Review

Fake Runner 2069

„Atlas“ ist der neueste Versuch von Netflix uns Jennifer Lopez als brauchbaren Filmstar unterzujubeln. Es kann nicht mehr lange dauern bis zum unumgänglichen, generationübergreifenden Duo-Film J.Lo. / Millie Bobby Brown. Ich weiß nicht, was sich Netflix da einbildet. Jedenfalls wird nun noch mal mehr Geld draufgelegt und „Atlas“ sieht immerhin nicht mehr dauernd wie „James Cameron auf Wish bestellt“ aus - aber er fühlt sich eben immer noch so an… Erzählt wird (oft ziemlich lachhaft) mit mehr als bekannten Versatzstücken aus zehnmal besseren Sci-Fi- und Action-Hits aus einer Zukunft, in der uns künstliche Intelligenz und Roboter den Krieg erklärt haben. Und nun muss J.Lo. als geniales Köpfchen (*hust*) den von der Erde geflohenen Anführer der gefährlichen Cyborgs auf einem weit entfernten Planeten ausfindig machen und zerstören, die meiste Zeit in einem gesprächigen Supermech…

Kopie, teuer wie nie

Ich will nicht lügen, schlecht sieht „Atlas“ nicht durchgängig aus. Kein „Avatar“, aber oft genug definitiv besser als das Meiste z.B. aus dem MCU. Dazu: kann ein Film mit Sterling K. Brown momentan wirklich schlecht sein?! Ich dachte bisher eigentlich nicht. Aber vielleicht muss ich das nochmal überdenken, denn „Atlas“ ist leider nicht mehr als ein teures Plagiatfeuerwerk. Von „Edge of Tomorrow“ über „Terminator“ bis „Transformers“ oder „Pacific Rim“. Man erkennt nicht nur DNA, man erkennt ganze Arme und Beine, Raketenwerfer und Flora. Das sind keine Zitate und Hommagen, das ist pures und billigstes Abpausen und Abschreiben. Ein Retortencocktail. Neid vor Talent. Faulheit vor Kreativität. Etwas besser, allein durch das Setting und die Schauwerte, als der letztjährige „The Mother“. Aber das ist kein Kunstwerk. Das erinnert manchmal auch an eine Zeit, in der Videospielverfilmungen noch nahezu immer Müll und im besten Fall lächerliche Guilty Pleasures waren. Vor 20 Jahren hätte man das auch „Armored Core - Der Film“ nennen können. Im besten Fall Hochglanztrash. Teures Auslachen. Mit klaren Pacingproblemen. Und einem völlig fehlgeleiteten Fokus schon nach ca. 30 Minuten, wo man fast nur noch Jenny From The Block als Jenny in einem Metallblock sieht. Allgemein: Frau Lopez, die das Ding auf ihren Schultern tragen muss, aber nicht eine Minute kann. Mit einem Bösewicht, der viel zu kurz kommt. Und einer spürbar leeren Popcornhülle, die aber viel zu selten wirklich Spaß oder Hunger auf mehr macht. Schon bei größeren Kinoproduktionen wie „Rampage“ bekam's Brad Peyton nie hin, Seele und Spaß unter einen Hut zu bringen und im Gedächtnis zu bleiben, Wiederspielwert zu bieten oder Bleibendes, Neues, Cooles zu kreieren. Und das hier ist dann eben die Streamingversion von sowas - also mit noch weniger Herzblut und Leidenschaft und (sinnvollen) Limits, Anweisungen, Tipps. Selbst mit dem Klencke-Atlas würde dieses blecherne Potpourri nicht den richtigen Weg finden. Ein paar bescheuerte Schauwerte wirken aber immerhin. Und Zack Snyder zeigt ja ebenfalls bei Netflix, dass es auch immer noch schlimmer geht… Kein Trost, aber ein Strohhalm. 

Recycling wie'n Feigling

Fazit: Titan(rein)fall… „Atlas“ stolpert von einem CGI-Gewitter ins nächste, bleibt nur ein plumper Abklatsch seiner Vorbilder und wirkt wie die schlechteste Videospielverfilmung, die gar keine Videospielverfilmung ist. Zone of the VerschwEnders. 

Details