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Bad Boys: Ride or Die

Im vierten Auftritt der bösen Jungs des Miami Police Department geht es entspannt zu. Altersmilde dürfen die bösen Jungs der Gegenseite dennoch nicht erwarten. Auch mit altersbedingten Zipperlein sind die beiden zänkischen Cops nach wie vor bewaffnet und gefährlich.

Das Buddy-Cop-Kino ist tot, es lebe das Buddy-Cop-Kino. So oder ähnlich haben wohl die Macher gedacht, als sie sich 4 Jahre nach dem dritten Teil ("Bad Boys for Live", 2020) eines 29 Jahre alten Originals ("Bad Boys", 1995) für ein weiteres Sequel entschieden. Diese lockere Herangehensweise ist das prägende Merkmal von "Bad Boys: Ride or die", und gleichzeitig sein größtes Pfund. Wo früher das Testosteron die Lässigkeit der beiden Miami-Cops Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) regelmäßig wegspülte, ist es inzwischen genau umgekehrt. Das soll nicht heißen, dass sich die beiden Buddies for life nicht nach bewährter Screwball-Manier weiterhin unentwegt kabbeln und balgen würden. Aber das Thema ist nicht mehr, wer mit wem wie oft kann und will, sondern wer den anderen an altersbedingten Zipperlein und Spleens übertrifft. Und natürlich passiert all das während und zwischen wüsten Schießereien, Prügeleien sowie diversen Highspeed-Verfolgungsjagden.

Seelenverwandtschaft, Panikattacken und Comedy-Kunst

Als geneigter Fan gerät man zwar ob des Gebotenen nicht in Ekstase, aber ein wohliges Mitwippen stellt sich schnell ein. Im Alter will man sich schließlich nicht mehr allzusehr verausgaben. Marcus Burnett ist das beste Beispiel. Die wilde Tanzeinlage auf der Hochzeit seines besten Freundes führt zuerst zur Herzattacke und dann zur Überzeugung unsterblich zu sein. Fortan nervt er Kumpel Mike mit Botschaften aus dem Jenseits und Anekdoten aus der gemeinsamen Seelenverwandtschafts-Historie. Der wiederum erleidet zu den unpassendsten Momenten Panikattacken, die so gar nicht zum Selbstverständnis als viriler Superbulle passen. Dass diese profanen Albernheiten so gut zünden, ist so überraschend wie leicht erklärbar. Will Smith und Martin Lawrence sind noch immer begnadete Komiker mit perfektem Timing. Jeder weiß, wann er sich zurücknehmen muss, um den Anderen glänzen zu lassen und wann er aufdrehen kann, weil der andere Raum dafür lässt. Noch immer spielen sie sich die Bälle wie zwei ausgebuffte Tennisprofis zu, die aber auch mal Applaudieren können, wenn der Gegenüber ein Ass schlägt.

Zu erwarten war das keineswegs gewesen. Smith schien nach seiner Ohrfeigen-Affäre bei den Oscars so gut wie verbrannt und Lawrence ist seit über einem Jahrzehnt in keiner Filmkomödie mehr aufgetreten. „Bad Boys 4“ hatte also unbedingt das Zeug zu einem peinlichen Alterswerk, bei dem die beiden gefallenen Komiker mit ein paar schalen Witzen vor leeren Rängen ihrer ruhmreichen Vergangenheit nachkalauern. Die entspannte Souveränität mit denen die beiden praktisch auf Knopfdruck wieder ihre Paraderollen aufnehmen, fegte solche Befürchtungen allerdings schnell vom Tisch.

Michael Bay-Hommage, Plot-Kolportage und Action-Füllhorn

Die belgischen Regiebrüder Adil El Arbi und Bilall Fallah haben einen nicht unerheblichen Anteil daran. Schon beim dritten Teil wussten die beiden sehr genau, wie man den Bayschen Action-Overkill und das glattpolierte 90er-Flair angemessen entstaubt, ohne sie zu verraten. In „Ride or die“ haben sie mit einer ähnlichen Strategie Erfolg. Die aufgedrehten Farbregler, der 360-Grad Hero Shot, der extreme Low-Angle Shot und schnelle Schnitte, „Bad Boys 4“ wartet mit all den gängigen Michael Bay-Trademarks auf, aber präsentiert sie wohl dosiert und wohl temperiert, soll heißen sie drängen sich nicht ins Rampenlicht und biedern sich nicht an, sind mehr Hommage und weniger Kolportage. Der fast schon obligatorische Cameo des Franchise-Urvaters (Bay inszenierte auch das erste Sequel "Bad Boys II") steht dazu keineswegs im Widerspruch.

Die inszenatorische Bay-Wertschätzung und das darstellerische Bromance--Feuerwerk machen dabei so viel Lärm, dass das Ächzen des Plots zum kaum störenden Hintergrundrauschen verkommt. Quasi die Easy-Listening-Untermalung zum Jahrmarkt der Attraktionen. Die Mär von einem Maulwurf im Miami Police Department, der die Drogenkartelle informiert und sich dabei kräftig alimentiert, ist nicht gerade preisverdächtig. Die Idee, den jähzornigen Chef unserer beiden Helden nach seinem Ableben im Vorgängerfilm in dieses abgestandene Szenario hineinzuschreiben, ist ebenfalls keine Sternstunde der Autoren-Zunft. Aber auch hier gilt dasselbe, was schon die gut abgehangene Männerfreundschaft und die audiovisuellen Franchise-Trademarks auszeichnete, es ist verblüffend, wie gut das im zugegeben karnevalesken Kosmos des Films funktioniert.

Natürlich gibt es auch noch einen letzten Stolperstein und natürlich hüpfen Arbi und Fallah behende darüber hinweg. Die Explosionen sind schick, zahlreich und zumindest nicht erkennbar VFX-verseucht. Mikes schwarzer Porsche Turbo S992 röhrt und driftet über die Highways Miamis, als hätte es nie die Idee von Elektrofahrzeugen gegeben. Und die Kugeln fliegen Freund wie Feind mit hoher Schlagzahl, hohen Dezibel-Werten und hoher Geschwindigkeit um die Ohren und manchmal hat man als Zuschauer dank Ego-Shooter-Perspektive sogar noch manchmal selbst den Finger am Abzug. Kurz: das Action-Füllhorn hält auch einer genreüblichen Qualitätsprüfung stand.

Ob das als Frischzellenkur für die dahin siechende Buddy-Cop-Gattung reicht, ist dennoch fraglich, schließlich wehren sich hier zwei ältere Herren mit Oldschool-Methoden gegen den drohenden Vorruhestand. Zwar steht ein gewisser Axel Foley auch schon in den Startlöchern um potentiellen Rückenwind mitzunehmen, aber dahinter wird es dann schon fast antik. Die Kollegen Murtough und Riggs sind inzwischen definitiv zu alt für den Scheiß. Die deutsche Popsängerin Ina Deter wusste es schon damals, also zur güldenen Genre-Zeit: Neue Männer braucht das Land. Sie hat nicht gesagt, dass die nicht auch bewaffnet, gefährlich und vor allem ganz dicke Freunde sein dürfen.

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