Wie man aus wenig nichts machen kann, das beherrschen zu viele Filmemacher - aus wenig jedoch eine Menge zaubern, können nur gute Köche.
Wer in den seligen Spätachtziger bis Frühneunzigern, als die kleinen Sender sich noch ungehemmt aus dem unendlichen Filmfundus bedienen konnten, wollten und mußten, mal Kabel1 oder SAT1 geschaut hat, könnte dabei mal über den fast vergessenen englischen Film "Hypno" gestolpert sein und ebenso begeistert gewesen sein wie der Autor selbst.
Er war, für die Verhältnisse, hochqualitativ genug, um im Gedächtnis zu bleiben, obwohl seit 15 Jahren im Free-TV Ebbe herrscht und eine DVD aus eben diesen Gründen nicht in Sicht ist. Also her mit einer britischen DVD, dessen Originaltitel "Night of the Eagle" der Sache auch näher kommt, als der deutsche Aushilfsname.
Regisseur Sidney Hayers hat in seiner langen Karriere immer ein Händchen für leichtverdauliche Ware gehabt und ungemein für den Publikumsgeschmack inszeniert und auch wenn er keine Regielegende ist, so wußte er doch stets, was er tut (wer mal eine wirklich knackebunte CV sehen will, spähe mal in die imdb, denn der tätige Mann war u.a. für The Avenger, Die 2, Fünf Freunde, Colt Seavers, Magnum, Remington Steele, Knight Rider, A-Team, Agentin mit Herz und Baywatch am Werk!). Und hier haben ihm ein paar ungemein talentierte Leute eine perfekte Blaupause für vergnügliche 83 Minuten geliefert: einerseits stammt die Originalstory nämlich von Fritz Leiber jr., einem mehr als bekannten Fantasy- und Horrorautoren), andererseits ist das Skript von Charles Beaumont (berühmt für viele Twilight Zone-Beiträge) und Richard Matheson (Duell, Der Omega-Mann, Echoes, Hell House, ebenfalls Twilight Zone), die Leute wußten also, was sie tun.
"Night of the Eagle" hatte kein großes Budget, das kann man an allen Ecken und Enden sehen, aber selbst mit wenigen Schauplätzen holt der Film das Maximum aus der Geschichte von dem aufgeklärten und überrealistischen Uni-Prof Norman Taylor, der in seinen Vorlesungen stets das Übernatürliche plättet, während daheim seine Gattin Tansy in allen Ecken und Winkeln Amulette und Zaubermittelchen versteckt, mit denen sie a) seine Karriere fördert und b) ihn vor dem Mißfallen der übrigen Lehrer inclusive Angestellter beschützt. Als er das spitz kriegt, verbrennt er natürlich alles und prompt fliegt fünf Minuten später die Scheiße in den Ventilator.
Hier wird auf den Punkt geskriptet und keine Zeit verloren, für die Grundkonstellation (Figuren, Lebensumstände, Kollegen) genügen einige Minuten und über allem hängt düster die Armee von Adlerstatuen auf dem Unigelände, die die ungemein geschickte Kamera mit Hilfe der routiniert dahindramatisierenden Musik von William Alwyn ständig ins Bild rückt. Peter Wyngarde (Department S, Jason King) ist dabei der straighte Everyman, während seine Holde Janet Blair (die sichtlich 12 Jahre älter ist als Wyngarde) praktisch von Szene 1 an auf der Unterlippe kaut, weil gleich der Himmel einstürzen könnte. Prompt gibt es pfundweise düstere Omen und als der Voodookram dann im Kamin gelandet ist, geht der Film auf adretten Vollschub: eine Schülerin behauptet, Taylor hätte ihr Gewalt angetan, ihr Freund geht mit einer Knarre auf sie los, jemand schickt ein Tonband, auf dem offenbar so eine Art Fluch unterlegt ist (den nur seine Frau hören kann), das Licht geht aus und vor der Tür in stürmischer Nacht kreischt ein unbekanntes Monstrum.
Prompt schiebt er alles auf eine Pechsträhne, sie allerdings bietet, ganz treue Ehefrau, ihr Leben gegen seins an, was dann auch dazu führt, daß Mann und Frau wieder zu sich finden, allerdings sollte man sich die Umstände dazu selbst antun, wobei wunderbar atmosphärische Schauwerte ins Spiel kommen: ein einsames Cottage an der Meeresküste, wunderbare Nachtaufnahmen und richtig knackiger Studiofriedhof, von dem sich Hammer noch ein Scheibchen abschneiden kann.
Das Finale setzt dann da an, wo man es sowieso schon die ganze Zeit lokalisiert hatte, natürlich benutzt hier noch jemand schwarze Magie und das rechtfertigt dann auch den Filmtitel, denn die Adlerstatuen stehen da nicht ohne Grund im Bild rum...
Natürlich ist "Night of the Eagle" kein moderner Reißer, aber er drückt, wenn man ein Gefühl für alte Filme hat, ungemein auf die Tube. Keine hintergründigen gesellschaftlichen Metaphern, hier haben wir eine kleine, straighte Story, bei der bemerkenswert ist, daß der Gebrauch von Magie mal nicht das alte Prinzip von Himmel und Hölle im eigentlich-biblischen Sinn bemüht, denn weder gibts richtig Haue aus dem tiefen Inferno, noch kommt irgendwer mal auf die Idee, Schutz in einer Kirche zu suchen oder einen Geistlichen zu penetrieren (verbal natürlich).
Stattdessen köchelt alles langsam, aber druckvoll und dabei noch höchst atmosphärisch, auch in den ruhigen Sequenzen auf den Höhepunkt zu, ohne daß die Figuren bzw. die Dialoge (und davon gibt es, doch doch, so einige) ins Hintertreffen gerieten.
Natürlich war kaum Geld für wirklich gute Special Effects da und wer mit Standbild arbeitet, der sieht natürlich auch, wie ein Trick gemacht wurde, aber wenn am Ende Wyngarde von einem Riesenadler attackiert wird, der auch noch in den Unigängen auf ihn losgeht, dann ist der Effekt schon verdammt verblüffend - und angsteinflößend. Natürlich hat man mit Modellen, Glasscheiben, Trennräumen und Vergrößerungen gearbeitet, aber manchmal funktioniert in solchen Filmen auch ein echter Vogel und die monströsen Adlerschreie sind alle Arbeit wert, hier gehts dann wirklich mal um die Wurst.
Zu loben sind auch die hervorragende SW-Kameraarbeit von Reginald Wyer, der die Sets auf den Punkt genau mit dem Beleuchter bearbeitet hat und so vergessen macht, daß Wyngarde einen recht steifen Helden spielen muß, bis ihm im letzten Drittel dann doch noch die Hosen flattern. Dazu soll erwähnt werden, daß der Film todernst runtergespielt wird, für Albereien bleibt hier keine Zeit, was mein Plädoyer für weniger Ironie in Horrorfilmen nochmal unterstreichen sollte.
Ein richtig schöner, kleiner und fieser und vor allem horribler Film, der mit gerade mal 200.000 Dollar angefertigt wurde (zum Vergleich: der ein Jahr später hergestellte "The Haunting" hatte mehr als das Fünffache zur Verfügung) und beweist, daß man auch mit kleinen Feuersteinen Funken schlagen kann, wenn man sie richtig in Position bringt.
Neben "Night of the Demon" von 1957 eine weitere kleine Perle, die unbedingt hierzulande mal wiederentdeckt werden sollte, während auch noch der letzte Hammer- und Amicus-Schmarrn ein Silberscheibchen zugeteilt bekommt. (8,5/10)