Review

Eher Schnecke als Blitz

„Blitz“ von Oscsrpreisträger Steve McQueen erzählt von einem kleinen Jungen, der während der deutschen Bombardierung Englands eigentlich, wie viele tausende andere Kinder, aus der Gefahrenzone evakuiert werden soll. Doch auf halbem Weg hüpft er aus dem Zug und macht sich auf zurück zu seiner Familie - wobei ihm nicht nur einiges in Sachen Verlust, Tod und Krieg klar wird, sondern auch durch seine Abstammung, Hautfarbe und auch auf der Insel vorherrschenden Rassismus…

Gänseblümchen auf dem Felde

Es gibt kaum eine Apple-Produktion, die nicht gut aussieht. Und wenn dann ein McQueen Hand anlegen und fast ohne Budgetbegrenzung loslegen darf, dann ist es klar wie Kloßbrühe, dass „Blitz“ schnieke aussieht und bombastisch klingt, ein paar mächtige (Kriegs- und Katastrophenfilm-)Setpieces hat. Und zudem mit Saoirse Ronan meine momentane Lieblingsschauspielerin und eine der besten ihres Fachs, ihrer Generation. Dazu dann Kinder in tödlicher Gefahr und Einflüsse von Spielberg über Tarkovsky bis Fellini, ein ungewöhnlicher Blickwinkel auf den Krieg und McQueens unumgängliche, schweren, menschlichen und fast ausschließlich dunkelhäutigen Ankerpunkte. Doch irgendwie geht diese Rezeptur hier für mich nicht auf. Und das tut im Herzen weh. Aber mich hat „Blitz“ kalt gelassen und er wird meiner Meinung nach ähnlich schnell vergessen werden, wie ein „Greyhound“ mit Tom Hanks ebenfalls bei Apple. Und das haben eigentlich weder das Szenario noch die Themen oder McQueen verdient. Aber diese ausbleibende Wirkung auf mich lässt sich nicht leugnen. Irgendwie stimmen Pacing und Auswahl der „schockierenderen“ Momente nicht. Irgendwie wirkt das wie eine teure, klischeehafte Nummernrevue. Mit den falschen Druckpunkten, mit ärgerlichen Fakeouts und Auslassungen, mit einer seltsam schrägen Philosophie und Sensibilitäten, die ins Leere laufen. Bei mir zumindest. Und erst recht wenn man vergleicht, was für ein Denkmal Nolan der Evakuierung von Dünkirchen gesetzt hat. Dagegen wirkt „Blitz“ vergänglich und schwächlich. Und selbst Soarsie Ronans Rolle fordert sie kaum. Etliche Andeutungen, Möglichkeiten und Nebenstränge verlaufen im Sande. Und McQueen findet immer wieder neue Ansätze und Ankerpunkte, die meine Erwartungen negativ unterlaufen und mich, wie gesagt, null berühren. Es wirkt aufgesetzt, man muss es einfach sagen. Selbst wenn es selten kitschig oder wirklich schlecht wird. Aber es verpufft viel zu oft. 

Fazit: die britische Seite der Blitzbombardierung hat das Zeug zu einer der packendsten Kriegsgeschichten überhaupt. Doch McQueens „Blitz“ wird diesen Möglichkeiten und diesem Erbe, dieser Verantwortung und dieser Tragweite leider nicht gerecht. Der falsche Mann am richtigen Projekt. Obwohl „Blitz“ sehr hochwertig, hübsch und wertvoll aussieht. Ein paar ehrenwerte Absichten hat. Und ich Saoirse immer liebend gerne sehe. Aber hier passt's einfach nicht. 

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