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Die junge Elphaba hat es nicht leicht. Aufgrund ihrer grünen Hautfarbe gehänselt und gemieden, landet sie mit ihrer Schwester Nessarose an der Shiz University, an der sie wegen ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten für Aufsehen sorgt. Während ihrer Zeit an der Uni entdeckt sie jedoch Dinge, die sie einen eigenen Weg einschlagen lassen.

Die von John M. Chu inszenierte Verfilmung basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigen Musical, welches wiederum auf dem Roman „Wicked. The Life and Times of the Wicked Witch of the West" von Gregory Maguire basiert. Dieser ist zwar eine Art Vorgeschichte zu dem von L. Frank Baum erdachten Originalroman, nimmt aber auch einige Veränderungen vor. Wie das mit der bekannten Verfilmung „The Wizard of Oz“ von 1939 zusammenpasst mag man sich da fragen. Ging mir zumindest so und daher musste ich hier schon ein paar mal schlucken. Denn auch in der Verfilmung mit Judy Garland gab es schon diese grünhäutige, schurkische Hexe. Und jetzt (bzw. schon durch Maguires Buch und das Musical) hat sie eine Vorgeschichte, ist ja gar nicht so böse und so drehen sich einige Charakterzeichnungen ziemlich um. Man kann darüber streiten ob es das gebraucht hat, vielleicht geht in der kommenden Fortsetzung dies und das noch in eine andere Richtung. Ich kann erst einmal nur von diesem ersten Teil ausgehen, in welchem aber schon einiges wenig subtil angedeutet wird (Rolle des Wizard of Oz oder das Thema Wasser).

Für die Länge, die das hier einnimmt, erzählt das Ganze dann insgesamt etwas wenig. Die Themen Diskriminierung und Akzeptanz schweben über allem und geben ja auch einen guten Stoff für die Geschichte ab. Dazu das Zueinanderfinden von Freundinnen und einen reingestopften Part um sprechende Tiere. Oft aber verkommt das hier zu einem teilweisen Abarbeiten von Herleitungen, wenn mal wieder erklärt wird, warum man etwas aus früheren Werken kennt. Klar, ist eine Vorgeschichte, da ist das so. Aber hier wirkt der Weg dahin nicht immer organisch entwickelt und eskaliert am Ende dann völlig überzogen. Und dafür, dass nicht wenig Zeit an der Uni verbracht wird, lernen die Leute dort gerade mal gar nichts.

Immerhin sieht das Ganze hübsch aus, wobei sich auch hier Fragen auftun. Alles wirkt farbenfroh designt und ausgestattet, nur damit dann durch Farbkorrektur und Erweiterungen aus dem Rechner wieder mehr Künstlichkeit ins Bild gerückt wird. Das konterkariert die real geschaffenen Sets. Masken und Kostüme sind phantasievoll und gekonnt gestaltet, die Klamotten scheinen aber immer gerade aus der Frischhaltefolie entnommen. Immer wieder wirkt das klinisch keimfrei, nichts davon wird wirklich getragen. Und sieht „Wicked“ auch insgesamt hübsch aus, das Gefühl von Plastik kommt immer wieder auf. Auch wegen des ganzen unumgänglichen CGI.

Wenig Kritik gibt es für die Songs. Die blieben mir nach einmaligem Hören zwar nicht im Ohr, waren aber gefällig und mit gelungenen Melodien ausgestattet. Dazu noch gekonnt vorgetragen, insbesondere Cynthia Erivo und Ariana Grande glänzen mit ihrem Spiel und ihren Stimmen. Letzteres trifft nicht auf alle zu (wozu gibt es Auto-Tune? Anm. d. Red.).

„I don‘t cause commotions, I am one.“

Klingt überwiegend negativ und dennoch fand ich „Wicked“ nicht schlecht. Die Figurenzeichnung will sich mir (noch?) nicht erschließen, die klinisch-knitterfreie Optik hat mir öfter nicht zugesagt und man spürt die Länge des Werks irgendwann auch, aber insgesamt ist dieser erste Teil des verfilmten Musicals eine unterhaltsame und bunte Angelegenheit mit oft gelungenen Songs und zwei starken Hauptdarstellerinnen. Es bleibt die Frage, was Teil zwei erzählerisch dem noch hinzufügt, ob sich dadurch ein runderes Gesamtbild ergibt und man sich Baums Originalwerk und/oder der 1939er-Verfilmung noch annähern wird.

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