Mal gut, dass die Invasoren, die überempfindlich auf jedes Geräusch reagieren, nicht während der diesjährigen Fußball-EM aufgekreuzt sind, - 50.000 Leute mal so eben weggeputzt. Die Vorgeschichte zum Überraschungserfolg „A Quiet Place“ war im Zuge der Entwicklung eine beinahe zwangsläufige Angelegenheit, bei der die Effekte und der apokalyptische Zustand eine zentralere Rolle spielen als bisher.
Sam (Lupita Nyong'o) wohnt in einem Hospiz und ist unheilbar krank. Als sie und einige Patienten von einem Ausflug nach New York zurückfahren wollen, bricht ein Inferno los, in dessen Zentrum fremdartige Kreaturen stehen, die auf laute Geräusche reagieren. Sam und ihr Begleiter, Kater Frodo müssen sich mucksmäuschenstill verhalten, was in den Trümmern der Metropole gar nicht so einfach ist…
Es ist die dritte Ausgabe des stillen Ortes, der in New York im Normalfall alles andere als still ist, zumal sie laut einem bekannten Song auch niemals schläft. Inmitten der Invasion gleicht es jedoch einem Trümmerfeld als Blitze einschlagen, Autos durch die Luft fliegen und Brücken einstürzen. Speziell im ersten Drittel fliegen sprichwörtlich die Fetzen und eine Endzeitstimmung macht sich breit, die nachfolgend auch einige in mehrfacher Hinsicht stille Momente beinhaltet.
Über die Wunderkatze, die sich ziemlich untypisch wie ein Rettungshund verhält, lässt sich zwar streiten, doch sie wertet das Treiben natürlich deutlich auf. Etwaige Weggefährten sind indes rar gesät (Djimon Hounsou, Joseph Quinn) und so richtig will der emotionale Funke hier nicht überspringen, obgleich es einige ganz süße Szenen (Marionettentheater, Kartentrick vor imaginärem Publikum) gibt. Manchmal reichen Mimik und kurze Notizen eben nicht aus, um zu einer komplexen Figurenzeichnung zu gelangen. Wobei eine Nyong'o wie immer in allen Belangen überzeugen kann.
Dies gilt auch für die Gestaltung der extraterrestrischen Angreifer, die einmal mehr blitzschnell unterwegs sind und leider kaum für explizites Blutvergießen sorgen. Immerhin gibt es einige Berührungspunkte, bei denen die Luft angehalten werden muss, wogegen es befreiend sein kann, einen Donnerschlag abzupassen, um mal wieder kurz schreien zu können.
Selbst das Öffnen einer Konservendose kann lebensgefährlich werden und man kann froh sein, dass die Wunderkatze nie miaut (aber immerhin schnurrt).
Im finalen Akt geht dem Treiben und damit der Action ein wenig die Luft aus, man greift zu einigen sentimentalen Einschüben, die knapp den Bereich des Kitsches streifen. Allerdings punkten nach wie vor die stark gestalteten Sets und auch der Score wurde grundsolide arrangiert. Spannung und auch ein wenig Nervenkitzel sind durchaus vorhanden, die Geschichte überzeugt im Vergleich zum Erstling allerdings nur bedingt.
6,5 von 10