibt hingegen austauschbar und wirkt beinahe ein wenig trivial, sie wird allerdings ohne Durchhänger recht bodenständig vorgetragen und weiß aufgrund der gelungenen Figurenzeichnungen Interesse zu entfachen. Die leicht bekehrende Note im letzten Drittel dürfte bei gläubigen Menschen wahrscheinlich gar nicht so bitter aufstoßen, als bei jenen, die etwas mehr hinterfragen.
6 von 10

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