Beverly Hills Cop: Axel F
40 Jahre nach seinem ersten Auftritt tauscht Schnodderschnauze Eddie Murphy aka Axel Foley zum vierten Mal das triste Detroit gegen das glitzernde Beverly Hills und überzieht die dortige Unterwelt mit einem Sperrfeuer aus Wort- und Kugelhagel. Ein überraschend launiger Retrotrip, der mit unaufgeregter Lässigkeit und pointierter Nostalgie-Quote punktet.
Was wäre das für ein Showdown am Box Office geworden. 80er gegen 90er. Revolverschnauze gegen Zankäpfel. Axel Foley gegen Marcus Burnett und Mike Lowrey. Ein Duell der Hyperaktiven, frei nach dem Motto: zuerst Quasselsalven, dann Kugelhagel. Zu gern hätten wir den Beverly Hills Cop aus Detroit und die Bad Boys aus Miami im direkten Leinwandduell gesehen. Sei´s drum, Streamingriese Netflix hatte andere Pläne. Und die sind nur allzu verständlich. Satte 150 Millionen lies man sich die durchaus riskante Wiederbelebung eines der kultigsten Action-Franchises der Filmgeschichte kosten. Riskant, weil der dritte und letzte Teil nicht nur 30 Jahre zurück lag, sondern auch gnadenlos abschmierte. Eine exklusive Auswertung auf der hauseigenen Plattform reduziert nicht nur die oftmals horrenden Marketingkosten, sondern erhöht auch die eigene Attraktivität im immer stärker umkämpften Streaming-Markt. Und mal ganz ehrlich, die Fans der ersten Stunden, also die Teens und Twens von 1984 und 1987, bilden nicht gerade die Speerspitze des aktuellen Kinopublikums. Die Leinwand-Helden der Jugend per Knopfdruck zu erleben, ist da weit mehr wohlige Routine als böse Miene.
Wohlfühlatmosphäre und Nostalgie-Trigger
Überhaupt ist „wohlig“ das Stichwort. „Beverly Hills Cop: Axel F“ hat das Heimelige, das Behagliche geradezu gepachtet. Unabhängig von seiner insgesamten Qualität eine durchaus beachtliche Leistung, denn egal ob Geister-, Replikanten- oder John Connor-Jäger, ganz zu schweigen von dem nach verlorenen Schätzen, allesamt waren sie an der unerbittlichen Nostalgiewand zerschellt. „Axel F“ dagegen kopiert schamlos den Auftakt des ersten Films und kommt damit durch. Eine Masche, die schon beim Überhit "Top Gun: Maverick" so simpel wie effektiv war. Und so cruist der stadbekannte Gesetzeshüter im hellblauen 1970er Chevy Nova zum Glenn Frey Song „The Heat is on“ durch die wenig einladenden Straßen von Detroit und triple-triggert damit gleich mal das 1984er Original. In der Folge wächst sich Axel Foleys Riecher erneut zu einer wahren Karambolagen-Orgie aus, die weder bei der Stadtverwaltung noch bei seinem Polizeichef auf sonderlich viel Gegenliebe stößt. Diese ebenso schamlose wie charmante Retro-Offensive endet erst mit dem Schauplatzwechsel nach Kalifornien, beziehungsweise bekommt ab da einen moderneren Look verpasst.
Warum ausgerechnet eine nicht sonderlich clever geplottete Action-Komödie vielen Nostalgie-Trips der vergangenen Jahre die Rücklichter zeigt, ist einigermaßen verblüffend. Auf dem Papier liest sich das alles wenig aufregend, ja sogar anbiedernd und uninspiriert. Man nehme einen 64-jährigen Ex-Superstar, stecke ihn in Look und Szenario seines größten Hits, grabe dazu eine Handvoll völlig in der Versenkung verschwundener Nebendarsteller aus und variiere alle 20 Minuten die berühmtesten Szenen und Gags des Originals. Kalter Kaffee ist noch einer der freundlicheren Redensarten, die einem hier spontan in den Sinn kommen. Die Erklärung ist recht simple und heißt Eddie Murphy.
Wenn der ehemalige Stand-up-Comedian mit Football College-Jacke und Adidas-Sneakern die Bühne betritt, ist die alte Magie sofort wieder da. Dass er sehr gut gealtert ist und den unnachahmlichen Mix aus schalkhaftem und scharfem Humor nach wie vor auf Knopfdruck beherrscht, hilft dabei enorm. Und so kalauert und frotzelt sich Murphy wie eh und je durch Jet-Set-Society und Gangster-Sumpf als hätte es nie einen lausigen dritten Film und schon gar nicht eine 30-jährige Pause gegeben. Da verzeiht man auch gerne den wenig wendungsreichen Krimiplot um einen korrupten Polizisten sowie das zuweilen etwas gemächliche Tempo, zumal auch das ikonische Original nicht gänzlich frei davon war.
Kontinuität und Qualität vor und hinter der Kamera
Ein Vorteil ist auch, dass Murphy nicht die ganze Last der Wiederbelebung auferlegt wird. Angesichts der dünnen Geschichte und der lediglich als nostalgische Sidekicks funktionierenden alten Mitstreiter, bekommt Murphy drei gestandene Kollegen an die Seite. So löst er den Fall hauptsächlich mit Joseph Gordon-Levitt und Taylor Paige. Während Levitt als zupackender Detective Bobby Abbott die doch deutlich in die Jahre gekommen Taggert (John Ashton) und Rosewood (Judge Reinhold) ersetzt, sorgt Paige als Foleys entfremdete Tochter Jane für die wenigen, aber keineswegs unpassenden emotionalen Momente des Films. 80er-Legende Kevin Bacon („Footlosse“) schließlich bringt das nötige Charisma mit, um dem Antagonisten Captain Grant bei vergleichsweise geringer Screentime ausreichend Profilschärfe zu verpassen.
Kontinuität und Qualität regiert auch hinter der Kamera. Für das Gesamtprodukt zeichnet keine Geringerer als Produzenten-Urgestein Jerry Bruckheimer verantwortlich. Auf sein Konto gingen nicht nur die ersten beiden Beverly Hills Cop-Streifen, sondern auch Blockbuster wie „Top Gun“, „The Rock“ oder die „Pirates of the Caribbean“-Serie. Unter seiner Regide war nicht alles Gold, aber fast alles „bold“, im Sinne von mutig, schwungvoll, kräftig. Die Actionszenen in „Axel F“ machen da keine Ausnahme. Die Trademarks der Reihe finden sich auch hier: Massenkarambolagen mit massiven Blechschäden, Verfolgungsjagden per Pedes und allen möglichen Fortbewegungsmitteln sowie bleihaltige Schießereien mit hoher Frequenz. Ja, weder James Bond, noch Ethan Hunt, noch Michael Bay sind hier die Messlatte, aber schon der 84er-Hit hatte andere Stärken als bahnbrechende Action-Eruptionen. Werbefilmer und Regienovize Mark Molley hatte für diese Sequenzen sicher eine kompetente Second Unit an der Seite, aber sein Auge für pointiertes optisches Erzählen passt sehr gut zu den visuellen Handschrift des Franchise.
Und so schließt sich der Kreis. „Beverly Hills Cop: Axel F“ ist vor allem eine sinnliche Erfahrung, eine audiovisuelle Wohlfühl-Oase. Look, Ton und Charme werden geschickt kopiert, sanft modernisiert und schließlich wohl temperiert auf den geneigten Nostalgiker oder den neugierigen Skeptiker los gelassen. Das gilt überdies für Plot, Personal, Humor und sogar die verwendeten Pop-Songs. Die bösen Jungs aus Miami hätten sich jedenfalls warm anziehen müssen um dem Kalifornien-affinen Cop aus Detroit einzuheizen, und das keineswegs, weil es dort so kalt ist.
Axel Foleys Rückkehr ist weder Sensation noch Implosion, vielmehr entspannte Rezension. Hier wird kein Genre neu erfunden, sondern ein Phänomen neu beleuchtet. Am augenscheinlichsten ist das beim berühmten Titelthema von Harold Faltermeyer. Filmkomponist Lorne Balfe hatte schon beim größten Retro-Hit („Top Gun: Maverick“) der vergangenen Jahrzehnte seine Finger im Spiel. Für „Beverly Hills Cop 4“ unterzog er Faltermeyers Synthpop-Klassiker einer Frischzellenkur und lies ihn in verschiedensten Versionen und Tempi immer wieder gewissermaßen aus dem Score heraus tönen. Nicht umsonst heißt der neue Film wie der alte Song: Axel F.