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Ich lös den Fall mit Falten und alter Garde


Wer kennt und liebt sie nicht, die alten Copstreifen von Eddie Murphy? Und nicht nur die begeisterten bis heute Generationen von Zuschauern. Klar, bei der Mischung aus guter gefestigter Action und Buddy Komödie mit losem Schnaddermundwerk des Stand up Comedian aus New York. Nicht nur die BHC- Reihe machte ihn populär; es folgten Klassiker wie "The Golden Child". Und zuvor absolvierte Eddie in spe die Kultfilme "Nur 48 Stunden" sowie "Die Glücksritter". Unvergessenes Leinwandspektakel at it's best. Sein Goldenes Hoch endete schliesslich spätestens Anfang der 2000er, als nur schale Kost folgte. Der Humor war nicht mehr so gegeben, Murphy wurde älter und beschaulicher. Doch nun folgte die Knüllernachricht, auf die viele Fans warteten: Ein vierter Cop aus Beverly Hills muss her. Und das satte 30 Jahre später nach dem dritten Streich. Diesem Produkt nahm sich die Simpson / Bruckheimer Schmiede an und auch der Massenstreamingsender Netflix wollte damit prahlen und stieg mit ein an Bord; Yeah, wir können grosses Kino! Der Clou sollte nicht weniger wie 150 Millionen Dollar kosten. Ob sich das wieder einspielen lässt? Das wird man gewiss bald sehen. Als Regisseur berief man Mark Molloy, der bis dato nicht so viel von sich hören liess. Man darf auch das Ergebnis gespannt sein.

Axel Foley, noch im Dienste der Polizei in Detroit, erfährt das sein Freund ermordet wurde. Er begibt sich also auf Spurensuche in das ihm bereits bekannte Beverly Hills um über die Tatumstände sowie die Mörder alles herauszubekommen. Dabei stehen ihm seine alten Weggefährten von damals, Billy Rosewood und inzwischen zum Captain beförderte John Taggart zur Seite. Ausserdem erhält er zunächst Hilfe, von seiner von ihm abgekapselten Tochter, die Anwältin ist und in dem Fall viel näher involviert ist, als allen Recht ist. Die Spurensuche führt bis in die exquisitesten Kreise der Polizei.

Der erste Teil unumstritten Kult. Der Rest der folgte, eher quälend, aber trotzdem unterhaltsam. Teil 4 wollte einiges mehr richtigstellen und liess es beim alten Muster. Grösstenteils könnte man sagen, das dies wohl gelungen wäre. So wurden die komplette Hauptsippe der vergangenen Dekaden zusammengefunden, wenn auch schon ziemlich in die Jahre gekommen. Das Alter merkt man den Schauspielern leider auch sichtlich an; wäre es sinnvoller gewesen, diese Fortsetzung ein paar Jahre früher zu drehen, was sich produktionstechnisch nie realisieren liess. Das Endprodukt kann sich trotz des fortgeschrittenen Alters der Stars sehen lassen. Die Story ist im üblichen BHC Strickmuster aufgebaut, viele Bausteine wurden wieder miteinbezogen, mal hier etwas umgefeilt, aber im Grossen und Ganzen mit den selben Stilmitteln benetzt, was nicht immer schlecht sein muss. Leider kommt Sprücheklopfer Eddie nur langsam in die Pushen; sein loses Mundwerk etwas sperriger, die alte deutsche Synchro von Randolf Kronberg fehlt schmerzlich. Mit Dennis Schmidt-Foß liess sich zwar ein ähnlicher Kandidat finden, der Kronberg das Wasser nie abgraben kann. Somit geht ein Großteil des berühmt berüchtigten Humors des Kultdarstellers leider flöten, was aber durch handgefertigte Action und Verfolgungsjagden wieder wett gemacht werden dürfte und auch so mangelt es nicht an Unterhaltung. Neue Top Stars reihen sich mit ein; neben Kevin Bacon geben sich hier Joseph Gordon-Levitt und Paul Reiser die Klinke. Ebenso in kleinen Rollen fungieren Luis Guzman und Altstar Christopher McDonald.

Leider wirkt der alte Soundtrack der Originale hier zu aufgesetzt und penetrant eingeschoben. Ein neuer Klang, neue Stücke im 80er Style hätten, so finde ich, besser getan, als die alten Hits abzuändern. Das wirkt wie Balsam auf die Nostalgieseele, aber neue Besen kehren bekanntlich besser; vor allem wenn der Main Theme Faltermeyers in allen vorangegangenen Serienteilen verwendet wurde, wird' s recht eintönig. Neben aufgewärmten Filmsongs werden müde Sprüche vom Stapel abgelassen, die Abwetzungserscheinungen aufweisen. Das gute daran: Bei der hohen Dichte von Sprüchegagsquantität, sind auch so manche Witze dabei, die zünden. Auch bekannte Stilmittel wie das "Watch out of Car and enjoy the company" sind mit von der Partie. Charaktere, die damals im Mittelpunkt standen, sind zu Randfiguren abgedriftet, allen voran Judge Reinhold, dem nicht viel Spielzeit eingeräumt wurde. Da hatte der Partner John Ashton mehr Glück und konnte sein witziges Talent im Alter noch mal zum besten geben.

Auch wenn Foley in alter Manier sich durch den Fall schnüffelt, wird nebenher noch eine Tochter-Vater Eskapade miteingespannt, um Foley menschlicher darzustellen und dem Plot zusätzlichen Pfeffer zu geben. Das Finale dürfte auch ziemlich an jenes des Originals erinnern, auch die Lokalitäten weisen ähnlichen Charakter auf. Nicht zu vergessen, die tollen Shootouts, die man immer wieder gerne sieht.

Der neueste Eddie Murphy Streich ist nicht der schlechteste unter seinen 2000er Filmen, bringt gewissen frischen Wind in das Nostalgiegeprägte Revival. Auch wenn das Buddie Actionkomödienkonzept etwas altbacken und leicht verändert daherkommt und auch das Rad nicht neu erfindet, vermag der Netflix-Streifen in hoher Kinoqualität zu unterhalten, bietet eine Menge Altstars, sowie eine interessante Geschichte und schlagfertige, wenn auch teilweise rohrkrepierende Sprüche. Teil 5 ist bereits in Überlegung. Nicht schlecht, aber Eddie's Glanzzeiten sind halt nunmal vorbei, das muss man hinnehmen, ob' s einem schmeckt oder nicht!


Ist die ab 16 Freigabe gerechtfertigt? Ja, blutige Shootouts und Kopfschüsse werden schon eindeutig dargestellt!

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