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Als Glücksfall zumindest für die Klientel des modernen Actionthrillers hat die sich normalerweise auf Fernsehserien spezialisierende Television Broadcasts Limited bei ihren phasenweise Bemühungen der Produktion von Telemovies auch oftmals genau auf dieses eine Genre gestürzt und konzentriert. Neben vermehrt Johnnie To als treibende Kraft ist vor allem Chow Wah-Yu, ehemaliger Asia Television Produzent mit Vertretern wie Handcuff Me, Brother (1989), einem Heroic Bloodshed Drama, oder On the Run (1994) und Double or Nothing (1994) als Initiator bzw. Umsetzer der Vorgaben des Fernsehsenders und hier, im selben Jahr auch gehalten im Exempel mit einer durchaus namhaften Besetzung an Darstellern zu registrieren:

Die drei Frauen Joy [ Alvina Kong ], Nam Nam [ Lee Kwai-Ying ] und Dan [ Kara Hui ] sind für die Independent Commission Against Corruption (ICAC) tätig, und ermitteln derzeit in einem Fall von Wettbetrug beim Pferderennen, wozu sie die Kooperation des Trainers Ma Jun [ Eddie Kwan ] benötigen, der sich eher quer stellt. Als der Besitzer des Gestüts, Cheuk Wai [ Kenneth Chan ] aufgrund der Anschuldigungen schwere Geschütze auffahren lässt, wird auch Joys Freund [ Joe Ma ], ein Polizist des Criminal Investigation Department (CID) involviert.

Motorrad- und Autostunts im Vorspann, viele Schießerei, ein Girls with Guns - Film wird prophezeit, Fighting Femme, sogar mit Kara Hui in der Hauptrolle, also einer der Stammbesetzung des Subgenres, gerade Ende der Achtziger Jahre für etwa eine halbe Dekade. Die In the Line of Duty - Reihe und die der Iron Angels haben damit begonnen, es wurde für einen Zeitraum fleißig fortgeführt, die Filme vor allem auch im westlichen Raum deutlich Anklang gefunden und auch heutzutage des öfters neu aufgelegt. EIn Damentrio steht hier im Vordergrund, junge Frauen im Kampf gegen das Verbrechen, gegen die Männergesellschaft, erst scheinbar gegeneinander auch, muss sich erst kennengelernt werden und angefreundet, das geht am besten gegen den gemeinsamen Feind. Ein Motorradunfall wird angetäuscht, ein Ablenkungsmanöver, die Herren der Gesellschaft fallen prompt herein, "ICAC!" wird ausgerufen und die Dienstmarke gezückt, reagiert wird mit Flucht und mit dem Sprechen der Pistolen.

Letztere melden sich noch häufiger zu Wort, werden aber auch Autostunts geboten und Geld in die Produktion gesteckt, wird ab und zu auch mal geklotzt statt nur gekleckert, der Beginn erinnert eher an etwas wie Princess Madam a.k.a. Under Police Protection a.k.a. Iron Angels 4, eine Hatz auf den Straßen, wird mit Tempo und Schnelligkeit agiert. Eine mehrteilige Jagd über den Asphalt und die Wiesen, auch etwas Kampfkunst, leicht grob arrangiert. Reine Frauenlastige Produktionen waren bei TVB damals noch selten, es gab die Angels of Mission später, es gibt hier auch Männer in der Besetzung, als Ergänzung, die sind mit Eddie Kwan, Kenneth Chan und Joe Ma im Nachhinein fast prominenter. Ein Geschehen mitten in der Gesellschaft diesmal auch, auf der Trabrennbann, beim Pferderennen, bei den Sportwetten, zwei Gewinner und viele Verlierer.

Bewegt wird sich hier zahlreich, viele Szenenwechsel, neue Schauplätze, Kommunikation und Interaktion, zwischendurch fallen die Geldscheine vom Himmel. Mit Tempo beginnt man, mit einer Observation und einem Verhör geht es weiter, eine frontale Erzählung. Hui und Kwan und Ma sind heute immer noch beim Fernsehsender, die Erste als Besonderheit, da zwischendurch und vorne her auch im Kino vertreten, Kwan eher als seltener Nebendarsteller, Ma als eine der Hauptattraktionen, oft in der Führungsrolle, hier noch im Nebenher. In der Optik hier etwas heller als sonst, nicht so dunkel und im Dämmerschein gehalten, eine Aktivität im Büro und bei den Ermittlungen. Szenen sind oft voller gehalten, ein halbes Dutzend Personen miteinander im Gespräch und im Alltag, beruflich wie privat, man kennt Land und Leute, man trifft sich untereinander, im Kollegentum, in den Familien und im Freundeskreis.

Die Dialoge wirken etwas reichhaltig und aufgedreht, sie werden aber oft durch die aktive Arbeit unterbrochen, unterschiedliche Polizeiorganisationen, es werkelt auch die CID. Kompetenzstreitigkeiten sind kurz die Folge, das Problem der Rangordnung, der Zuständigkeit, der Bürokratie und der Hierarchie. Es wird auch in der Öffentlichkeit gedreht, Heiratsanträge beim Einkaufsbummel, vorher Restaurantbesuche oder das Vorfahren vor edlen und zentralen Hochhäusern. Kleinere und größere Einsätze, plötzliche Ausbrüche von Brutalität, ein Golfschläger als gefährliche Waffe benutzt, erst als Schlaginstrument benutzt, dann in den Rachen des armen Gesellen gestopft.

Ein Blick auf die Zustände auch, den anhaltenden Geschlechterkrieg, ein Zeugenschutzprogramm für Jemand Agressiven und Unkooperativen, der sich eine Bettmätresse nach der anderen in sein 'Safehouse' holt und auch die Beschützerinnen fleißig bis aufdringlich angräbt. Versuchte Mordanschläge vor dem Hotel, Gestreite auf dem Seitenstreifen, Pressekonferenzen auf Gestüten, mal urban und mal im Grün, an der frischen Luft, raus aus dem Smog. Darstellerisch ist das recht ausdrücklich gehalten, es wird mehr Energie verlangt, mehr Impulsivität, Gefühlsausbrüche, Female Rage, dazu diverse Razzien, die Stürmung eines Lagerhauses, die Störung eines Drogendeals, eine bleihaltige Auseinandersetzung, etwas kurz in der Ausgestaltung, aber immerhin.

Drama und 'Romance Action' ist natürlich auch vorhanden, das Sitzen zwischen zwei Stühlen, von den Gefühlen, dann ein Krankheitsfall, eine Bootsexplosion, ein zweirädriges Killerommando wie bei The Last Blood, rein in die Unterführung, raus aus der Unterführung, Karosserien dellen ein, Fenster splittern. Abschiede werden genommen, Trennungen passieren, das Leben geht für die Einen weiter, für die Anderen nicht, eine Tragödie bahnt sich an, es wird auf der Klaviatur gespielt, ein blutiges Massaker im Krankenhaus, später dann viel Selbstjustiz.

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