Review

Von Universal Pictures bereitgehaltene Produktion mit Pierce Brosnan in der Haupt- und Titelrolle, ein geruhsamer Beginn, Vogelzwitschern im Wald, ein langsamer Gang über Gehölz und Wiese, Teile vom Zaun sind zerbrochen, Blüten sprießen durcheinander, es sieht friedlicher aus, als es ist, marschieren doch Soldaten durch das Unterholz entlang, die Waffe im Anschlag, die Uniform Tarnfarben. Nun hört man auch Geräusche in der Ferne, Gedröhne von weit hinten, die Geschosse, die Kanonen, die Haubitzen. Vorbei ist es mit der Friedlichkeit der Gegend, nur für ein paar Sekunden angehalten, eine Täuschung, ein Irrtum, der Zweite Weltkrieg im Gange, Menschen an der Front. Eine Karte wird gelesen, studiert, sich um den Nachbarn an seiner Seite gekümmert, von dem später gesprochen, den Wünschen und den Träumen. Ein toter Mann hängt in den Ästen, ein Fallschirmspringer, leblos, dann beginnt auch hier die Schlacht, ein Trauma für den Mann, noch ein Dutzend Jahre später mit sich herumgeschleppt, davon geträumt, erschrocken aufgewacht, Brosnan hier älter gemacht als er tatsächlich ist, gebrechlich, ergraut, schlohweiß die Haare, er hat den Krieg überstanden, überlebt, seine Frau auch, sie ein Pflegefall, aber noch wach, noch ansprechbar, noch da, die Hand warm und reagierend, Trost spendend, sie verwechselt die Männer, Charlie mit Artie, Soldaten in der Schlacht, nun im Alters- und Pflegeheim, das Frühstück wird gebracht. Im Fernsehen laufen die Nachrichten von früher, die Stürmung der Normandie, vor dem Heim hört man auch wieder die Vögel zwitschern, man verbringt den Tag auf der Bank oder bei seiner Freundin, die Erinnerungslücken hat, das ist vielleicht besser hier, besser als Albträume bei Tag und bei Nacht:

Der jetzt in einem Pflegeheim mit überschaubarem Besuch der Familie lebende Artie Crawford [ Pierce Brosnan ], ein nordirischer Veteran des Zweiten Weltkrieges, beschließt nach dem Tod seiner letzten Bezugsperson und den bevorstehenden 75. Jahrestag des sogenannten D-Days, der Landung in der Normandie und alliierten Invasion am 06. Juni 1944, die Reise zur Jubiläumsfeier anzutreten. Als ihm das von der Pflegeleitung 'verboten' wird, macht er sich heimlich aus dem Staube und auf den weiten Weg, einzig sein Bekannter Tom Malcomson [ Ian McElhinney ] weiß Bescheid.

Er erinnert sich an alles, noch, die letzten viele Jahre, den Schrecken des Kampfes, die Schlacht um Leben und Tod, um Überleben in einer fremden Gegend, sein Tag ist ausgefüllt mit Begleitung und mit Ruhe, die Nächte sind dann schlimmer, die Träume kommen wieder, es wird hinausgezögert, es wird gelesen, es wird aber auch in Erinnerungen geschwelgt, ein Trio von Freunden mal gewesen, zwei Jungs und ein Mädchen. Nur einer ist zurückgekehrt in die Heimat, in den Frieden, körperlich zumindest, geistig ist er oft noch dort vor Ort, beim Dröhnen der Kanonen und dem Einprasseln der Schüsse gewesen. Schlechte Nachrichten werden hier eingangs geboten, Maggie schläft ein, für immer, die letzte bekannte Person, friedlich im Schlaf zwar, aber trotzdem ein Verlust, nun wie alleine auf der Welt, trotz eigener Familie, bei der Beerdigung anbei, ansonsten nur zu Besuch, die Pflegekräfte näher dran an dem Mann, an Artie, sein jetziges Leben begleitend, professionell bleibend, wecken und Essen bereitstellen, mal ein kurzes Gespräch suchend, mal helfend, immer im Hintergrund. Einer der Bewohner äußert sich zu den Nachrichten, "Load of old nonsense, if you ask me. Still living off past glories, the lot of them.", die Berichterstattung im Fernsehen ist voll mit Bildern und Erzählungen, es steht eine Jahreszeit bevor, ein Andenken, ein Hochbleiben, ein Ehrerbieten der Geschehnisse vor einem Dreivierteljahrhundert, in einem vergangenen Jahrtausend, nur wenige sich noch erinnernd, und immer weniger werdend, verblassend die Ereignisse, manchmal zum Besten, manchmal ist es das Letzte, was man noch weiß, das Erste, wohin die Erinnerung zurückreicht.

Artie reagiert nicht auf die Aussagen, er hat seine eigenen Ansichten dazu, seine eigene Meinung, er hat gerade jemanden verloren, er fühlt den Geruch im Raume noch, an der Kleidung, den persönlichen Dingen, ein Verströmen der Seele, ein Freilassen von Emotionen. Behutsam ist das gefilmt, man lässt sich Zeit für seine Figur, man lässt ihm Zeit in den Bewegungen, die zittriger geworden sind und langsamer, manchmal nur mit Hilfsmitteln auszuführen, jeder Handgriff einzeln, auf den Knien im Zimmer hockend und die Memorabilien auspackend, die Andenken an früher, längst verblasst, aber noch sichtbar. Artie ist über 90, er hat ein Anliegen, er hat seine Ausgehuniform an, er will zum Gedenktag, es wird ihm ausgeredet, verboten quasi, von seiten der Pflegedienstleitung, der Direktion, von der Familie aus, er ist nicht betreut, wird aber so behandelt, wie im Gefängnis gehalten, zu seiner eigenen Sicherheit natürlich, seinem eigenen Schutz, er muss sich etwas einfallen lassen, er hat einen Plan. Er hat auch die Zuschauer auf seiner Seite, man versteht und respektiert seinen Wunsch, sein Begehren, er hat sich eine 'Fluchtmöglichkeit' ausgesucht, er ist auf der Reise, mit wenig Gepäck, die ersten Schritte sind die schwersten, "Bloody jail break", leicht komödiantisch angehaucht, mit britischen oder irischen Humor, mit englischer Frohnatur, nach Dublin soll es gehen, man macht eine Tour. 

Immer wieder schleichen sich Bilder aus dem Krieg in die Jetztzeit, in den Schlaf vor allem, "I should have died in the war, but I didn't.", eine grausame Ansicht, eine eigene Meinung, Survivor's Guilt das ganze Leben, die Existenz begleitend, mit einer der Motivationen für das Husarenstück hier, den 'Ritt' zur Gedenkfeier, per Lieferwagen, per Zug, er bekommt 'Schützendeckung' durch einen anderen Bewohner des Heimes, einen anderen Klienten, Rosslare ist die nächste Station, die Reise ist kompliziert, sie wäre es für einen wesentlich jüngeren schon. Ein Taxifahrer hilft ihm, Saving Private Ryan wird erwähnt, ein Bus soll geschafft werden, dann eine Fähre, der Weg ist das Ziel, manchmal wird mit Klischees gespielt, manchmal sie widerspiegelt, Ennio Morricone wird auch erwähnt, ein Gespräch mit der Jugend, vorher ein Streit mit der Jugend, es ist nicht alles schwarz und weiß hier, es ist bunt wie das Leben, es hat viele Facetten, es hat Töne, die Erinnerungen wecken, manchmal zum besseren, manchmal zum schlechteren, musikalisch auch der Film, mit verschiedenen Melodien spielend.

Intim und persönlich ist der Film gehalten, ruhig in der Ausführung, in der Gestaltung, dem Thema ansprechend und entsprechend, "all for one and one for all, aye?", The Great Escaper der Alternativtitel und der Titel der kurz zuvor gestarteten Verfilmung mit Michael Caine, dort genauer, hier lose basierend, die Zeitung wird von einem Bewohner informiert, ein Subplot im Film, sonst an Brosnan dran, auch bei einer Hypoglykämie, die anderen denken, der Tod sitzt neben einem. Brosnan spielt das gut, in der Maskerade, den fast Hundertjährigen zeichnend, etwas erschreckend zuweilen, viel Glück wird ihm gewünscht von Weggefährten und Begleitern, die Mitmenschen meist freundlich gesonnen, das ist mal eine Abwechslung hier, eine freudige Erscheinung, eine emotionale Regung, besonders die Details machen den Film aus, nicht die gesamte Erscheinung. Kleinigkeiten machen die Produktion zu etwas Besonderem, nicht alles gelingt, manches ist abschweifend, manches erinnert zu sehr an andere Filme, die Prämisse ist nicht gerade eigen, die Sturheit kann auch abschreckend wirkend, die Torheit des Mannes, "back to reality", es wird sich auch um andere Sachen gekümmert, um die Helfer und die Helfershelfer, Die Drei Musketiere hier oft erwähnt, oft zitiert.

Zur Verzweiflung kann man andere mit seinem Verhalten treiben, in die Illegalität, die Kriminalität, Ordnungswidrigkeiten bis Verbrechen werden begangen, der Pass ist abgelaufen, die Vehikels werden getauscht, alles etwas verharmlost, zu guten Gewissen gemacht, der Geschichte zuliebe, der Tradition und der Nostalgie, der Erfüllung des möglicherweise letzten Wunsches. Die Produktion dabei auch durchaus größer gehalten, dem Anlass entsprechend, viel in Bewegung, viele Transportmittel, die Subplots abseits der Reise, die Geschichten der Zurückgebliebenen, das spezielle Ereignis.

Der D-Day hier als Verkaufsschlager für die Touristen, in der Nachstellung für die Besucher, den Horror umgewandelt zu Kommerz, 75 Jahre später. Die Dialoge manchmal einfach gehalten, Hauptsätze, einfache Fragen und einfache Antworten, manchmal gibt es schwarzen Humor, ein Teil der Fahrt muss man mit den Deutschen Veteranen reisen, es wird tief durchgeatmet vor dem Besteigen, alle waren am Krieg beteiligt, nur auf anderen, auf verschiedenen, manche auf falschen Seiten, als Feinde, Jürgen Prochnow sitzt neben einem; manchmal wird man anklagend, vergessend wird man nicht, manchmal wird man verzeihend, manchmal sentimental, mit Gefühlen spielend, es sich zu einfach machend, aber (als Antikriegsfilm) bezeichnend; "There ain't no hero."

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